Wer aus Friesack ist, darf nicht Raoul heißen

Mittwoch, 24. April 2013

Fontane, "Der Stechlin": "Unanfechtbare Wahrheit gibt es überhaupt nicht, und wenn es welche gibt, so sind sie langweilig." - "Wer aus Friesack ist, darf nicht Raoul heißen." - "Ins Innere der Natur dringt kein erschaffener Geist." - "Lieber mit dem Alten, soweit es irgend geht, und mit dem Neuen nur, soweit es muß." - "Ich habe mal gehört, unser märkisches Land sei das Land, drin es nie Heilige gegeben, drin man aber auch keine Ketzer verbrannt habe." - "Und siebzehn, sagen Sie. ja, das ist das Eigentliche. Sechzehn hat noch ein bißchen von der Eierschale, noch ein bißchen den Einsegnungscharakter, und achtzehn ist schon wieder alltäglich. Achtzehn kann jeder sein. Aber siebzehn. Ein wunderbarer Mittelzustand." - "Du bist in den Skat gelegt." Der alte Malerprofessor sagt: "…diese Zeit des Abfalls, so recht eigentlich eine Zeit der Apokalyptischen Reiter. Bloß zu den dreien, die der große Meister uns da geschaffen hat, ist heutzutage noch ein vierter Reiter gekommen, ein Mischling von Neid und Ungeschmack. Und dieser vierte sichelt am stärksten." - Hauptmann Czako: "Es ist doch merkwürdig, daß die Süddeutschen uns im Gesellschaftlichen immer um einen guten Schritt vorauf sind, nicht von Bildung, aber von glücklicher Natur wegen." Und: "Alles, was mit Grammatik und Examen zusammenhängt, ist nie das Höhere. Waren die Patriarchen examiniert oder Moses oder Christus? Die Pharisäer waren examiniert. Und da sehen Sie, was dabei herauskommt." - "Mancher sieht besser aus als er ist." - "Rußland, wenn Sie mir solche Frühstücksvergleiche gestatten wollen, hat immer etwas von Astrachan, England hat immer was von Colchester. Und ich glaube, Colchester steht höher." - "In Italien vertrödelt man die Zeit mit Bildern, in England mit Hinrichtungsblöcken. Sie haben drüben ganze Kollektionen davon."  Der alte Schloßherr über die Engländer: "Ein Kardinal, der freilich auch noch Gourmand war, soll mal gesagt haben: 'Schreckliches Volk; hundert Sekten und bloß eine Sauce.'" Und: "Zu Fuß macht geschmeidig, zu Pferde steif. Und macht auch faul. Aber jeder will heutzutage hoch raus. Das is, was sie jetzt die 'Signatur der Zeit' nennen." Schade um den Alten, er war jünger als die meisten.“ Zu seiner älteren Schwester: "Ich gelte schon für leidlich altmodisch, aber du, du bist ja geradezu petrefakt." Der alte Graf Barby: "Es gibt so viele Menschen, die haben einen natürlichen Hass gegen alles, was liebenswürdig ist, weil sie selber unliebenswürdig sind." Der alte Stechlin: "Besser bewahrt als beklagt." Außerdem: "Ja, herabgestiegen ist alles, und es steigt immer weiter nach unten. Das ist es, was man neue Zeit nennt, immer weiter runter." - "Wenn sich's ums Sterben handelt, da hört das Renommieren auf." - "Haben Sie schon mal einen Mann gesehen, der die Form wahrt, wenn seine Frau ihn ärgert?" - "Das Mittelalter hatte noch keine Brillen, aber man sah besser." - "Bildungsprätentionen sind mir fremd, aber man will sich doch auch nicht bloßstellen." - "Nur die Armen bringen die Mittel auf für das, was jenseits des Gewöhnlichen liegt; aus Begeisterung und Liebe fließt alles."

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Die Elemente sind ein Spiegelbild unserer seelischen Eigenschaften. Das Spiel der inneren Regungen findet in den Ereignissen der Außenwelt einen Widerschein. Die innere Welt bewegt uns ungleich stärker als die äußere, doch sind wir dessen nicht immer gewahr.

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Beethoven, Violinsonate 10 G-Dur op.96. Der 1.Satz erscheint als Huldigung an die Harmonie: Kinder wiegen sich im Tanz, Jahreszeiten maskieren sich im Reigen und die Traurigkeit vermählt sich dem Trost. Der 2.Satz erlebt ein demütiges Innehalten vor der göttlichen Majestät, ein des Atems beraubtes Staunen. Im 3.Satz fließt der Schicksalsbach geschwind zum großen Strom des Lebens. Im 4.Satz überfluten Gefühle den Seelenstrand, doch in den Wirbeln eines aufgewühlten Wesens hält ein starker Charakter Kurs.

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Darwin, "Die Abstammung des Menschen": "Wir haben keine Beweise dafür, daß dem Menschen von seinem Ursprunge an der veredelnde Glaube an die Existenz eines allmächtigen Gottes eigen war. Im Gegenteil sind reichliche Zeugnisse, nicht von flüchtigen Reisenden, sondern von Männern, welche lange unter Wilden gelebt haben, beigebracht worden, daß zahlreiche Rassen existiert haben und noch existieren, welche keine Idee eines Gottes oder mehrerer Götter und keine Worte in ihren Sprachen haben, eine solche Idee auszudrücken. Natürlich ist diese Frage von der anderen völlig verschieden, ob ein Schöpfer und Regierer des Weltalls existiert; und diese ist von den größten Geistern, welche je gelebt haben, bejahend beantwortet worden." Erstmals veröffentlicht im Jahr 1871 - 142 Jahre später scheint die Evolution in diesem Punkt eher rückläufig.

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C.F.Meyer, "Camoens":

  "Ringend auf dem Meer des Lebens!

  Wider Bosheit, Neid, Verleumdung

  Kämpft ich um des Tages Notdurft

  Mit dem einen dieser Arme.

  Mit dem andern dieser Arme

  Hielt ich über Tod und Abgrund

  In des Sonnengottes Strahlen

  Mein Gedicht, die Lusiaden,

  Bis sie wurden, was sie blieben."


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