Als der Hirsch das Kicken lernte

Samstag, 23. März 2013

Vor 40 Jahren, am 24.März 1973, schickte Eintracht Braunschweig als erster Bundesligaverein seine Fußballer mit dem Emblem eines Trikotsponsors auf den Rasen. Erfinder der neuen Werbeform war „Jägermeister“-Chef Günter Mast (1926-2011). Zum Jubiläum druckt Nyaryum.de eine Reportage von damals.

Günter Mast (46), Chef einer Likörfabrik in Wolfenbüttel, ist ein vielbeschäftigter Mann. Doch wenn im Fernsehen die Sportberichte kommen, nimmt sich der Magenbitter-Manager fast immer dafür Zeit.

Allerdings freut sich der lebhafte Likör-Lukullus weniger auf Tore und Rekorde, sondern er überprüft vornehmlich, was sich im Hintergrund des Bildes zeigt. Dort nämlich hofft er Werbespruch und Wappen seiner Firma vorzufinden.

„Man muß den Verbraucher dort mit Werbung überraschen, wo er nicht damit rechnet“, erklärt der passionierte Jäger sein Reklame-Rezept. Ob bei Fußballspielen in Mexiko oder Skirennen in Italien, der Hubertushirsch ist immer dabei – auf Tafeln, Transparenten und häufig auch auf den Trikots der Sportler.

Und weil Magenbitter-Mäzen Mast vor kurzem als den bisher dicksten Fisch die Bundesliga-Mannschaft Eintracht Braunschweig ködern konnte, darf sein Wappentier, der Hirsch, jetzt auch in Deutschlands höchster Klasse Fußball spielen.

Daneben nahm die Mast KG auch Reiter, Boxer, Fallschirmspringer, eine komplette Eishockey-Mannschaft und den britischen Rennfahrer Graham Hill unter Vertrag. Allein für dieses Jahr hat der gewiefte Getränkehersteller 2,9 Millionen Mark für Sportwerbung bereitgestellt.

Auch andere Großfirmen haben rasch bemerkt, daß diese Art Reklame besonders viel Erfolg verspricht. Schon wurden ganze Sportvereine auf den Namen ihrer Gönner umgetauft; bei allen großen Sportereignissen, wo mit Fernseh-Berichterstattung gerechnet werden kann, rangeln Werbeagenturen schon Wochen vorher um die besten Plätze.

Die können sehr schnell wechseln. „Werden von einem Fußballspiel nur Ausschnitte gezeigt“, verrät der Spirituosen-Spezialist, „dann kommen die Flächen hinter den Toren am häufigsten ins Bild. Gibt’s aber eine Gesamtübertragung, dann ist Reklame an der Seitenlinie am erfolgreichsten, denn meistens wird der Ball im Mittelfeld gespielt.“

So gut kennt sich Günter Mast schon aus, obwohl er von sich sagt: „Sportlich bin ich sonst so gut wie überhaupt nicht interessiert.“

Die Finanzmisere der deutschen Profikicker kannte er immerhin gut genug, um zu wissen, daß der Deutsche Fußallbund bei den von ihm gebotenen Summen – Eintracht Braunschweig akzeptierte ein Angebot von 400.000 Mark – nicht lange Widerspruch erheben konnte.

Daß sein Hubertushirsch jetzt auf Eintracht-Braunschweig-Hemden den bisher dort gezeigten Löwen aus dem Felde schlug, ist sicher nicht sein letzter Sieg gewesen. „Noch viel mehr aber würde ich’s mir kosten lassen“, verriet der Likör-Fabrikant, „wenn ich den ganzen Deutschen Sportbund nach meiner Marke umbenennen dürfte.“

                                 

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