Ernst Jünger über geierhafte Kellner

Montag, 22. April 2013

Aus Ernst Jüngers Tagebüchern: "Noch zu den Kellnern. In den Extremen ihrer Physiognomie erscheinen der hilfreiche, spendende Geist und das satanische Prinzip wie kaum in einem anderen Beruf. Von den Rassen unabhängig, entwickelt sich diese Wohlbeflissenheit neben dem geierhaft spähenden, in niederem Behagen erstarrten Blick. In den großen Hoteliers und ihren Dynastien gewinnt der Merkur ein olympisches Wohlwollen, das freilich nicht länger währt als der Kredit." - "Wenn man ganz schnell wissen will, ob sich eine Bekanntschaft lohne, muß man sich nach der Lektüre fragen." - "Unter Philosophen: Einer von ihnen, ein ziemlich berühmter aus Tübingen, sagte mir: 'Heidegger kommt bei den Studenten nicht mehr an.' Mich erstaunte an dem Satz nur, daß das Manko offenbar Heidegger unterstellt wurde." - "'Ich lebe.' Das heißt: Ich mache einen Ausflug in die Zeit." - Zum Bummelstreik der Fluglotsen: "Bummeln galt früher als Schimpfwort; heut gehört es zu den Vokabeln, in denen sich die Aufweichung der Gesellschaft andeutet." - "Die ideale Bucht trifft die rechte Mitte zwischen Öffnung und Sicherheit. Sie schmiegt sich dem Meer an, schützt vor den Stürmen; in Meerbusen hat die Sprache das gut erfaßt." - "Jedes Grab stellt eine Frage - besonders das einsame." - "Orden imponieren den Dummköpfen - deshalb trägt man sie ja. Murat, der große Sprüche liebte, sagte: 'Ich trage Orden, damit man auf mich schießt.' Ich trug sie während des Zweiten Weltkrieges in der entgegengesetzten Absicht - sie üben immerhin eine Tabu-Wirkung aus. Wenn ich mit diesem Schmuck etwa als Quartiermacher in eine Ortskommandantur eintrat, war ich immer aufs Beste bedient." Über Carl Schmitt: "Zum Text von 'Philemon und Baucis', dem Tod im technischen Zeitalter, meinte er, daß Hobbes die Gleichheit der Menschen darauf begründete, daß jeder jeden umbringen kann. Angesichts der Tausende von Opfern, die täglich totgefahren werden, müsse man schließen, daß die Gleichheit einen hohen Status erreicht habe."

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Heute erkennen wir unsere Torheiten von gestern. Morgen werden wir unsere Torheiten von heute erkennen. 

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Max Bruch, Adagio nach keltischen Themen: Die Recken einer fernen Epoche ziehen vor grünen Hügeln einher. Heldengräber als Fremdkörper in einer feigen Zeit.

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Im Vorwort zum "Don Quijote" schreibt Karl Voßler: "Ein solches Buch, vergleichbar dem Wasser, in dem ein Knäblein waten kann und der tiefgründigste Philosoph noch schwimmen muß um nicht zu ertrinken, verlangt und verdient eine ganz besondere Gattung von Lesern neben den vielen, die ihm sowieso zufallen. Ich meine den dankbaren Leser, dem es nicht genügt, wen er durch einmalige Lektüre das berühmte Werk sich einverleibt und in seine Neugier und sogenannte Bildung aufgenommen hat, sondern der immer wieder bei den verschiedensten Gelegenheiten auf seinen 'Don Quijote' zurückgreift, um sich zu erfrischen gegen Dumpfheit und sich zu wappnen gegen den Kleinmut des Alltags, ohne sich zu verhärten."

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Hans Leip, „An meine Töchter“:

  „Es knarrt ein harter Klang heraus.

  Was wird das Großes sein?

  Ihr kleinen Ohren, horcht nicht drauf!

  Das ist der Zeitenmühle Lauf,

  die mahlt das Große klein.“

 

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