Der Mann, der Jesus ein Vater war

Dienstag, 19. März 2013

„Das Vorbild des hl. Josef ist für uns alle ein eindringliche Aufruf, die Aufgabe, die uns von der Vorsehung anvertraut wurde, in Treue, Einfachheit und Bescheidenheit zu erfüllen.“  

„Die Gestalt dieses großen Heiligen ist, auch wenn sie eher verborgen blieb, in der Heilsgeschichte von grundlegender Bedeutung“, sagte Papst Benedikt XVI. über den hl. Josef, den Zimmermann aus Nazareth, dessen Gedenktag viele Christen heute feiern. Schon im vorgerückten Alter, nimmt der tief gläubige Mann auf Gottes Geheiß die schwangere Maria zur Frau. Er steht ihr auf der Wanderung nach Bethlehem bei, findet die Notunterkunft im Stall, flüchtet mit seiner kleinen Familie vor König Herodes nach Ägypten und lehrt Jesus das Handwerk. Sein Name bedeutet „Gott hat hinzugefügt“. Josef steht in jeder Weihnachtskrippe, doch die Bibel überliefert kein einziges Wort von ihm. Frühchristliche Legenden zeigen ihn als Vater, dessen Geduld der kleine Jesus ständig durch schelmische Kostproben seiner übernatürlichen Kräfte strapaziert.

Josefs Verehrung setzt in Europa erst um das Jahr 850 ein: Gebackene Josefskränze symbolisieren Jungfräulichkeit, Josefsringe schützen junge Eheleute vor unkeuschen Anfechtungen. Mädchen beten Josef ein Vaterunser, um einen guten Ehemann zu bekommen. Das Öl der Joseflilie heilt Hautverbrennungen und Rotlauf, aus der Milchstraße wird die Josefsstraße. Der Josefstag am 19.März wird erster Frühlings- und beliebter Hochzeitstag. 1955 macht Papst Pius XII. den 1.Mai zum kirchlichen Feiertag „Josef der Arbeiter“. Papst Benedikt: „Das Vorbild des hl. Josef ist für uns alle ein eindringliche Aufruf, die Aufgabe, die uns von der Vorsehung anvertraut wurde, in Treue, Einfachheit und Bescheidenheit zu erfüllen.“  

Seit 1870 ist Josef Schutzpatron der ganzen katholischen Kirche. Weitere Patronate: Bayern, Böhmen, China, Kanada, Kärnten, Mexiko, Österreich, Peru, Philippinen, Russland, Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Vietnam, Diözese Köln, Bistümer Osnabrück und Münster, die nach ihm benannten Ordensgenossenschaften, Bruderschaften und Vereine, Eheleute und christliche Familien, Kinder, Jugendliche, Jungfrauen, Waisen, Erzieher, Reisende, Verbannte, Sterbende, Arbeiter, Handwerker, Holzhauer, Ingenieure, Pioniere, Tischler, Totengräber, Wagner und Zimmerleute. In bildlichen Darstellungen trägt Josef das Jesuskind oder führt den Esel mit Maria und Jesus. Seine Attribute sind Axt, Säge, Beil, Winkelmaß, Laterne, Stab mit Lilienblüte und weiße Lilie als Symbol der Keuschheit. Nach dem Volksglauben hilft Josef in Wohnungsnöten, Versuchungen und verzweifelten Situationen, bei Augenleiden, zu einem guten Tod sowie zu sexueller Enthaltsamkeit. Und eine Wetterregel sagt: „Ist es klar am Josefstag, spart er uns viel Not und Plag.“

Nach frühchristlichen Legenden führt Joseph seine schwangere Braut auf der strapaziösen Reise von Nazareth nach Bethlehem fast 100 km auf einem Esel durch das Bergland, macht am Ziel das Notquartier wohnlich, treibt mitten in der Nacht noch eine Hebamme auf und ist bei der Geburt dabei. Nach jüngsten

Forschungen ist der Zimmermann aus Nazareth nicht nur ein fleißiger Handwerker, sondern auch ein erfolgreicher Kleinunternehmer: Jesus wächst nicht bei armen Leuten, sondern vor allem dank seines Adoptivvaters in einer gebildeten Mittelstandsfamilie auf.

Nach diesen Überlieferungen ist der Gottessohn ein schwieriges Kind: Stress in der Schule, kaum Freunde, ständig Krach mit dem Vater. In der Pubertät ist er bereits Halbwaise, mit alleinerziehender Mutter und mindestens fünf Geschwistern. War Jesus, fragt der Bibelforscher Alfred Schindler sogar, einst „ein kleines Ungeheuer, das seine Umwelt terrorisierte“? Das zuweilen ziemlich jähe Temperament des Erlösers, sein heiliger Zorn als Erwachsener etwa bei der Austreibung der Händler aus dem Tempel, aber auch seine große Toleranz und vor allem seine grenzenlose Liebe zu den Entrechteten, Wehrlosen und Unterdrückten - all diese Charaktereigenschaften wurzeln vor allem in jener ersten Phase seines Lebens, über die das Neue Testament schweigt.

Die Bibel berichtet nur äußerst knapp: Gleich nach Jesu Geburt flüchten Josef und Maria mit ihrem Sohn vor dem Kindermörder Herodes nach Ägypten, und nach dem Tod des Königs drei Jahre später kehren sie nach Hause zurück. Im nächsten Kapitel ist Jesus dann schon zwölf Jahre alt: Auf einer Pilgerfahrt nach Jerusalem geht er verloren und wird von den schon fast verzweifelten Eltern erst drei Tage später im Tempel wiedergefunden.

Die fromme Überlieferung weiß sehr viel mehr über die neun dunklen Jahre, und fast immer ist es Josef, der den wilden Knaben bändigen muss. Die auch Gläubigen kaum bekannten Kindheitsgeschichten stehen in den sogenannten Apokryphen. Diese frühchristlichen Schriften - das griechische Wort "apokryph" bedeutet "verborgen" - entstehen erst lange nach den Evangelien und werden nicht in das Neue Testament aufgenommen. Die Kindheit Jesu ist vor allem in zwei Apokryphen Thema:

o Das "Protevangelium des Jakobus" ("Vor-Evangelium"). Es wurde früher einem Bruder Jesu zugeschrieben, der wie zwei Apostel den sehr häufigen Vornamen Jakob trug. Er leitete später die christliche Urgemeinde in Jerusalem und wurde dort als Märtyrer gesteinigt. Neue Untersuchungen zeigen indes, dass er nicht der Verfasser gewesen sein kann, denn das Werk wurde erst um 150 n.Chr. aufgezeichnet. Der unbekannte Verfasser wollte wohl das Interesse an seiner Schrift steigern, indem er einen prominenten Schein-Autor vorschob.

o Das "Kindheitsevangelium nach Thomas". Es stammt nicht von dem berühmten Apostel, dem "ungläubigen Thomas", sondern von einem Autor, der sich „Thomas der Israelit“ nennt und ebenfalls bis heute noch nicht näher identifiziert werden kann. Er verfasste seine Schrift wohl erst um 200 n.Chr.

Die beiden anonymen Pseudo-Evangelisten wollen mit ihren Werken nicht etwa nur die große Lücke in der offiziellen Jesus-Biographie füllen: Die Wunderlegenden über den göttlichen ABC-Schützen sollen vor allem zeigen, dass Jesus schon als Kind Gott und Mensch zugleich ist - zwar schon allwissend und allmächtig, aber genauso wild, frech und ungezogen wie seine Schul- und Spielkameraden. Denn der quirlige Knabe leistet sich nicht nur allerlei Streiche, sondern vollbringt auch schon die ersten Rettungs-, Liebes- und Wundertaten.

Auf Leser späterer Zeiten wirken diese Geschichten eher befremdlich, und weil sie nicht kanonisiert, also als göttliche Überlieferung in die Bibel aufgenommen werden, bleibt ihr Wahrheitsgehalt bis heute umstritten. In den ersten beiden Jahrhunderten nach Christus aber treffen sie den Geschmack der Gläubigen, die zutiefst von einer alles lenkenden Hand Gottes überzeugt sind – mit dem hl. Josef als seinem Stellvertreter in der Rolle des irdischen Vaters, von dem der junge Jesus wie alle anderen jungen Männer auf zutiefst menschliche erst einmal die natürliche Auseinandersetzung des Abkoppelns führen muss, um seinen Weg zu finden. Es ist der Weg, der ihn zum Erlöser der Menschheit machen wird.

 

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