Anti-Rudel-Rasen und Simulanten-Bahre

Dienstag, 4. September 2012
„Unschöner Auflauf um den Schiedsrichter“: Duisburger Spieler bedrängen Referee Norbert Grudzinski im Spiel bei 1860 München. © imago/MIS

In Nürnberg gibt es jedes Jahr eine Erfindermesse. Eines der Highlights begeisterte zuletzt besonders die Eltern schulpflichtiger Teenager: das erste Bett, das Langschläfer morgens vollautomatisch von der Matratze katapultiert. Bald schon gingen beim Hersteller indes auch Anfragen aus spezielleren Kreisen ein: Präsidenten deutscher Bundesligaclubs wollen wissen, ob sich das technische Prinzip auch auf Trainerstühle anwenden ließe. Den Interessenten schwebt dabei ein Modell vor, das in Startschnelligkeit und Steighöhe etwa den Schleudersitzen in Düsenjägern entspricht. Einschlägige Konstruktionsbüros sind bereits am Werk. Das Anforderungsprofil der Auftraggeber enthält klare Vorgaben: Fernsteuerung auf Knopfdruck, hoher Flugbogen bei möglichst geringer Rauch- und Geräuschentwicklung, Landung außerhalb des Vereinsgeländes, kein Sicherungshebel, keine Rückflugmöglichkeit („No-Return“-Technik).

 

Die ersten Prototypen gehen aller Voraussicht nach bereits mit Beginn der Bundesliga-Winterpause in die praktische Erprobung. Dann könnten auch noch andere ingeniöse Erfindungen das sportliche Geschehen in den Stadien bereichern. Highlights aus den Versuchslabors der Branche:

 

Die Pfeifen-Pfeife. Das neue Triller-Blasgerät für Schiedsrichter speichert automatisch jede Fehlentscheidung. Nach dem dritten falschen Pfiff erklingen aus ihr wahlweise die Melodien von „Üb immer Treu und Redlichkeit“, „Bohnen in die Ohren“ oder „Bum-Budi-Bum, das kann gefährlich sein.“ Nach weiteren folgenschweren Irrtümern wie z.B. unberechtigten Elfmetern oder Platzverweisen setzt das Mundstück ein sofort wirksames Brechmittel frei, in den Geschmacksrichtungen Pepperoni, Katzendreck oder Blausäure.

 

Die Simulanten-Bahre. Eingebaute Diagnose-Sensoren stellen fest, ob ein vom Platz transportierter Spieler eine Verletzung nur vortäuscht, und starten in diesem Fall die SVA (Simulationsverkürzungsautomatik): Erst blasen Düsen ein wirksames Juckpulver unter das Trikot, dann teilen Elektrodrähte schmerzhafte Stromschläge aus. In der letzten Stufe aktiviert sich ein FSS (Fakir-Schnellgenesungs-System) mit zweitausend Nadeln.

 

Der Anti-Rudel-Rasen. Die Investitionen für dieses aufwendige Sicherungssystem machen sich rasch bezahlt, denn mit dem unschönen Auflauf um den Schiedsrichter ist es jetzt ein für alle Mal vorbei: Sobald elektronische Schnellwaagen im Rasen eine dauernde Gewichtsbelastung von mehr als drei Spielern pro Quadratmeter registrieren, öffnen sich Falltüren, und die Schubser purzeln in Eiswasser, Jauche oder die Milch der frommen Denkungsart.

 

Vorläufig erst auf dem Reißbrett der Techniker existieren die selbstwinkende Abseitsfahne mit Präzisionsoptik und Millimeter-Garantie, die Fliegenleim-Fliese für die Coaching-Zone gegen wildes Herumspringen protestierender Trainer sowie die von allen Zuschauern sehnlichst herbeigewünschte unsichtbare Werbebande. Doch alle diese Erfindungen stoßen auf den erbosten Widerstand des DFB: „Ja wo kämen wir denn da hin?“ empörte sich ein namentlich nicht genannt sein wollender Funktionär. „Mit solchen Fisimatenten wäre der Fußball am Ende ja wieder ein richtiger Sport!“

 

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