„Ostern kam als ein gefrorener Hase“

Montag, 1. April 2013

Das Wort vom Sonntag

Zu den ersten beiden Lesungen aus dem Buch Genesis über die Erschaffung der Welt und Abrahams Opfer: Wundersame Wiederholung auf Golgatha. Der Berg im Land Morija, auf den Gott den Erzvater führt, ist einer der Hügel Jerusalems, wahrscheinlich sogar der spätere Tempelberg. Nach einer Legende steht das Kreuz auf dem Dach der Höhle, in der Adam begraben liegt, und das Holz stammt vom Baum des Paradieses, von dem die Schlange zur Sünde verführte. Isaak trägt das Holz für das Opferfeuer wie ein Priester, er ist Opfer und Opfernder zugleich. So bringen sich auch Eltern in ihren Kindern selbst als Opfer dar. Wir opfern uns, damit unsere Gene uns überleben. Ein Geheimnis der Schöpfung liegt darin, dass Menschen Kinder zeugen, lange bevor ihnen die tiefste Bedeutung von Elternschaft klar wird. Danach aus dem Buch Exodus die Rettung am Schilfmeer. Als vierte Lesung aus Jesaja: "Jerusalem, dein Schöpfer ist dein Gemahl. Kann man denn die Frau verstoßen, die man in der Jugend geliebt hat?" Auch hier die Wiederholung im Neuen Testament: die Kirche als Braut Christi. Noch einmal Jesaja: "Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld, kauft Wein und Milch ohne Bezahlung." Tatsächlich erhalten wir alles, was wir zum Leben brauchen, von Gott; von ihm stammt auch alles, was wir ihm opfern. Dazu: "Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, meine Wege sind nicht eure Wege - Spruch des Herrn." Auch wir glauben, dass wir uns Gott irgendwie vorstellen können, bleibt er doch immer etwas Fremdes. Es ist das Unbegreifliche, das jenseits unserer Dimensionen, Kategorien und auch Phantasien steht, jenseits von Gut und Böse, Recht und Unrecht, Werden und Vergehen, Hell und Dunkel, Zukunft und Vergangenheit, Sein und Nichtsein, Zeit und Raum, sogar jenseits von Weisheit und Liebe, denn Gott ist auch mehr als die Liebe. Die sechste Lesung aus Baruch: "Wer hat je den Ort der Weisheit gefunden? Wer ist zu ihren Schatzkammern vorgedrungen? Doch der Allwissende kennt sie." Und als siebte Lesung schließlich aus Ezechiel: "Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch": Die größte Gnade, die Gott an uns wirkt, kann sogar die Vergangenheit ändern, indem sie Geschehenes aufhebt.

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Aus einer Predigt des Johannes Chrysostomus über den Propheten der jüdischen und den Gründer der christlichen Religion: "Damals hob Mose die Hände zum Himmel und zog von dort das Brot der Engel, das Manna, herab. Auch der zweite Mose streckt die Hände zum Himmel aus - er bringt uns die ewige Speise. Der erste schlug gegen den Felsen und ließ Ströme von Wasser daraus hervorquellen. Dieser rührt an den Tisch und lässt die Quellen des Geistes fließen." Ein Kommentar in „Magnificat“ meint dazu: "Dass wir uns in der Osternacht an den Auszug aus Ägypten erinnern, macht deutlich: Auferstehung bedeutet den endgültigen Auszug aus dem Tod, aus allem, was Menschen Tod statt Leben verheißt." Ostern ist Aufbruch, Veränderung und, Verwandlung. Schon der Begriff "Lebensweg" enthält den Auftrag, sich vor dem Stillstand zu hüten, in dem es sich besonders an der Schwelle des Alters scheinbar so trefflich einrichten lässt. Ein wesentlicher Irrtum liegt in dem Gedanken, es könne im irdischen Leben so etwas wie erreichte Ziele geben. In Wirklichkeit gibt es nur zurückgelegte Etappen, und ein erreichtes Ziel hört auf, eines zu sein.

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Aus Osterpredigten: Ein Pfarrer erinnert an Maxims Gorkis Geschichte von dem alten Mann, der das Land der Gerechtigkeit finden will und sich nach vergeblicher Suche entleibt. Dieses Land kann es auf Erden schon deshalb nicht geben, weil jeder Mensch die Gerechtigkeit anders definiert. Selbst Gottes Maßstäbe werden nicht von allen im gleichen Sinn verstanden. Das Land der Gerechtigkeit blüht dort, wo nicht irdische, sondern göttliche Weisheit herrscht. - Eine andere Predigt beginnt mit der Anekdote von dem betrunkenen Schauspieler, der auf der Bühne seinen Text verloren hat und die Souffleuse, die ihm mit den nächsten Zeilen auf die Sprünge helfen will, anraunzt: „Keine Einzelheiten – welches Stück?“ Völlige Konzentration auf das Wesentliche! Auch zu Ostern sollte nichts von der Botschaft ablenken: Kreuz – Tod – Auferstehung. Dazu gehört Jesu Gang in die Unterwelt: „Die Toten erfahren als erste vom Sieg über den Tod, die Gefangenen hören als erste von der Freiheit.“ - Außerdem: „Seit Ostern gibt es zwei Arbeitslose mehr: Tod und Teufel.“ – „Über zwei Milliarden Christen: Noch nie haben so viele Menschen an die Auferstehung geglaubt wie heute.“ – „Die kürzeste Osterpredigt hielt ein Prediger, der sagte: „Der Herr ist auferstanden, aber ihr glaubt es ja doch nicht. Amen!“

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Eine Homilie in der Osternacht zitiert: "Ich habe dich geliebt, noch ehe du geboren warst. Ich werde dich lieben, noch nach dem Ende der Zeiten" und schreibt: "Dieses Wort durchwirkt jede Seite der Bibel. Es kommt von weit her, von Gott, und es trägt alles Lebendige wie ein unterirdischer Urstrom, ob wir das wahrhaben können oder nicht. Es ist die letzte Vergewisserung des Lebens in seinem Urgrund, in Gott … So wünsche ich, dass von dieser letzten Gewissheit, von diesem Urstrom in der Tiefe unserer Existenz, etwas an die Oberfläche unseres Lebens dringen kann und uns vielleicht nur leise und scheu und oftmals nur indirekt bewusst stärkt und trägt, und wir so österliche Menschen werden, die dem Leben trauen und wissen, dass die Liebe trotz all ihrer Gefährdung und trotz aller gegenteiligen Erfahrung doch das erste und das letzte Wort hat. Diese ganze Offenbarung Gottes läuft auf die Auferstehung Jesu zu: das Leben ist durch den Tod hindurch in Gott gerettet, in Gott, der ganz Liebe, ganz Geborgenheit, ganz Glück ist."

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Nach der Auferstehungsfeier durch Schnee und Kälte nach Hause. Henry Miller im „Wendekreis des Krebses“: „Ostern kam als ein gefrorener Hase.“

 

 

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