Pfarrer Prickers Predigt-Pretiosen

Donnerstag, 11. April 2013

Das Wort zum Freitag

Der Hamburger Pfarrer Johannes Pricker zählt zu den originellsten, beliebtesten und erfolgreichsten deutschen Seelsorgern. Kostproben aus seinen Predigt-Pretiosen;

„Wenn wir still werden, hören wir, wie laut es in uns ist."

„Ein Weg will begangen sein, sonst verliert er seinen Sinn."

„Man kann nicht leben, wenn man den Atem festhält."

„Was der Wind für die Windmühle, ist das Gebet für den Glauben."

„Der Glaube an Gott befreit uns davon, an uns selbst glauben zu müssen."

„Wenn die Herzen brennen, wird es auch in der Kirche warm.“

„Die Bibel streckt uns Geschichten entgegen wie einen Mantel, in den wir hineinschlüpfen können, um zu sehen, ob er für uns passt."

„Die Frage nach dem Sinn des Lebens stellte sich im Leben Jesu nie.“

„Der Verstand hinkt immer etwas nach, aber das Herz begreift schnell.“

„Die Kirche arbeitet mit fortlaufendem Erfolg: Ihr laufen die Leute fort.“

„Charakteristik einer Ehe: Im ersten Jahr hörte sie auf ihn, im zweiten Jahr hörte er auf sie, im dritten Jahr hörten sie auf die Nachbarn.“

„Jeder Gottesdienst hebt den seelischen Grundwasserspiegel.“

„Der Mensch ist krummes Holz und bemüht sich doch immer um den aufrechten Gang.“

„Das Grundgesetz verhält sich zum Glauben wie die Straßenverkehrsordnung zur Nächstenliebe.“

„Erst wenn die Kirche sich der letzten gesellschaftlichen Randgruppe angenähert hat, wird sie erkennen, daß sie selbst eine Randgruppe geworden ist.“

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Unsere Träume sind so wahr wie unser waches Erleben, denn in ihnen fühlen und handeln wir auf dem Grund unserer Seele. Unsere Visionen aber sind sogar noch wahrer als die Wirklichkeit, denn sie schenken uns einen Blick hinter die Kulissen der materiellen Welt. Darum ist es auch möglich, die Zukunft vorherzusehen. Denn die Zeit gibt es nur in den Kulissen der materiellen Welt. In der Unendlichkeit, in der Ewigkeit, vor Gott ist alles schon geschehen, was nach unseren Begriffen erst noch zu geschehen hat.

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Luigi Cherubinis Requiem in c-moll in der Aufzeichnung einer Aufführung 1994 in der Basilika Ottobeuren. Am tiefsten beeindrucken

Introitus et Kyrie: Die Kreatur klagt ihr Leid und fleht um Erlösung. Reue ist ein besonders hilfreicher Trank auf dem schweren Weg zur Seligkeit.

Graduale: Das Leben tastet sich auf dem schmalen Grat zwischen Seligkeit und Verdammnis voran. Sicherheit gewinnt der Schritt nur im Glauben.

Dies irae: Das Wort "Gottesfurcht" hat auch eine ganz wörtliche Bedeutung; das wird heute oft vergessen. Die Musik fährt auf den Wogen aufgewühlter Gefühle zwischen Angst und Hoffnung wie das Petrusboot auf dem See: Schrecklich ist die Macht des Sturmes, wunderbar die Hilfe des Erlösers.

Offertorium: Die einzig würdige Gegengabe für Leib und Blut sind Geist und Herz. Die Schönheit der Musik spiegelt sich auf den Gesichtern von Sängern und Dirigent.

Sanctus: Diese majestätische Engelsmusik hat nichts Süßliches, sie feiert ehrfürchtig eine Allmacht jenseits irdischer Vorstellungskraft.

Agnus Dei: Das "qui tollis peccata mundi" ist ein Schrei, das "miserere nobis" ein Flüstern. Unerträglich ist der Schmerz der Trennung von Gott, unbeschreiblich das Glück der Versöhnung. - Glockengeläut beschließt eine reiche Stunde.

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Leonid von Optina (1768-1841): "Lies jeden Tag ein Kapitel aus dem Evangelium; wenn die Angst in dir aufsteigt, dann lies weiter, bis sie dich verläßt; und wenn sie wiederkehrt, lies noch einmal im Evangelium."

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Die katholische Kirche feiert heute den Gedenktag des hl. Stanislaus, Bischof von Krakau. Um 1030 bei Krakau geboren, studierte er in Gnesen, vielleicht auch im Ausland (Paris?). Man weiß nicht genau, warum er sich den Unwillen des jähzornigen Polenkönigs Boleslaw II. zuzog. Wahrscheinlich war es der unmoralische Lebenswandel des Herrschers, der „im Ehebruch“ lebte. Deshalb exkommunizierte ihn der Bischof. Der König rächte sich und erschlug den verhassten Kirchenmann während einer Messe in der Michaeliskirche vor den Toren der Stadt mit eigener Hand. Seine Soldaten, so Erna und Hans Melchers in ihrem „Großen Buch der Heiligen“, hieben den Leichnam in Stücke und streuten sie auf die Felder, damit wilde Tiere sie fressen sollten: „Doch siehe, vier mächtige Adler ließen sich bei den Reliquien nieder und verteidigten sie. Gegen Nacht erschienen helle Lichter zum Staunen des Volkes, das herbeigeeilt war, aber nicht wagte, die Reliquien anzurühren. Da zogen die Geistlichen aus der Hauptkirche von Krakau herbei und sammelten die Glieder ihres heiligen Bischofs und trugen sie in die Kirche und begruben sie daselbst in heiliger Ehrfurcht unter dem Wehklagen des gesamten Volkes. Der gottlose Mörder jedoch wurde kurze Zeit später auf der Jagd von seinen eigenen Hunden zerrissen.“

 

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