Abtreibung und Gentechnologie

Samstag, 23. März 2013

In GLAUBENSSACHE RETRO zeigen Kolumnen aus 2001, welche kirchlichen Themen die Medien vor zwölf Jahren wichtig nahmen und was sie daraus machten. Heute: Die Ausgabe vom Sonntag, 23.März 2001.

Vierter Fastensonntag, die Hälfte ist geschafft. Spätentschlossene können noch mitmachen, doch Vorsicht, es geht nicht ums Schlankwerden, Fasten heißt vor allem Umkehr des Herzens: Sich zurücknehmen, Gutes tun, auch mal in die Kirche gehen, beten. Für den mündlichen Teil der frommen Magerkur verweist Spaniens Mystiker Johannes vom Kreuz (1542-1591) auf eine Variante, die nicht nur bei Politikern verheißungsvoll klingt: „Noch besser als zu fasten bei Wasser und Brot ist es, die Zunge zu beherrschen.“

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Wiedergefunden: ein Plakat der Weltmission von 1975. "Europas Christen müssen reicher werden an Hoffnung, Wahrhaftigkeit, Demut, Glauben, Liebe, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Vertrauen, Brüderlichkeit, Erkenntnis durch Christus." Wurden sie es? Ja. Das beweisen das Schuldbekenntnis des Papst, die Fortschritte der Ökumene, Mut und Demut bei der Verkündigung des Evangeliums in der Dritten Welt oder das Bemühen, Nazi-Unrecht wiedergutzumachen. Nur: Leider wurden Deutschlands Christen gleichzeitig immer weniger.

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In der Diskussion um den Abtreibungsparagraphen spotteten progressive Politiker über kirchliche Standpunkte, das Leben beginne bereits bei der Zeugung. In der Diskussion über Gentechnologie sind früheste menschliche Zellverbindungen für die gleichen Politiker plötzlich sakrosankt. 1 Korinther 3,19 warnt: „Dieser Welt Weisheit ist Torheit vor Gott.“ An den Grenzen des Lebens bedarf es gesetzlicher Regelung, aber individueller Entscheidung: Die Gesellschaft kann das Gewissen nicht ersetzen.

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Die erste „Christliche Schule für politische Bildung“ will „insbesondere jungen Christen helfen, Resignation zu überwinden und kommunalpolitisch aktiv zu werden, um sich von Parteien und Bürgerbewegungen als Kandidaten für Stadt- oder Regionalparlamente aufstellen zu lassen“: Wie kommt man als Christ in die Politik, wie lernt man Management, Gesetzgebungskompetenz, Wahlkampf? Das Institut findet sich nicht im heiligen Köln, auch nicht in Bayern, erst recht nicht in Berlin, sondern in Santa Maria, Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Rio Grande do Sul. Kommet aus allen Ländern und lehret uns...

 

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