„Dazu bin ich ja da, dass ich nerve“

Dienstag, 23. April 2013

Beendet: Indiens großes Nationalepos „Mahabharata“. Im 4.Buch sagt der Priester Dhaumya: "Man begehre den König nur dann zu sprechen, wenn man vorher darum angesucht hat. Niemand versuche, in die königlichen Geheimnisse einzudringen. Nie strebe man nach einem Posten, der von einem anderen begehrt wird. Ungebeten trage niemand dem König seinen Rat an … Ohne des Königs Wissen sollte nichts unternommen werden." Der König und große Krieger Karna sagt: "Die Gelehrten glänzen am meisten auf Versammlungsplätzen, in Lustgärten und in Palästen, wo sie die Leute durch ihre Reden unterhalten. Sie sind wohl am Platze beim Studium des menschlichen Wesens, in der Wissenschaft von den Pferden, Elefanten, bei der Behandlung von kranken Tieren, beim Planen von Gebäuden und Toren und bei der Feststellung, welche Nahrung gut und welche schlecht ist. Doch in einer ernsten Lage wie der gegenwärtigen soll man auf ihren Rat nicht hören."

Der unsterbliche Aswathama antwortet ihm: "Männer, die wirklich heldenhaft handeln, rühmen sich ihrer Verdienste nie. Feuer brennt lautlos, und ohne Lärm scheint die Sonne." Der König Dhritarastra sagt: "Angst bringt keinen Nutzen. Weisheit kann die Angst nicht bannen, Angst jedoch kann Weisheit bannen."

Über die Inkarnation des Gottes Krishna heißt es: "Bevor Vasudeva aufbrach, kamen die großen Weisen, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft schauen konnten, und umschritten ihn langsam, in althergebrachter Weise, zum Zeichen ihrer Ehrfurcht und ihrer guten Wünsche für den Erfolg seiner Sendung."

Vasudeva, der Vater Krishnas, sagt zu der schönen Prinzessin Draupadi: "Für die gewöhnlichen Menschen liegt das höchste Glück dieser Erde in der Sinnenfreude. Für einen Kshattriya jedoch sollten Königsherrschaft oder Verbannung in die Einsamkeit der Wälder gleichwertige Güter sein." Die hundertfache Mutter Gandhari erklärt ihrem Sohn Duryodhana: "Ein Königreich kann man nicht durch den bloßen Wunsch erlangen oder durch eine Laune festhalten. Wie will ein Mann, der nicht imstande ist, seine eigenen Leidenschaften zu zügeln, seine Untertanen regieren? Ein König, der den Sieg über seine Feinde wünscht, sollte zuerst lernen, seine Leidenschaften zu besiegen."

Im 6.Buch befiehlt Yudhisthira, das Heer so aufzustellen, wie es von dem großen Weisen der Götter, Brihaspati, gelehrt werde: „Eine große Armee solle man auf einem Fleck zusammenziehen, um dadurch ihre Stoßkraft zu erhöhen. Eine kleinere Armee aber solle man möglichst locker aufstellen." Der Held Arjuna sagt zu seinem Bruder. "Denke daran, daß eine kleine Armee eine viel größere besiegen kann, wenn die Sache, für die sie kämpft, gut und gerecht ist. Wir kämpfen für solch eine gerechte Sache, und daher werden wir siegen." Der sterbende Bhisma sagt zu Karna: "Da du in niedriger Umgebung aufwuchsest, hat du Bosheit und Gemeinheit entwickelt. Doch ich kenne deinen vollen Wert." Und Vasudeva fragt Arjuna: "Weißt du nicht, daß Selbstmord ein größeres Verbrechen ist als selbst Brudermord?"

Im 7.Buch heißt es: "Die Zeit ist unüberwindlich, und so sind auch die Gesetze des Lebens."

Im 8.Buch: "Die Yadavas machten sich wenig Sorgen um die Zukunft. Sie begannen ein leichtsinniges Leben zu führen, sie verloren die Achtung vor ihren Eltern und lebten ein Leben der Sünde. Die Frauen wurden zügellos, und die Gatten betrogen einander. Auch ihre Trinkgewohnheiten gaben sie nicht auf.“ Schließlich der Dichter des „Mahabharata“, Veda Vyasa, zu Arjuna: "Die Zeit ist der Same des Universums."

Das Epos umfasst rund 100.000 Doppelverse, 13 Mal so viele wie die „Ilias“.

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Nicht jeder, der eine Achillesferse hat, ist ein Achilles.

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Mahler, 5.Sinfonie: Der Trauermarsch faßt das menschliche Leid in der Mitte, der wandelbaren Balance zwischen Schicksal und Schuld. Der zweite Satz wühlt ein Meer an Gefühlen auf, doch bald besänftigt Gottes Frieden die schäumenden Wogen, und ungeordnete Emotionen vereinen sich zu einer machtvollen Strömung tiefer Bekenntnisse. Im dritten Satz bildet sich Frömmigkeit aus Charakter, Sensibilität und Phantasie. Im vierten Satz mit dem berühmten Adagietto spricht die Seele von ihrer Liebe, im fünften weckt und stärkt die Musik Freude am geistigen und am geistlichen Leben. Paul Bekker interpretierte die Sinfonie als "Neugestaltung der Welt aus dem eigenen Ich". Dem Adagietto liegt thematisch das Lied "Ich bin der Welt abhanden gekommen" nach einem Text Friedrich Rückerts zugrunde. Ein besonders bewegendes Werk.

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Jünger, "Polnischer Karpfen": "Sie kannte den Faust auswendig und konnte ein Gespräch mit Zitaten bestreiten, was damals nicht selten war. Das Zitieren gehört zu den Schwächen des 19.Jahrhunderts  … Das ist inzwischen aus der Mode gekommen, wie zuvor schon das Bibellesen. Beides setzt eine homogene Bildungsschicht voraus."

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Aus Goethes Fragment „Belsazar“:

  „Dein Sklave blickt herauf, du scheinst ihm herrlich groß,

  Siehst du auf ihn herab, sein Los ist auch dein Los.

  Mag stolz dein golden Bild in hundert Tempeln thronen,

  Du brauchst nur engen Raum, um endlich still zu wohnen.

  Beherrschest du den Tag, die Freude, den Verdruß?

  Es reißt die Zeit dich hin, wohin ein jeder muß.

  Er nur alleine lebt, und er wird ewig leben,

  Der Himmel trägt ihn kaum, fühlt unter ihm sich beben;

  Im Wetter eingehüllt, tritt er mit Macht hervor,

  Der Donner bringt sein Wort an mein betäubtes Ohr.

  Es tönt: ‚Du bist ein Staub, den ich im Sturm verwehe,

  Du bist, o Herrlicher, die Blume, die ich mähe.’“

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Frühmorgendlicher Dialog zwischen einer Großmutter und ihrer sieben Jahre alten Enkelin im Schlafzimmer. Großmutter: „Du nervst.“ Enkelin: „Dazu bin ich ja da, dass ich nerve.“

 

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