Tatort Jerusalem: Der Jesus-Krimi

Sonntag, 24. März 2013

Christen feiern Ostern als Fest der Auferstehung: Nach ihrem Glauben gab der Sohn Gottes am Kreuz sein Leben, um die sündige Menschheit zu erlösen. Historiker aber finden immer mehr Fakten, die beweisen: Das freiwillige Opfer war zugleich ein heimtückisches Verbrechen, begangen aus niedrigen Beweggründen. Denn die religiösen Motive der Mörder waren nur vorgeschoben: In Wirklichkeit handelten die Hohepriester der heiligen Stadt aus Habgier, Angst und Hass. Bibel und Geschichtsforschung zeigen, wie die Täter ihrem Ziel jeden Tag ein Stück näher kamen.

Ostern ist das höchste Fest der erfolgreichsten Religion aller Zeiten: 1,9 Milliarden Gläubige in aller Welt feiern die Auferstehung des Erlösers. Aber auch Christen können oft nicht so genau sagen, was vor 1971 Jahren in Jerusalem wirklich passierte – manche wissen nur soviel, dass der Sohn Gottes aus freiem Willen am Kreuz sein Leben ließ, um die Menschheit von der Sündenschuld zu befreien.

Historiker aber finden auch immer mehr Fakten, die beweisen: Das Opfer des jungen Wanderpredigers Jesus, der Wunder vollbrachte und vor allem die Armen, die Rechtlosen, die Kinder liebte, war zugleich ein heimtückisches Verbrechen, begangen aus niederen Beweggründen. Denn die religiösen Motive der Mörder waren nur vorgeschoben: In Wirklichkeit handelten die Hohepriester der heiligen Stadt aus Habgier, Angst und Hass.

Bibel und Geschichtsforschung zeigen, wie die Täter ihrem Ziel vom (heutigen) Palmsonntag an jeden Tag ein Stück näher kamen. Die Berichte über das Mordkomplott lesen sich wie ein Kriminalroman. Als wahrscheinlichstes Todesdatum gilt der 7. April 30. Jesus starb und wurde begraben, doch drei Tage später stand er von den Toten auf, erschien seinen Jüngerinnen und Jüngern und versprach: „Ich bin bei euch alle Tage der Welt.“

Die Osterbotschaft kündet vom Sieg der Liebe über den Tod. Sie hat in zwei Jahrtausenden nichts von ihrer Aktualität verloren, ist heute sogar wichtiger als je zuvor. Der Prager Kardinal Miloslav Vlk, der die Zahl der Opfer allein dieses Jahrhunderts in Kriegen, Gulags und Konzentrationslagern auf 175 Millionen schätzt, spricht von Megahass, Megakarfreitag, Megatod – und nennt einem Ausweg: „Der auferstandene Christus bietet uns durch das Ostergeheimnis den Weg an, aus der Spirale des Hasses, des Übels und der Gewalt auszusteigen. Seine Osterbotschaft ist Lebensbotschaft, ist Liebesbotschaft und Friedensbotschaft.“

PALMSONNTAG

Das Opfer

Bibel: „Da viel Volks, das aufs Fest gekommen war, hörte, daß Jesus käme gen Jerusalem, nahmen sie Palmenzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!“

Glaube: Jesus kommt in die heilige Stadt seines Volkes, um für die sündige Menschheit zu sterben.

Geschichte: Die Hohepriester sorgen sich um ihre Einkünfte, weil Jesus Geldwechsler und Opfertierhändler aus dem Tempel treibt. Die Stimmung unter den 80 000 Einwohnern ist aufgeheizt: Viele Juden wollen nicht länger unter römischer Herrschaft leben. Sie hoffen, Jesus werde sie mit Engels-Legionen von den Unterdrückern befreien. Davon träumt auch der Apostel Judas. Jesus ist nicht der einzige, aber der weitaus populärste Prediger der Zeit. Er hat Theologie studiert, spricht außer der Umgangssprache Aramäisch auch Hebräisch und Griechisch.

MONTAG

Die Täter

Bibel: „Als er in den Tempel kam, traten zu ihm, als er lehrte, die Hohenpriester und Schriftgelehrten und die Ältesten und sprachen zu ihm: Wer hat dir die Macht gegeben, solches zu tun?“

Glaube: Jesus gibt keine klare Antwort, sondern argumentiert nur mit Gleichnissen, weil der Mensch die Wahrheit nicht mit dem Verstand erkennen, sondern im Glauben bekennen sollen.

Geschichte: Die Ankläger sind sich noch nicht einig, denn in Jerusalem streiten zwei religiöse Parteien. Die strengen Pharisäer („Die Abgesonderten“) lehren wie Jesus das Leben nach dem Tod, vernachlässigen vor lauter Paragraphen aber das wichtigste Gebot, die Liebe. Die liberalen Sadduzäer (nach König Salomos Hohepriester Zadok), römerfreundliche Partei der Vornehmen und Reichen, glauben weder an die Auferstehung noch an Engel oder Dämonen.

DIENSTAG

Das Motiv

Bibel: „Und die Hohepriester und Schriftgelehrten trachteten, wie sie ihn töteten; und fürchteten sich vor dem Volk.“

Glaube: Die Leiden des Gottessohnes sind himmlischer Wille, die Hohepriester nur Erfüllungsgehilfen der Vorsehung.

Geschichte: Die Lage wird immer bedrohlicher, denn zum bevorstehenden Passahfest strömen Hunderttausende Pilger in die Stadt. Weil Jesus mit Wundern und Predigten immer mehr Menschen begeistert, bangen die Hohepriester nun sogar um ihre Macht. In einer Propagandaoffensive verbreiten sie, die Heilungen Blinder und Gelähmter seien nur billige Zirkustricks. Gleichzeitig versuchen ihre besten Redner, Jesus öffentlich vorzuführen. Die Sadduzäer stellen ihm Fangfragen, die Pharisäer wollen zu römerfeindlichen Aussagen verleiten und dann anzeigen. Bei anderen Predigern dieser unruhigen Zeit hat das schon funktioniert. Jesus ist klüger, blamiert seine Gegner – das weckt ihren Hass.

MITTWOCH

Der Plan

Bibel: „Da ging hin der Zwölf einer, mit Namen Judas Ischariot, zu den Hohepriestern und sprach: Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten. Und sie boten ihm dreißig Silberlinge.“

Glaube: Judas wird vom Satan verführt.

Geschichte: Judas erschlug einst den Vater, veruntreut Geld aus der Kasse der Apostel, ist ein fanatischer Revoluzzer. Als Jesus erklärt, sein Reich sei „nicht von dieser Welt“, sieht Judas nur noch eine Chance, den erhofften Volksaufstand zu entfesseln: Die Festnahme des umjubelten Wundertäters soll erst in Jerusalem und dann in ganz Palästina die Massen mobilisieren. Die Hohepriester durchschauen den Plan und machen ihn sich zunutze. Sie wollen die gefährliche Bewegung spalten. Der Ratsherr Joseph von Arimathäa, ein heimlicher Christ, und sein Freund Nikodemus warnen vergeblich.

GRÜNDONNERSTAG

Die Verhaftung

Bibel: „Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist’s; den greifet und führet ihn sicher ab.“

Glaube: Jesus hat schon auf die Büttel gewartet, gibt sich freiwillig in ihre Hand. Die Flucht der Jünger ist Sinnbild für die Schwäche der menschlichen Seele. Judas fährt zur Hölle.

Geschichte: Die Feinde Jesu legen den Zeitpunkt der Verhaftung in die späte Nacht, um Aufsehen zu vermeiden. Die Tempelpolizisten rücken in großer Zahl aus, sollen jeden Widerstand im Keim ersticken, doch in der Stadt bleibt es ruhig. Judas erkennt den Fehlschlag und erhängt sich. Jesus wird in den Palast des Kaiphas gebracht. Der Hohepriester, seit 20 Jahren im Amt, hat als erster die Todesstrafe gefordert. Um seine wahren Motive zu verbergen, stellt er im Verhör nur Fragen zur Religion: Die Anklage soll auf Gotteslästerung lauten, ein todeswürdiges Verbrechen.

KARFREITAG

Der Mord

Bibel: „Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn daselbst.“

Glaube: Durch seinen Opfertod am Kreuz nimmt Jesus alle Sünden der Menschheit auf sich und befreit sie damit aus der Macht des Todes, der sie seit der Sünde Adams und Evas unterworfen war.

Geschichte: Die Hohepriester müssen alle Mittel aufbieten, um den Mordplan zu verwirklichen, denn Todesurteile sind dem römische Gouverneur vorbehalten. Pilatus will mit religiösen Sachen zwar nichts mehr zu tun haben, aber Streitereien mit dem Tempel haben ihm schon ein paar Rüffel aus Rom eingetragen. Deshalb läßt er den Hohepriestern nach langem Hin und Her ihren Willen. Vier Jahre später wird er abgesetzt und nach Vienne (Südfrankreich) verbannt. Mit ihm verliert auch Kaiphas sein Amt. Joseph von Arimathäa und Nikodemus bestatten den Gekreuzigten in einem Grabtuch, das heute in Turn gezeigt wird.

KARSAMSTAG

Die Zeugen

Bibel: „Sie gingen hin und verwahrten das Grab mit Hütern und versiegelten den Stein.“

Glaube: Jesus hält sich in der Unterwelt auf.

Geschichte: In der Stadt bleibt es ruhig, alles ist mit Vorbereitungen für das Passahfest beschäftigt. Die Mörder fürchten, Jünger könnten den Toten fortschaffen und vor dem leeren Grab behaupten, der Wundertäter sei auferstanden. Pilatus stellt deshalb eine Wache ab. Die treuesten Gläubigen warten in Bethanien bei Lazarus, den Jesus einst von den Toten erweckte. Am Morgen wollen sie den Leichnam nach jüdischem Brauch salben. Es sind Maria, Maria Magdalena, Josephs Bruder Klopas und neun Apostel. Sie alle werden Zeugen der Auferstehung: am Grab, auf dem Weg nach Emmaus, in Jerusalem oder in Galiläa. Aber nicht nur Bibel und Legende, auch bis heute erhaltene Briefe und Berichte wissen von Jesu Wundern und Erlösungstat.

OSTERSONNTAG

Die Folgen

Bibel: „Was suchet ihr den Lebendigen bei den Toten? Er ist nicht hier; er ist auferstanden.“

Glaube: Engel verkünden den Jüngern das große Geheimnis der göttlichen Rettungstat. Seit ihr darf die Menschheit wieder auf Sündenvergebung und ewiges Leben hoffen.

Geschichte: Ein Erdbeben läßt die Legionäre vom Friedhof fliehen. Maria Magdalena und andere Frauen, dann die Apostel Petrus und Johannes entdecken: Das Grab ist leer! Die vier Evangelien schildern die Szene in verschiedenen Versionen, doch entstehen die Schriften erst nach Jahrzehnten mündlicher Überlieferung. Als die Pilger Jerusalem wieder verlassen, haben die Hohepriester gesiegt, denn nur eine kleine Minderheit glaubt noch an Gottessohn und Auferstehung. Doch 2000 Jahre später ist das Christentum mit zwei Milliarden Anhängern die erfolgreichste Religion aller Zeiten.

OSTERMONTAG

Die Berufung

Bibel: „Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf einen Berg, dahin Jesu sie beschieden hatte.“

Glaube: Der Auferstehung folgt die Aussendung der Apostel als Missionare („Geht hin und lehret alle Völker“). Sie wird zu Pfingsten durch den Heiligen Geist bekräftigt.

Geschichte: Nach Kreuzigung und Auferstehung sind die Jünger verängstigt und verwirrt, wissen nicht, was sie ohne ihren Meister tun sollen. Zunächst fällt ihnen nur ein, in ihr altes Leben als Fischer wieder aufzunehmen. Erst als Jesus ihnen auf dem See Genesareth erscheint, ihnen ihre Aufgaben zuteilt und seinen ewigen Beistand zusichert („Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“), kennen die Elf ihr Los und nehmen es auf sich. Sie wählen Matthias zum neuen zwölften Apostel, gründen in Jerusalem die erste christliche Kirche und brechen zu Missionsreisen durch die gesamte damals bekannte Welt auf.

Alle sterben als Märtyrer: in Rom, Griechenland, Südrußland, der Türkei, Ägypten, Äthiopien, Persien und Indien.

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