Russlands Anspruch auf Heiligkeit

Donnerstag, 18. April 2013

Joseph Conrad, „Mit den Augen des Westens“: „Wörter sind, wie man sehr wohl weiß, die erbitterten Feinde der Wirklichkeit.“ - „Kein menschliches Wesen könnte den Anblick fortdauernder geistiger Einsamkeit ertragen, ohne wahnsinnig zu werden.“ - „Ein Mensch, der sich damit abfindet, zu töten, findet sich auch leicht damit ab, zu sterben.“ - „Die Toten verfügen nämlich nur über genau jenen Grad von Lebendigkeit, den die Lebenden ihnen zugestehen.“ - „Es sieht so aus, als beschränke die barbarische Autokratie ebenso wenig wie die erleuchtete Demokratie ihren Speisezettel auf die Leichen ihrer Feinde. Sie verschlingt auch ihre Freunde und Diener.“ - „Dinge und Menschen haben eine bestimmte Stelle, bei der man sie packen muß, wenn man sie fest in die Hand bekommen und ungehindert regieren will.“ - „Er erinnerte sich jenes Ausspruches, demzufolge uns die Sprache verliehen ist, damit wir mit ihrer Hilfe unsere Gedanken verschleiern.“ - „In seinem absonderlich anmaßenden Anspruch auf Heiligkeit, in seiner heimlichen Bereitschaft, sich zum Leiden erniedrigen zu lassen, ist der Geist Rußlands der Geist des Zynismus.“ – „Man muß wohl ein Russe sein, um die russische Einfältigkeit zu verstehen, eine schrecklich zerstörerische Einfältigkeit, die aus mystischen Phrasen besteht, welche einen kindischen und unverbesserlichen Zynismus verdecken. Manchmal glaube ich, das psychologische Geheimnis der tiefen Andersartigkeit dieser Menschen besteht darin, daß sie das Leben verabscheuen, dieses unbeeinflußbare irdische Leben, während wir Abendländer es mit einer vielleicht ebenfalls übertriebenen Wertschätzung lieben.“ - „Die meisten Frauen verlassen sich auf ihren Instinkt und begehen keine größeren Irrtümer als die Männer.“ - „Es ist meine Überzeugung, daß man keine Frau ganz und gar täuschen kann. Der Anarchist Haldin: „Menschen wie ich hinterlassen keine Nachkommen, doch sind ihre Seelen nicht verloren. Keine Seele geht je verloren. Sie plagt sich für ihr eigenes Heil; anderenfalls hätten die Selbstaufopferung, das Märtyrertum, der Glaube, die Überzeugungstreue keinen Sinn.“ Die Revolutionärin Sophia Antonowna: „Frauen, Kinder und Revolutionäre hassen die Ironie, denn sie verneint alles, woran man sich halten kann.“ - „Ich habe übrigens stets zugegeben, daß keine Frau an einen Mann heranreicht, der wirklich erleuchtet ist, und dem es gelingt, die männliche Feigheit und Zimperlichkeit abzustreifen.“ - Peter Iwanowitsch: „Wer behauptet, keine Illusionen zu haben, hat mindestens diese eine.“ Der unglückliche Held Rasumov sinniert: „Die Freuden des Lebens erfährt man nur durch den Magen; eine schlechte Verdauung macht den Menschen skeptisch, erweckt düstere Vorstellungen, Todesgedanken in ihm.“ - „Vielleicht ist gerade dies das Leben: Traum und Angst.“

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Lügen bekommen Junge.

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Schubert, Prometheus, nach Goethe:

  Bedecke deinen Himmel, Zeus,

  Mit Wolkendunst

  Und übe, dem Knaben gleich,

  Der Disteln köpft,

  An Eichen dich und Bergeshöhn:

  Musst mir meine Erde

  Doch lassen stehn

  Und meine Hütte, die du nicht gebaut,

  Und meinen Herd,

  Um dessen Glut

  Du mich beneidest...

  Hier sitz ich, forme Menschen

  Nach meinem Bilde,

  Ein Geschlecht, das mir gleich sei:

  Zu leiden, zu weinen,

  Zu genießen und zu freuen sich,

  Und dein nicht zu achten,

  Wie ich."

Auch die Musik ist titanisch stolz, ehrlich, furchtlos.

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Jünger, "Gefährliche Begegnung": "Die weibliche Energie ist stärker, wenn auch weniger sichtbar als die männliche. Sie ist durchdringend, minder sprunghaft, waltender. Sie ist biegsamer und doch härter als die berühmte Stahlklinge. Aber wie der Stahl hat sie diese Tugend nicht von Anfang an besessen, sondern erworben, indem sie im kalten Bade geschreckt wurde."

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Hans Heitmann „Der Kuckuck und das Schilderhaus“:

  „Patronen, sprach der Kommandeur,

  das gäb nur Ärger und Malheur.

  Denn manchmal gehen die Dinger los,

  und keiner weiß Wie kam das bloß?“ -

  „Auch scharfe Säbel liebt er nicht,

  weil's leicht mal in die Hosen sticht.

  Und auf den Tod kann er nicht leiden,

  daß man sie braucht zum Zwiebelschneiden.“

 

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