Kapitel 74: Ein überraschendes Gespräch

Samstag, 30. März 2013
„Am Sonntag bringe ich ihnen die Rechnung“: Der Holländische Brook 1885 © Museum für Hamburgische Geschichte

 Jack und seine Leute hatten noch gar nicht lange im „New London“ gesessen, als Möller aufkreuzte, wie immer in diesem Laden in Zivil.

  „Und?“ fragte Jack. „Wusste der Kerl, wo die Goldfüchse sind?“

  „Nein“, sagte der Constabler verärgert.

  „Hast du ihn nur nicht richtig vermöbelt“, spottete Wacko.

  „Ich hab ihn erschossen“, sagte Möller.

  Die anderen wurden still, und er erzählte, was geschehen war. „Es blieb mir gar nichts anderes übrig“, schloss der Constabler. „In dem Schietlabyrinth da unten hätte ich ihn in tausend Jahren nicht erwischt. Jetzt hält er wenigstens die Schnauze.“

  „Nur schade, dass du den anderen nicht auch noch gekriegt hast“, sagte Jack. „Wer kann das denn wohl gewesen sein?“

  „Auch so ’n Verrückter“, sagte der Constabler überzeugt, „lief da unten in so ’ner Kutte rum, ich glaube langsam, das ganze Sielsystem ist bloß für die Bekloppten da.“

  "Da haben wir's ja schon", sagte Jack und fing an zu lachen. Die anderen lachten ebenfalls.

  „In so einer langen grauen Wollkutte, wie so ’n verdammter Mönch“, erläuterte Möller. „Was lacht ihr denn so dumm?“

  „Du hast wohl gar nicht gesehen, wie sie Johnny aufgeknüpft haben?" fragte Wandrahm-Willy.

  „Wie denn, du Spaßvogel, ich hatte doch zu tun“, sagte der Constabler irritiert. „Was ist denn nur los mit euch?“

  Die anderen lachten noch lauter.

  „Glaubt ihr, dass der Kerl zur Polizei geht?“ fragte Möller. „Das war ein Verrückter, ich sag’s euch, wer läuft denn sonst mit so ’ner Kutte rum, wie ’n verfluchter Heiliger?“

  „Zur Polizei geht der bestimmt nicht“, sagte Jack. „Das war nämlich Johnny, du Riesenross. Sie haben ihn in einer Kutte zum Richtplatz gekarrt, wollten wohl mal zeigen, wie sie früher die armen Sünder aufgehängt haben.“

  „Verdammt!“ sagte der Constabler. „Wenn ich das gewusst hätte!“

  „Dann hättest du ihn abgeknallt, was? Ich hab’ dir doch gesagt, dass du ihn in Ruhe lassen sollst!“

  „Du hast mir gar nichts zu sagen, ich bin Polizist!“

  „Und was für einer“, lachte Jack. „Trink was. Es wird sich schon alles zurechtrütteln.“

  Später stellte sich heraus, dass der Henker und seine falschen Knechte den leeren Sarg tatsächlich nach Ohlsdorf gekarrt hatten. Der „Schindanger“ trug den verächtlichen Namen nur noch im Milieu, offiziell hieß er bereits „Justizbegräbnisplatz“. Sophius Mint ließ den alten Totengräber gar nicht erst buddeln, sondern erzählte ihm was von einem alten Brauch, dass nämlich die Henkersknechte früher selber Hand angelegt hätten, um Hingerichtete möglichst rasch unter die Erde zu bringen, und versüßte dem Alten die Sache mit einer Buddel Rum.

  Während ich auf mein Frühstück wartete, stand plötzlich Jack vor mir.

  „Interessanter Artikel, was?“ sagte er und setzte sich ohne Umschweife neben mich.

  „Ja.“

  „Und wie geht’s?“

  „Gut.“

  „Schon lange auf?“

  „Eben erst aufgestanden.“

  Er beugte sich vor. „Schon was von deinem Onkel gehört?“

  „Ich weiß nicht, was Sie meinen.“

  Er lachte. „Ist gut, dass du so schön die Klappe halten kannst. Das passt zu uns.“

Ich schwieg.

  Er schaute mich forschend an und sagte dann: „Du weißt selber, du bist nicht das Mädel, das ich für Danny ausgesucht hätte, und wirst es auch nie sein. Aber ich habe keine Lust, auf dich wütend zu sein, nur weil mein Junge in dich verschossen ist.“

  Ich sagte noch immer nichts.

  „Jetzt pass mal auf, Helena. Sag’ jetzt nichts, du würdest ja doch bloß lügen, und ich will auch nicht ständig angelogen werden. Wir wissen beide, dass das, was da in der Zeitung steht, Blödsinn ist. Dein Onkel, mein alter Freund Johnny, ist so wenig tot wie du oder ich.“

  Nun fühlte ich mich in meiner Nervosität doch bemüßigt, irgendwas zu sagen, und fragte: „Kaffee?“

  Er lächelte grimmig. „Ich weiß schon, wie sie es gemacht haben, er und der liebe Sophius“, fuhr er fort. „Ich weiß auch, warum er sich von  mir nicht helfen lassen wollte. Und du weißt es ebenfalls.“

  Er wartete, aber ich sagte nichts anderes als wieder: „Kaffee?“

  „Meinetwegen“, brummte er, und ich schob ihm eine Tasse hin.

  „Er wollte mir nicht dankbar sein müssen.“

  „Wer?“ fragte ich.

  „Stell dich nicht so an. Dein Onkel liebt Nell, das weißt du doch. Und ich fürchte, sie liebt ihn auch wieder, so wie damals.“

  Ich schwieg.

  Jack schaute mich scharf an und sagte: “Weißt du, dass man so was wie dich früher in einen Sack genäht und in der Elbe ersäuft hat?“

  Ich schwieg eisern weiter.

  „Wir sind jetzt zivilisiert“, sagte er. „Aber bestimmte Regeln gelten noch immer.“

  Darauf sagte ich wieder nichts.

  „Hast du mal von Romeo und Julia gehört?“ fragte er. „Da ging die Sache gehörig schief, nur weil die Leute nicht genügend miteinander geredet haben.“

  Ich sagte immer noch nichts.

  Er wollte an seiner Tasse nippen, aber der Kaffee war noch zu heiß. „Nun sag’ doch auch mal was“, rief er in gespielter Hilflosigkeit. „Du liebst Danny doch, oder etwa nicht?“

  „Klar.“ Ich wusste gar nicht, wo ich hingucken sollte, solche Angst hatte ich, er könne mir in meiner Dösigkeit was Dummes entlocken.

  „Es muss ja nicht unbedingt ausgehen wie bei Shakespeare“, sagte Jack. „Ich könnte euch zum Beispiel doch mal so für ein oder zwei Jahre nach England schicken. Danny geht aufs College und macht ein paar vernünftige Abschlüsse, und du treibst bei ’ner vornehmen Familie bisschen was für höhere Töchter, lesen und musizieren, damit du ’n bisschen Schliff kriegst. Vom Klauen wollt ihr ja später nicht leben, was?“

  Ich blieb auf der Hut.

  „Keine Angst, sagte Jack. „Kochen und nähen musst du nicht lernen, dafür gibt’s Personal.“

  Vorsichtig trank ich ein paar Schlucke Kaffee.

  „Was sagst du dazu, Helena?“

  „Ich weiß nicht“, antwortete ich vorsichtig. „Was meint Danny denn?“

  „Ja, siehst du, den habe ich noch gar nicht gefragt. Der ist auch nicht das Problem. Der sagt zu allem Amen, wenn er mit dir nur zusammenbleiben darf. Das ist doch klar. Bei dir bin ich mir da nicht ganz so sicher.“

  „Und warum nicht?“

  „Wegen des lieben Onkelchens.“

  Darauf sagte ich erst mal wieder nichts.

  „Es lässt sich alles machen“, sagte er. „Ihr könnt ’ne Weile nach England gehen, ihr dürft dort zusammen sein, ihr könnt sogar heiraten und Kinder kriegen. Mit Nell verträgst du dich gut, mit mir wirst du schon zurechtkommen, und Danny kann sich auch mal mit deinem Onkel abfinden, dem alten Polizistenmörder.“

  „Onkel Johnny hat Constabler Flint nicht umgebracht“, sagte ich wütend.

  „Ja, das weiß ich doch“.

  „Und wer war es dann?“

  „Immer schön ein bei ein“, sagte Jack. „Sonst kommen wir ins Tüdeln. Hast du bis jetzt verstanden, was ich meine?“

  „Was denn?“

  „Dass alles möglich ist, nur eins nicht. Johnny und ich. Das ist einer zu viel an Bord. Es geht nicht, und du weißt es. Es geht nicht wegen Nell, es geht nicht wegen der Stadt, und es geht schon mal gar nicht wegen uns beiden. Es ist zu viel geschehen, Helena. Es ist zu viel Hass. Den könnt ihr gar nicht weglieben.“

  Dem konnte ich nichts entgegnen, er hatte völlig Recht.

  „Deshalb wird über kurz oder lang einer von uns beiden ins Gras beißen müssen. Ist dir das nicht klar?“

  Ich wagte nicht, ihn anzusehen.

  „Hast wohl große Angst, dass ich ihn umbringen könnte, was?“ fragte er.

  „Nein“, sagte ich trotzig. „Nicht, wenn es ein fairer Kampf wird.“

  Er lachte. „Das habe ich mir gedacht“, sagte er. „Er hat dir gesagt, dass er auf der Peute schneller war als ich, stimmt’s?“

  Ich konnte nicht anders, ich musste nicken.

  Er beugte sich ein wenig vor und schaute mir mit seinen Wolfsaugen ins Gesicht. „Wenn Johnny und ich mal richtig miteinander kämpfen“, sagte er, „ich meine, richtig, richtig auf Leben und Tod, dann wird es ein anderer Kampf werden, und mit anderen Regeln, darauf kannst du dich schon mal gefasst machen.“

  Er überlegte, dann sagte er: „Aber ob ich dann über bleibe, oder er, das weiß ich trotzdem nicht.“

  Mir war nicht klar, worauf er hinauswollte, aber das sollte ich gleich erfahren.

  „Kennst du die Geschichte von unseren Vätern?“ fragte Jack.

  „Was denn?“

  „Sie fuhren zusammen auf See“, sagte Jack. „Heuerten immer auf demselben Schiff an. Sie haben sich versprochen, wenn einer untergeht, sorgt der andere für seine Kinder mit.“

  „Ja, das habe ich schon gehört.“

  „Dachte ich mir. Ja, da war es natürlich ganz schön doof von ihnen, dass sie immer auf demselben Pott herumschipperten, nicht wahr? Ich meine, wenn das Ding unterging, war’s doch mit beiden aus, was nutzte denn dann das ganze schöne Versprechen?“

  Er schaute mich wieder scharf an und sagte dann: „Ich wäre bereit, den Schwur zu erneuern. Einer von uns beiden muss weg. Aber wen es dann auch erwischt – der andere soll sich hinterher um euch beide kümmern. Um Danny und um dich.“

  Der Kaffee war inzwischen abgekühlt, und Jack trank ein paar Schlucke.

  „Du brauchst nichts zu sagen, Helena“, meinte er dann. „Ich weiß, dass dein Onkel diese preußischen Hohlköpfe angeschmiert hat. Ich kann mir auch denken, wo er sich jetzt versteckt. Du wirst bald zu ihm gehen, das sehe ich dir an der Nasenspitze an. Du kannst es gar nicht erwarten. Sag’ ihm, was ich dir gesagt habe.“

  Ich schaute ihm geradewegs in die Wolfsaugen, und es kostete mich große Mühe, nicht zu nicken.

  Er lächelte wieder. „Du hast wirklich Nerven. Was solche Sachen betrifft, kann sich mein Danny keine bessere wünschen. Er ist in manchen Dingen wirklich noch ein bisschen naiv. Ich fürchte, das ist meine Schuld. Ich hab’ zu viel von ihm ferngehalten. Er hat jetzt eine Menge nachzuholen. Aber du wirst ihm eine gute Lehrerin sein. Du bist ganz schön ausgekocht für dein Alter. Ausgekocht und trotzdem nicht verdorben. Hätte schlimmer kommen können.“

  „Danke sehr.“

  „Bitte sehr. Und das Knicksen werden sie dir in England auch noch beibringen.“

  Ich trank meine Tasse leer und stellte sie zurück. „Ist das jetzt alles?“

  „Nicht ganz“, sagte Jack. „Da ist noch was, was du deinem Onkel sagen sollst. Er will sich ja nun leider partout nicht mit mir werfen, bevor er ganz genau weiß, was damals gewesen ist. Du warst ja dabei, wie ich ihm erzählt habe, was für ein hundsgemeiner Schuft ich war.“

  „Ja“, sagte ich.

  Er lächelte wieder. „Und? Hat er’s geglaubt?“

  Ich dachte nach. „Nein“, gab ich dann zu. „Er war nicht überzeugt.“

  „Das dachte ich mir. Es war ja auch ein bisschen anders. Johnny gehört zu den Leuten, die so lange bohren müssen, bis sie die ganze Wahrheit kennen. Er hätte zur Krimsche gehen sollen. Ich bin manchmal aber auch ein bisschen so. Ich werde dir jetzt erzählen, wie es wirklich war. Und du sagst es dann deinem Onkel, verstanden? Aber sonst niemandem, hörst du? Das geht nur deinen Onkel und mich etwas an.“

  „Auch nicht Nell?“

  „Der brauchst du nichts zu sagen, die erfährt es von Johnny, da kannst dich drauf verlassen.“

  Er machte eine kleine Pause und sagte dann: „Lando steckte hinter der Sache. Du weißt doch, dass er damals auf dem Brook der Oberboss war, mit seinen miesen Geschäften, Mädchenhandel und so weiter. Hast ganz schön Glück gehabt, es war vor deiner Zeit, dich hätten sie bestimmt mitgenommen.“

  „Mich hätten sie nicht gekriegt.“

  „Vielleicht nicht, vielleicht aber doch. Sie haben viele gekriegt. Auch hinter Nell waren sie her. Sie wollten sich an Johnny rächen, weil er sie immer verkloppte.“

  „Er nicht allein.“

  „Nein, aber ich hatte kein Mädchen, an dem sie sich rächen konnten. Und warum hatte ich keins?“

  „Ich weiß nicht.“

  „Weil ich in Nell verschossen war. Damals schon. Jetzt weißt du es. Lando, dieses Schwein, wusste es auch. Er hat es gerochen. Eines Tages kommen so ein paar Louis zu mir und sagen, Lando will mich sprechen. Ich sage natürlich, kein Bedarf, aber sie sagen, es sei wegen Nell, und da bin ich eben mit. Lando sagte, von mir wolle er nichts, mit mir könne man ja doch einigermaßen vernünftig reden, aber nicht mit meinem Freund, und deshalb müsse Johnny verschwinden. Ich lachte ihn aus, aber dann sagte er, es gebe nur zwei Möglichkeiten, und dann lachte ich nicht mehr. Er sagte, entweder ich helfe mit, dass Johnny Hamburg verlässt und nicht wiederkommt, und dann krieg’ ich Nell. Oder er schnappt sich Nell, und dann krieg’ ich sie nicht, oder höchstens für Geld, in einem seiner Schweineläden, wenn sie ganz unten ist. Am liebsten wäre ich ihm an die Gurgel gegangen. Und Johnny wollte er umlegen. Das waren seine Alternativen.“

  Er verstummte und sah mich aufmerksam an.

  „Und was sagte Onkel Johnny dazu?“ fragte ich nach einer Weile.

  „Johnny? Der hat nur gelacht. Keine Angst, hat er gesagt, auf Nell werde er schon aufpassen, und diese feigen Louis würden sich auch gar nicht trauen, die wüssten ja ganz genau, was dann passieren würde, wenn sie Nell was täten. Das konnte ich nicht verstehen. Ich konnte einfach nicht verstehen, wie er so reden konnte. Er war immer schon ein bisschen Bruder Leichtfuß. Ich hatte viel mehr Angst als er. Er hat sich nie vor was gefürchtet. Aber ich, ich hab’ mich gefürchtet. Ich hab’ gewusst, dass ich es nicht ertragen kann, wenn Nell von diesen Schuften in eins ihrer Löcher verschleppt wird. Immer wieder hab’ ich auf Johnny eingeredet, aber er war viel zu stolz, um auf mich zu hören. Ja, dann hab’ ich’s eben getan. Lando hatte den Plan, und ich spielte mit. Ließ mir von Johnny ein Messer schenken. Den Rest wirst du ja wohl kennen.“

  Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen. „Sie waren es? Sie haben Constabler Flint umgebracht?“

  „Nein, du Schöps, ich nicht, das war jemand anders. Ein noch viel größerer Schuft als ich. Du kennst ihn auch, aber ich sag’ dir nicht, wer es war. Ein bisschen Köder für Johnny brauch’ ich noch in Reserve. Ich hab’ nur mitgespielt bei dieser verfluchten Komödie, damit Johnny verschwindet, und Lando Nell in Ruhe lässt.“

  Er erzählte nun auch noch den Rest der Geschichte.

  Ich schüttelte ungläubig den Kopf. „Das in Macao war also auch Landos Idee?“

  „Sage ich doch. Ich dachte wirklich, der verfluchte Portugiese bringt ihn nach China, und Johnny fängt dort ein neues Leben an. Sonst hätte ich doch gar nicht mitgemacht! Es war natürlich eine Dummheit von mir, den gut katholischen Kapitän kannte ich ja auch nur durch Lando. Er gab dem Kerl Geld und sagte ihm, er sollte Johnny vor Afrika über Bord werfen. Der Portugiese wollte aber doppelt, nein, dreimal kassieren: erst bei Lando, dann bei den Chinesen und am Schluss noch mal bei mir.“

  „Dieser dreckige Hund!“ sagte ich aus tiefstem Herzen.

  „Ja, das sagst du so“, meinte Jack. „Aber wäre der Kerl nach unseren Begriffen ehrlich geblieben und hätte nur einmal kassiert, dann hätten deinen lieben Onkel schon vor zwanzig Jahren die Haie gefressen.“

  „Aber warum haben Sie das alles Johnny nicht gesagt?“ fragte ich.

  „Ja, Helena, jetzt wirst du es ihm ja wohl sagen, nicht wahr? Ich wollte ihn ja nicht beschwichtigen, ich wollte ja, dass er endlich auf mich losgeht. Darauf warte ich schon die ganze Zeit. Ich wollte endlich sehen, wer von uns über bleibt. Ich hab’s dir schon gesagt: Einer von uns beiden ist hier über. Heute Nacht haben mich seine Leute auch noch beklaut. Denen sagst du auch einen schönen Gruß, am Sonntag bringe ich ihnen die Rechnung vorbei, und zwar persönlich. Sie können sich schon mal die Messe bestellen. Aber das ist jetzt nicht wichtig. Um den Brook geht es ja gar nicht, zwischen Johnny und mir, und das weißt du auch. Es geht immer nur um Nell.“

  „Dann lasst sie doch entscheiden!“

  „Ich fürchte, sie hat sich schon entschieden. Der Punkt ist, dass ich mit ihrer Entscheidung nicht leben kann.“ Zum ersten Mal schien er unsicher zu werden, fing sich aber gleich wieder. „Ich hab’ dir aber noch nicht alles gesagt. Klar, mein Verstand sagte mir damals, es ist das Beste, ich spiele mit, dann ist Nell gerettet, und Johnny bleibt wenigstens am Leben. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. In Wirklichkeit habe ich gewünscht, dass Nell mir gehört. Ich konnte es mir selber nicht zugeben, aber der wahre Grund war, dass ich Nell wollte. Das war es. Ich wollte Johnny loswerden, um Nell zu kriegen. Ganz einfach.“

  „Weiß Nell das?“

  „Du wirst es Johnny sagen, und er sagt’s ihr, was?“

  Nun schwiegen wir beide eine Weile. Schließlich sagte Jack: „Gehe jetzt zu ihm und sag’ ihm, was ich dir erzählt habe. Ich habe damals Schicksal gespielt, jetzt fordert er das Schicksal heraus, da wollen wir doch mal sehen, was das Schicksal dazu zu sagen hat. Ich will Nell nicht verlieren, Helena. Nicht nur wegen Danny. Auch wegen mir. Ganz egal, wie das nun gekommen ist, es ist nun mal so, sie ist meine Frau. Und auch wenn du das jetzt vielleicht nicht glaubst: Ich liebe sie immer noch. Sag’ ihr das!“

  „Tu’ ich.“

  „Gute Besserung.“ Damit stand er auf und stiefelte hinaus.

 

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