Ostern Tag für Tag

Donnerstag, 28. März 2013

Die Ereignisse in und um Jerusalem vom Gründonnerstag bis Ostermontag

GRÜNDONNERSTAG

Abendmahlssaal

Jerusalem, Zionsberg

Zum Passahfest sind die Straßen und Gassen Jerusalem voller Menschen, denn zu den 70.000 Einwohnern kommen in diesen Tagen rund 300.000 Pilger aus aller Welt. Die meisten kampieren in Zelten vor der Stadt. Jesus hat wie in den Tagen zuvor bei seinem Freund Lazarus, den er einst von den Toten auferweckte, in dem Dorf Bethanien drei Kilometer vor der Stadt übernachtet. Er weiß, dass die Tempelwächter längst nach einer Gelegenheit suchen, ihn ohne Aufsehen zu verhaften. Am Donnerstagmorgen beauftragt er Petrus und Johannes, für das gemeinsame Abendessen einzukaufen. Als geheimen Versammlungsort bestimmt er das Obergeschoss eines zweistöckigen Hauses auf dem heutigen Zionsberg. Das letzte Abendmahl beginnt um 19 Uhr. Jesus wäscht den zwölf Aposteln die Füße, setzt die heilige Eucharistie aus Brot und Wein ein („Das ist mein Fleisch, mein Blut“) und sagt den Verrat voraus. Daraufhin verlässt Judas den Saal. Danach zieht sich Jesus mit seinen engsten Vertrauten in den Garten Gethsemane zurück, der vor der Stadt am Ölberg liegt. Etwa um 1 Uhr morgens wird er festgenommen.

KARFREITAG

Prätorium, Golgatha

Jerusalem, Südwesthügel und Gennath-Tor

Die Tempelwächter bringen Jesus zuerst in das Haus des früheren Hohepriesters Hannas, der ihn kurz verhört. Gegen 2 Uhr folgt die eigentliche Vernehmung vor dem Hohen Rat in der Residenz des Hohepriesters Kajaphas. Als sich die Zeugen widersprechen, macht Jesus selbst den Weg zum Kreuz frei: Er bekennt sich als Messias, den Sohn Gottes – für die Juden ein todeswürdiges Verbrechen. Da sie die Strafe nicht selbst vollstrecken dürfen, bringen sie den Angeklagten in das Prätorium, das Amtsgebäude des römischen Staathalters Pontius Pilatus. Der Römer will sich in religiöse Streitigkeiten nicht einmischen und schiebt Jesus zu dessen Landesherrn ab. Doch König Herodes Antipas von Galiläa, ebenfalls zum Passahfest nach Jerusalem gekommen, schickt den Gefangenen gleich wieder zurück. Um 6 Uhr beginnt der Prozess. Pilatus durchschaut die Motive des Hohepriesters, der einen lästigen Kritiker loswerden möchte, und will Jesus retten. Doch als die aufgeputschte Menge droht, den Statthalter beim Kaiser als Verräter anzuzeigen, gibt er nach. Gegen sieben Uhr lässt er Jesus auspeitschen. Um 8 Uhr beginnt der Weg nach Golgatha. Um 9 Uhr wird Jesus gekreuzigt, sechs Stunden später stellt ein Lanzenstich den Tod fest. Als um 19 Uhr das Passahfest beginnt, liegt Jesus bereits im Grab.

KARSAMSTAG

Prätorium, Grab

Jerusalem, Südwesthügel und Golgatha

Die Hohepriester fordern Pilatus auf, das Grab bewachen zu lassen, „damit nicht seine Jünger kommen und ihn stehlen und zum Volk sagen: Er ist auferstanden von den Toten.“ In Jerusalem herrscht strenge Sabbatruhe, doch durch die Stadt schwirren Gerüchte: Eines der hier häufigen Erdbeben habe den großen Vorhang im Tempel zerrissen und auf den Friedhöfen Gräber geöffnet. Manche erzählen sogar, Tote seien auferstanden. Die Gottesmutter Maria, die anderen Verwandten Jesu, die Apostel, Jünger und Jüngerinnen halten sich aus Furcht vor den Tempelwächtern versteckt. Nach christlicher Überlieferung steigt Jesus in die Unterwelt hinab, lässt den Satan von einem Engel fesseln und erlöst Adam mit vielen anderen Toten. Als Kardinal sagte Papst Benedikt XVI. einmal, dass „vielleicht kein Glaubenssatz unserem heutigen Bewusstsein so fern steht wie der über den Abstieg Jesu in das Totenreich“: Es gebe eine Tendenz, die Aussage einfach zu übergehen, um schließlich ohne offensichtliche Verluste etwas loszuwerden, was unserem Denken fremd geworden sei.

OSTERSONNTAG

Am Grab

Jerusalem, Golgatha

Das Erdbeben hat die Wächter vom Grab Jesu gleich unterhalb der Richtstätte auf dem Berg Golgatha verjagt und den schweren Türstein vom Eingang gerollt. Im Morgengrauen kommt Maria Magdalena, die jüngere Schwester des Lazarus, zum Grab. Sie will mit anderen Jüngerinnen den Leichnam nach jüdischem Brauch einsalben, was am Freitag in der Eile der Bestattung nicht möglich und am Sabbat verboten war. Zu ihrer großen Überraschung findet sie die Felsenkammer leer. Nach ihr erkennen auch die Apostel Petrus und Johannes das Wunder der Auferstehung, das zur zentralen Botschaft des Christentums wird: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Maria Magdalena sieht Jesus kurze Zeit später und spricht sogar mit ihm. Danach erscheint der Auferstandene auch Petrus und den anderen Aposteln, einmal sogar 500 Jüngern auf einmal. Für Benedikt XVI. ist die Auferstehung „ein Ereignis in der Geschichte, das doch den Raum der Geschichte sprengt und über sie hinausreicht.“ Es könne so etwas wie ein „Mutationssprung“ sein, in dem sich, so der Papst, „eine neue Dimension des Lebens, des Menschseins auftut“ und eine „neue Art von Zukunft für die Menschen eröffnet.“   

OSTERMONTAG

Jerusalem, Emmaus

Zwei Jünger Jesu machen sich auf den Weg nach dem Dorf Emmaus zwei Wegstunden vor Jerusalem. Unterwegs gesellt sich ein Fremder hinzu. Als sie mit ihm zu Abend essen, erkennen sie ihn plötzlich als Jesus. Sofort eilen sie nach Jerusalem zurück. Dort hat sich das Gerücht von der Auferstehung bereits wie ein Lauffeuer verbreitet. Die Passahgäste, die jetzt in ihre Heimatländer zurückkehren, tragen die Geschichte vom Messias und seiner wundersamen Wiederkehr ins gesamte römische Imperium. Der Auferstandene selbst sagt seinen Getreuen: „Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium.“ Sieben Wochen nach Ostern erscheint der Heilige Geist den Aposteln in Gestalt feuriger Zungen, und Pfingsten wird zum Gründungsfeier der Kirche Jesu Christi.

 

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