Who is Who zu Ostern

Donnerstag, 28. März 2013

Wer alles hat Kreuzigung und Auferstehung damals in Jerusalem aus nächster Nähe miterlebt, und wie ist es diesen Zeit- und Glaubenszeugen später ergangen?

Zwei Milliarden Christen in aller Welt gedenken dieser Tage des Leidens und Sterbens Jesu. Am Karfreitag wird die Passionsgeschichte in den Kirchen der Welt verlesen, in der Osternacht folgt das Evangelium mit den Ereignissen der Auferstehung. Die Gläubigen sollen nicht nur von den Geschehnissen wissen, sie sollen auch mitfühlen, mit dem Herzen teilhaben: in Trauer mit der Angst, den Schmerzen und der Verzweiflung des Gekreuzigten, in Freude mit der frohen Botschaft der Erlösung von Sünde und Tod.

Die Stationen des Gottesdramas zwischen Gethsemane und Golgatha kennt jedes Kind, denn die Bilder von Verhör und Prozeß, Geißelung und Dornenkrone, Kreuzweg und Kreuzigung prägen sich der Christenseele so unvergeßlich wie die Hauptpersonen in diesem Höhepunkt des göttlichen Heilsplans: Jesus, Judas, Kaiphas, Pilatus. Doch selbst von der Gottesmutter, von den Aposteln oder von Maria Magdalena wissen viele Christen nicht oder nicht mehr: Was genau haben sie in diesen drei Schicksalstagen der Menschheit getan, wie ging es für sie nach der Kreuzigung weiter, was ist aus ihnen geworden?

Noch stärker verblaßt in unserer Zeit das Wissen um Kulisse und Komparserie des Ostergeschehens. Auch viele Ältere wissen nicht: Wer alles hat Kreuzigung und Auferstehung damals in Jerusalem aus nächster Nähe miterlebt, und wie ist es diesen Zeit- und Glaubenszeugen später ergangen? Die Evangelien erzählen nur das Nötigste, denn der Bibel kommt es nur auf das Wirken Gottes an und nicht auf das der Menschen. Doch schon in der frühchristlichen Kirche bildete sich auch um Nebenfiguren ein bunter Kranz von Legenden, den das gläubige Mittelalter mit vielen Visionen und Interpretationen immer weiter ausgeschmückt hat. Zuletzt liefert auch die moderne Forschung manche interessante Facette für ein aktuelles Who is Who zum Osterfest. Das sind die wichtigsten Namen, und das berichten Bibel, Wissenschaft und Legende:

Alphäus ist ein Bruder des hl.Joseph, also ein Onkel Jesu, und Vater von vier Aposteln: Jakobus d.J., Simon Zelotes, Judas Thaddäus und Barnabas. Außerdem ist er wohl einer der beiden Jünger, die Jesus auf dem Weg nach Emmaus begleitet und den sie nach trauervollen Gesprächen erst am Abend als den Auferstandenen erkennen.

Barabbas ist für die Juden ein Freiheitskämpfer, für die Römer aber ein Straßenräuber, Aufrührer und Mörder. Pontius Pilatus läßt ihn auf Wunsch der Hohepriester an Stelle Jesu frei. Durch dieses Erlebnis findet Barabbas zum Glauben. Später geht er nach Rom, erlebt den Brand der Stadt und wird bei der Christenverfolgung Kaiser Neros gekreuzigt.

Chusa ist Finanzminister des Königs Herodes Antipas und kommt durch seine Ehefrau Johanna in die Passionsgeschichte: Sie ist heimlich eine treue Anhängerin Jesu und begegnet zusammen mit anderen Frauen am Ostermorgen den beiden Engeln am leeren Grab.

Dismas wird als „Schächer“ (Räuber, Mörder) neben Jesus gekreuzigt. Weil er bereut, verspricht ihm der Erlöser: „Noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein.“ Seine Reliquien werden in Zypern und Bologna verehrt.

Gestas, der zweite mit Jesus gekreuzigte Schächer, zeigt keine Reue und verfällt der ewigen Verdammnis.

Herodes Antipas ist ein Sohn Herodes des Großen, des Kindermörders von Bethlehem. Weil ihn die schöne Salome bittet, läßt er Johannes den Täufer enthaupten. Als Herrscher von Galiläa ist er Jesu Landesherr, deshalb schickt Pilatus den Gottessohn zu ihm. Im Jahr 39 reist er nach Rom, um sich den Königstitel zu holen, wird aber verräterischer Kontakte mit den Parthern im Iran beschuldigt und stirbt ein Jahr später als Verbannter in Südfrankreich.

Jakobus d.Ä., Apostel, ist ein Vetter Jesu, denn seine Mutter Salome ist eine Schwester der Gottesmutter Maria. Sein Vater Zebedäus leitet eine Fischereigenossenschaft am See Genezareth. Jakobus erlebt Jesu Todesangst im Garten Gethsemane mit, wagt sich aber nicht unter das Kreuz. Später leitet er die junge Christengemeinde in Jerusalem. Im Jahr 44 wird er mit dem Schwert hingerichtet, als zweiter Märtyrer der jungen Kirche nach Stephanus. Seine Reliquien machen später Santiago de Compostela zum bedeutendsten Wallfahrtsziel des Mittelalters.

Johanna, die Ehefrau des Finanzministers Chusa, wird von Jesus von schwerer Krankheit geheilt und unterstützt ihn fortan finanziell. Sie ist mit den wohlhabenden Juden Joseph von Arimathäa und Nikodemus bekannt und hilft ihnen bei der Bestattung des Gekreuzigten.

Johannes, Apostel, Evangelist, Lieblingsjünger und Vetter Jesu, wagt sich als einziger mit den Frauen nach Golgatha unter das Kreuz, wo der Gekreuzigte ihm die Sorge für die Gottesmutter anvertraut. Am Ostermorgen kommt er noch vor Petrus ans leere Grab, geht aber erst hinter ihm hinein. Er ist der jüngere Bruder des Jakobus d.Ä. und ebenfalls Fischer im väterlichen Betrieb. Später verhaftet, aber von einem Engel befreit, wird er nach Patmos verbannt. Zuletzt Leiter der Christengemeinde in Ephesus, stirbt er um 100/101 in sehr hohem Alter.

Joseph von Arimathäa, reicher Ratsherr in Jerusalem und heimlicher Jünger, fängt nach der Legende das Blut des Gekreuzigten in der gleichen Schale auf, die Jesus beim Abendmahl benutzte. Er erbittet von Pilatus den Leichnam, hüllt ihn in einen Leinentuch, bestattet ihn im eigenen Grab. Später eingekerkert und durch Wunder befreit, missioniert er in Frankreich und England; dort wird die heilige Schale später zum legendären Gral.

Judas Ischariot, nach der Legende Vatermörder und Revolutionär, hat erwartet, daß der Messias die Römer verjage. Er verwaltet die Kasse der Jünger, veruntreut Geld, ärgert sich über die Verschwendung von kostbarem Öl für die Füße Jesu und verrät den Gottessohn mit einem Kuß an seine Verfolger. Am nächsten Tag wirft er die 30 Silberstücke in den Tempel und erhängt sich. Der Strick reißt, und er stürzt auf einem Felsen zu Tode.

Kaiphas, 18 n.Chr. von Pilatus-Vorgänger Valerius Gratus als Hohepriester eingesetzt, stellt im Hohen Rat den Antrag, Jesus wegen Gotteslästerung zu töten. Später führt er auch Prozesse gegen Petrus und Johannes. Im Jahr 36 n.Chr. wird er vom syrischen Statthalter Vitellius abgesetzt.

Lazarus, Bruder von Martha und Maria Magdalena, wird von Jesus nach vier Tagen von den Toten auferweckt. Nach der Kreuzigung wollen die Hohepriester auch ihn hinrichten. Nach der Legende wird er mit Schwestern und Freunden auf hoher See ausgesetzt, landet in Südfrankreich und wird Bischof von Marseille.

Longinus, römischer Hauptmann, kommandiert die Kreuzigung, stößt eine Lanze in Jesu Seite, um den Tod festzustellen, und ruft: „Wahrlich, dieser Mann war Gottes Sohn.“ Nach der Legende läßt er sich später taufen. Seine Waffe findet sich heute als hl.Lanze im Reichsschatz der deutschen Kaiser in der Wiener Hofburg.  

Lukas, Arzt, Evangelist und Autor der Apostelgeschichte, ist wahrscheinlich einer der beiden Jünger von Emmaus. Er bezieht seine detaillierte Informationen von Johanna, der christlichen Ehefrau des Finanzministers Chusa, und stirbt mit 84 Jahren bei Korinth.

Malchus, Bediensteter des Hohepriesters Kaiphas, will Jesus gefangennehmen, da schlägt Petrus ihm mit dem Schwert ein Ohr ab.

Maria leidet unter dem Kreuz ihres Sohnes alle Schmerzen einer Mutter. Bei ihr sind ihre Schwester Salome mit Sohn Johannes, die wohlhabende Johanna und ihre Freundin Susanna sowie Maria Magdalena. Auf Wunsch Jesu nimmt Johannes die Gottesmutter mit sich und sorgt für sie in Jerusalem und in Ephesus, wo noch heute ihr Wohnhaus gezeigt wird.

Maria Magdalena, die bekannteste Jüngerin Jesu, ist Zeugin des Ostergeschehens am Kreuz und am Grab: Als erste von allen Jüngern begegnet sie dem Auferstandenen. Nach der Legende missioniert sie später in Südfrankreich und wird in Aix-en-Provence begraben. Mehrere Familien in England und Frankreich führen ihre Abstammung auf einen Sohn zurück, den sie Jesus geboren haben soll.

Markus, Evangelist und Jünger, ist wahrscheinlich identisch mit dem Jüngling, der bei der Gefangennahme Jesu das Gewand verliert und nackt aus dem Garten Gethsemane flüchtet. Im Haus seiner Eltern versammeln sich später die Apostel. Später reist er mit Paulus und Petrus. Als Bischof von Alexandria  wird er an einem Seil zu Tode geschleift. Reliquien finden sich in Venedig und auf der Insel Reichenau.

Martha, die ältere Schwester von Lazarus und Maria Magdalena, führt den Haushalt ihres Bruders und ihrer Schwester Maria Magdalena in Bethanien mit einem Fleiß, den auch Jesus lobt, der dort gern zu Gast ist. Auch Martha lebt später in Südfrankreich, ihr Grab liegt in Tarascon.

Nikodemus, ein angesehener Pharisäer, diskutiert mit Jesus über die Auferstehung und versucht erfolglos, ihn vor den Hohepriestern in Schutz zu nehmen. Bei der Kreuzabnahme zieht er die Nägel heraus und bringt etwa 100 Pfund Myrrhe und Aloe zur Einbalsamierung des Leichnams. Danach wird er aus der Synagoge ausgeschlossen und fast gesteinigt. Er verfaßt auch ein apokryphes Evangelium über die Taten Jesu in der Unterwelt.

Petronius ist Hauptmann der Legionäre, die Jesu Grab bewachen, bis ein Erdbeben sie ohnmächtig zu Boden stürzen läßt.

Petrus, Anführer der Apostel, betritt als erster das Grab und sieht die leeren Leichenbinden. Später wird er verhaftet und von einem Engel befreit. Erster Papst in Rom, wird er von Nero im Zirkus kopfunter gekreuzigt.

Pilatus, Roms Statthalter in Judäa (6-36 n.Chr.) hat viele Konflikte mit den Juden, die er teils mit brutaler Gewalt beendet. Im Fall Jesu aber gibt er nach und läßt dedn Unschuldigen kreuzigen. Ein Jahr später wird er wegen eines Gemetzels unter Einwohnern von Samaria amtsenthoben und nach Südfrankreich verbannt. Im Jahr 39 begeht er in Vienne Selbstmord. 

Salome, Schwester der Gottesmutter Maria, ist Ehefrau des Fischereiunternehmers Zebedäus und Mutter der Apostel Jakobus d.Ä. und Johannes. Sie steht mit anderen Frauen unter dem Kreuz, geht mit ihnen am Sonntagmorgen zum Grab, um den Leichnam zu salben, und hört die Botschaft des Engels: „Er ist auferstanden.“

Susanna, wohlhabende Jüngerin aus der Oberschicht Jerusalems, wird wie ihre Freundin Johanna von Jesus geheilt, unterstützt ihn ebenfalls mit Geld und hält ihm bis unter das Kreuz die Treue.

Tiberius, römischer Kaiser (14 – 37), sendet nach der Legende schwer erkrankt einen Boten nach Jesus, um sich heilen zu lassen. Als er von der Kreuzigung erfährt, setzt er Pilatus ab und schickt ihn in die Verbannung.

Veronika, legendäre Frau aus Jerusalem, gibt Jesus auf dem Kreuzweg ein Schweißtuch, das wundersam die Züge des Erlösers bewahrt. Der Name kommt vom lateinisch-griechischen „vera ikon“ („wahres Bild“), das heute in Rom aufbewahrt wird.

Zebedäus leitet eine Fischereigenossenschaft am See Genezareth und mit vielen Personen der Ostergeschichte verwandt: Die Apostel Jakobus d.Ä. und Johannes sind seine Söhne, Maria ist seine Schwägerin, Josephs und Johannes der Täufer seine Vettern.

 

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