Der hl. Patrick und das Fegefeuer

Montag, 18. März 2013

Das Wort vom Sonntag

Es ist ein abenteuerliches Leben: Der junge Patricius, geboren um das Jahr 385 im Westen Britanniens, ist zwar Sohn eines christlichen Ratsherrn und Enkel eines Priesters, aber leichtlebig, faul, ein schwacher Schüler, nur in Wettkämpfen der Erste. Die Insel ist schon seit 200 Jahren römische Provinz, ein guter Teil der keltischen Bevölkerung bereits getauft. Auf einem großen Plünderungszug der heidnischen Iren verschleppen Sklavenjäger den Jungen übers Meer. Sechs Jahre dient Patricius einem Druiden als Hirte, dann endlich kann er fliehen. Nach Hause kehrt er nicht zurück: Er geht auf Wanderschaft. „Und die Furcht Gottes führte mich durch Gallien und Italien und zu den Inseln der Tyrrhenischen See“, schreibt er später in seine Lebensbeichte. Er wird Mönch, später vom hl. Germanus von Auxerre sogar zum Bischof geweiht und bleibt doch schlichten Geistes: „Ich, Patricius, ein Sünder, ganz ohne Bildung.“ Endlich fasst er den Entschluss, das Land seiner Leiden zu bekehren. Weil er weiß, dass er es zuerst mit statusbewussten irischen Kleinkönigen zu tun haben wird, zieht er mit Begleitung aus: Hilfsbischof, Priester, Rechtsgelehrter, Leibwache, Psalmist, Glöckner, Koch, Brauer, Mundschenk, Schreiber, zwei Diener, drei Metallhandwerker, drei Stickerinnen. „Ein ansehnliches Gefolge“, schreiben Erna und Hans Melchers in ihrem „Großen Buch der Heiligen“, „aber ohne dieses hätte er keine Kirchen bauen können, und keine der irischen Fürsten hätte auf ihn gehört.“ Die Schwierigkeiten sind groß, denn „feindlich gesinnt blieben ihm vor allem die Druiden, durch die er viel zu leiden hatte. Mehrmals fand der Heilige sich schwer bedroht.“ Patricius selbst, von den Iren Patrick genannt, spricht von „zwölf tödlichen Gefahren“. Aber er hält durch, und das beeindruckt vor allem das einfache Volk. Wie Jesus zieht sich der Missionar immer wieder in die Einsamkeit zurück und schöpft im Gebet neue Kräfte. Am See „Lough Derg“ im Norden der Insel zeigen Gläubige einen Stein, auf dem der Heilige so lange gekniet habe, dass seine Abdrücke zurückblieben. Nach einer anderen Legende führt er Zweiflern sogar das Purgatorium vor Augen: „Gott ließ ihn mit dem Stab einen Kreis ziehen, und siehe, die Erde öffnete sich unter dem Kreis und ein tiefer Abgrund tat sich auf. Eine Stimme aber ließ ihn wissen, dass dies das Fegefeuer sei, und wer freiwillig hineinginge, der bedürfe keiner anderen Buße mehr für seine Sünden.“ Der Apostel der Iren stirbt im Jahr 461 südlich von Belfast und ist in Saul bei Downpatrick (Nordirland) begraben. Seine Nachfolger gründen Klöster, in denen 3000 Mönche singen und beten und oft auch selbst als Missionare in heidnische Länder ziehen. Viele tragen dabei das Kleeblatt mit sich, an dem der Heilige einst die hl. Dreifaltigkeit aus Gott Vater, Sohn und dem Heiligen Geist anschaulich machte.  

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Ohne Kampf kein Sieg. Ohne Prüfung kein Glaube.

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Debussy, "Le martyre de Saint Sébastien": Ernst, Würde, Feierlichkeit zu Ehren einer großen Seele. Mut und Tapferkeit der Märtyrer sind heute vielfach vergessen. Menschen, die mit dem Leben für ihre Sache einstehen, wirken in unserer modernen Gesellschaft geradezu exotisch.“

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In einem ARD-„Wort zum Sonntag“ sagt Pfarrer (kath.) Wolfgang Beck zur Papstwahl: „Zum einem kann die Sorge um die Armen nicht losgelöst betrachtet werden, von der Sorge um Bedrängte, um all die, deren Leben und Biographie nicht den Idealvorstellungen kirchlicher Moral entsprechen. Es sind all die, bei denen Lebensentwürfe gescheitert sind. Gerade sie verdienen in ihrer Sehnsucht nach Glück Unterstützung statt Diffamierung. Kein noch so beeindruckender Einsatz für die Armen befreit vom Auftrag der Solidarität mit allen Bedrängten unterschiedlicher Art. Die Sorge um die materiell Armen würde mir hohl erscheinen, wenn sie nicht von der tiefen Verbundenheit mit allen Bedrängten begleitet wird.“ Typisch deutsch? Der Papst bekommt hier erst mal politisch korrekte Zeitgeist-Aufträge, wohl damit es die armen Priester künftig nicht mehr gar so schwer haben mit Kritikern, die der Kirche meistens gar nicht angehören. Matthäus 5,17: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben.“

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Aus einer Predigt des hl. Petrus Chrysologus: „Drei Dinge sind es, die dem Glauben Festigkeit geben, durch welche die Frömmigkeit Bestand hat und die Tugend bleibt: Gebet, Fasten und Werke der Barmherzigkeit. Was das Gebet erbittet, das wird dem Fasten gewährt, und die Barmherzigkeit nimmt es in Empfang. Gebet, Barmherzigkeit und Fasten, die drei Dinge sind eins, und sie verleihen sich gegenseitig Leben ... Oh Mensch, gib dem Armen und damit dir selbst; denn was du nicht dem andern überlässt, das besitzest du nicht!"

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Morgen feiert die katholische Kirche den Gedenktag des hl. Josef. Die wohl schönsten Worte über den bescheidenen Mann, der den Gottessohn als sein eigenes Kind aufzog, fand Papst Benedikt in einer Ansprache zum Angelusgebet vom Sonntag, dem 18.Dezember 2005: „Der geliebte Papst Johannes Paul II., der den hl. Josef sehr verehrte, hat uns im Apostolischen Schreiben Redemptoris Custos, »Beschützer des Erlösers«, eine wundervolle Betrachtung über ihn hinterlasse. Unter den vielen dort genannten Aspekten hebt er besonders das Schweigen des hl. Josef hervor. Sein Schweigen ist durchdrungen von der Kontemplation des Geheimnisses Gottes, in einer Haltung vollständiger Verfügbarkeit für den göttlichen Willen. Mit anderen Worten: Das Schweigen Josefs ist nicht Ausdruck innerer Leere, sondern im Gegenteil der Fülle des Glaubens, den er im Herzen trägt und der alle seine Gedanken und Handlungen leitet. Durch dieses Schweigen bewahrt Josef gemeinsam mit Maria das Wort Gottes, das er in der Heiligen Schrift kennengelernt hatte, und stellt ihm fortwährend die Ereignisse im Leben Jesu gegenüber; sein Schweigen ist durchdrungen von beständigem Gebet — ein Gebet des Lobpreises an den Herrn, der Anbetung seines heiligen Willens und der vollkommenen Hingabe an seine Vorsehung. Man übertreibt nicht, wenn man denkt, daß - auf menschlicher Ebene - Jesus von seinem »Vater« Josef jene starke Innerlichkeit lernte, die Voraussetzung der wahren Gerechtigkeit ist, jener »größeren Gerechtigkeit« nämlich (vgl. Mt 5,20), die Jesus eines Tages seine Jünger lehren wird. Lassen wir uns also vom Schweigen des hl. Josef »anstecken«! Wir haben dies sehr nötig in einer oft zu lauten Welt, die die Sammlung und das Hören auf die Stimme Gottes keineswegs fördert.“


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