Geraubtwerden durch Gott

Donnerstag, 25. April 2013

Das Wort zum Freitag

Gestern feierte die katholische Christenheit des Gedenktag des hl. Fidelis von Sigmaringen (1578-1622). Geboren als Markus Roy, studiert er in Freiburg, wird Doktor der Philosophie und beider Rechte. Als Gerichtsrat im Elsaß erwirbt er sich den Ehrentitel „Advokat der Armen“. Angewidert von den Praktiken der damaligen Juristerei wird er Priester und tritt als Fidelis („der Treue, Ehrliche“) in den Kapuzinerorden ein. Als Seelsorger reist er im Elsaß, in der Schweiz und in Vorarlberg durch die Wirren des Dreißigjährigen Krieges, bis ihn in Graubünden calvinistische Bauern angreifen. Als sie ihn zwingen wollen, seinen katholischen Glauben aufzugeben, sagt er: „Ich bin derjenige, welcher eure Irrtümer nach Kräften bekämpft hat; ich bin derjenige, welcher euch den katholischen Glauben, dem ich selbst aus vollster Überzeugung zugetan bin, verkündet hat, ich bin zu euch gekommen, eure traurigen Irrlehren auszurotten, nicht aber um dieselben anzunehmen; seht zu, dass euch diese Tat nicht gereue.“ Daraufhin töten die Fanatiker ihn mit Schwertern, Morgensternen und Heugabeln. Aus seinem Grab wächst eine wundersame Blume. 1729 spricht Papst Benedikt XIV. den ersten Märtyrer des Kapuzinerordens heilig. Das Fidelis-Haupt ist die kostbarste Reliquie im Kapuzinerkloster Feldkirch.

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Taizé-Gründer Roger Schutz: "In jedem Menschen findet sich eine Schicht der Einsamkeit, die keine menschliche Verbundenheit auszufüllen vermag, auch nicht die stärkste Liebe zwischen zwei Menschen. Wer nicht in diese Stelle der Einsamkeit einwilligen will, lebt im Aufruhr gegen die Menschen und sogar gegen Gott."

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Harriet Beecher-Stowe, "Onkel Toms Hütte". Der Roman über das Schicksal schwarzer Sklaven in den 1840er Jahren stärkt die Gegner der Sklaverei. Abraham Lincoln soll die Autorin 1862 im amerikanischen Bürgerkrieg mit dem Satz empfangen haben: „Das ist also die kleine Dame, die diesen großen Krieg begonnen hat.“ Aus dem Buch: "Einem Menschen in meiner Lage die Bibel zu zitieren, genügt, ihn davon abzubringen." - "Ich bezweifle nicht im mindesten, dass du mir einen Diamanten von Wahrheit an den Kopf geworfen hast, nur trafst du etwas zu gut." - "Die kleinen Kinder sind die einzigen echten Demokraten." – Der Südstaaten-Gentleman St.Clare sagt: "Religion? Ist das Religion, was ihr in den Kirchen hört? Was sich biegt und windet, um sich nur ja den Wünschen einer selbstsüchtigen, gottverlassenen Gesellschaft anzupassen? Ist das Religion, was weniger gewissenhaft, weniger großmütig, weniger gerecht, weniger rücksichtsvoll ist als sogar ich weltliches, verblendetes Geschöpf? Nein! Wenn ich eine Religion haben soll, muß ich zu ihr aufblicken können, nicht herab.“ Und: "Meine Ansicht vom Christentum ist die: es kann sich niemand aufrichtig dazu bekennen, ohne sich mit seiner ganzen Kraft gegen das ungeheuerliche System der Ungerechtigkeit zu wenden, welches unserer ganzen Gesellschaft zugrunde liegt, und, wenn nötig, sich selbst im Kampf zu opfern. Ich meine, daß ich nicht anders Christ sein könnte, obgleich ich gewiß sehr viel aufgeklärte und christliche Leute kennengelernt habe, die sich nicht so verhalten. Und ich gestehe, daß ihr Mangel an Gefühl für Unrecht mich entsetzt und mit mehr Zweifeln erfüllt als irgendetwas anderes."

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Das Gewissen ist das Scheidewasser der Seele.

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Bachs Violinsonate Nr.3 in E-Dur BWV 1016 drückt die tiefe Sehnsucht eines gläubigen Herzens aus: Die inneren Augen suchen das Antlitz Gottes, die inneren Ohren lauschen auf seine Stimme, die Seele tastet nach des Schöpfers Hand. Eine Ahnung tiefsten Friedens entzieht das Gemüt allem irdischen Streben, selbst in dunklem, verhärtetem, gar abgestumpftem Geist springen rostige Schlösser der Gleichgültigkeit auf. Wie auf Sonnenstrahlen zieht die Melodie in geistige Finsternis, weckt Tiefenkräfte und zerreißt die Ketten der glaubenslosen Melancholie. Freude, Faszination, Kontemplation. Bach ist und bleibt der evangelische Frohbote der Musik.

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Johannes XXIII.: "Wenn Gott den Schatten erschaffen hat, dann war es, um das Licht hervorzuheben."

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Adrienne von Speyr (1902-1967) in "Gleichnisse des Herrn": "Stehen wir als Wissende vor der christlichen Lehre, auch wenn dies Wissen uns vielleicht erst in letzter Stunde zuteil wird, dann haben wir verstanden, daß Gott uns in das ewige Leben nur aufnimmt, wenn wir alles abgestreift haben, wenn wir Verzichtende, Entschleierte sind. Und nicht ins Leere hinein müssen wir verzichten, sondern ins ewige Leben, in die Erfüllung Gottes hinein. Kommt uns diese Einsicht früh genug, dann können wir verkaufen, was wir haben, können nicht nur zum Geraubtwerden durch Gott in letzter Stunde ein zaghaftes Ja sagen, sondern dürfen mittun: abstreifen, selber verkaufen, uns selber entschleiern bis zur vollkommenen nacktheit. Das ist das Wagnis des Christentums, das Wagnis der Nachfolge, das Wagnis ins ewige Leben hinein.“

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Aus Ludwig Uhlands „Madonna della Sedia“:

  „Ja, Gottes Segen leuchtet noch auf dieser Erde,

  Solang auf ihr unschuld'ge Kindheit blühet

  Und reiner Frauen ew'ge Engelgüte.“

 

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