Schon 1998 hatte die SPD einen gebrauchten Slogan

Freitag, 26. April 2013

In DIE WOCHE RETRO zeigen Ausgaben der Kolumne „Von Tag zu Tag“, welche Nachrichten vor 15 Jahren berichtens- und bedenkenswert waren. Heute: Die Ausgabe von Sonntag, 26.April 1998.

SONNTAG

Das Papier, in dem die Auflösung der RAF mitgeteilt wird, empört nicht nur wegen seiner verlogenen Apologetik, es enthält auch keinen Hinweis darauf, daß die Täter etwa bereit wären, sich einem Gericht zu stellen. Friedrich Hacker: "Terroristen haben kein Gewissen, weil sie meinen, das Gewissen zu sein."

MONTAG

Nach hymnischen TV-Feiern für den APO-Führer Rudi Dutschke, der als erster Deutscher seit Hitler Gewalt als Mittel des politischen Kampfes guthieß, fordert das Präsidium der FU, eine Straße im Berliner Stadtteil Dahlem nach dem Revoluzzer zu benennen. Stanislaw Jerzy Lec: "Wer ein gutes Gedächtnis hat, kann gewisse Dinge leichter vergessen."

DIENSTAG

Die SPD will ihren auf dem Leipziger Parteitag vorgestellten Slogan "Die Kraft des Neuen" nicht weiter verwenden, weil auch der Elektrokonzern Siemens damit wirbt - bereits seit einem halben Jahr. Wilhelm Busch: "Stets findet Überraschung statt / Da, wo man's nicht erwartet hat."

MITTWOCH

Der Vorsitzende der Vereinigung der Spargelanbauer in Niedersachsen berichtet über Erfahrungen mit Arbeitslosen: Sie wären "unerhört schwer in die Gänge zu kriegen", viele seien erst gar nicht auf den Feldern erschienen. Cicero: "Faulheit ist die Furcht vor bevorstehender Arbeit."

DONNERSTAG

Der Mainzer Ministerpräsident Kurt Beck kritisiert, daß Gäste in TV-Talkshow des Privatfernsehens häufig "ihre intimsten sexuellen Eigenheiten bis hin zu Abartigkeiten" ausbreiten dürften. Zuletzt hatte das Münchner Jugendamt einer 15jährigen die Teilnahme an einer Ausgabe der Reihe "Arabella Kiesbauer" untersagen müssen. Das Thema lautete: "Ich brauche jeden Tag meinen F...!" Heinrich Zille: "Das Unglück ist, daß jeder denkt, der andere ist wie er, und dabei übersieht, daß es auch anständige Menschen gibt."

FREITAG

Deutschlands Schüler feiern Greenpeace und fürchten das Waldsterben. Auf eingehendere Fragen von Forschern der Uni Marburg aber wußten die meisten nicht, in welcher Farbe Raps oder Kartoffeln blühen, und ein Drittel stand "vor ein paar Wochen" zuletzt im Wald. Goethe: "Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldner Baum."

SAMSTAG

"Phaidras Liebe" am Schauspiel Bonn: Ein Mann beginnt auf der Bühne zu onanieren, bis ihm Erdnußflips aus der Hose kollern. Die Heldin befriedigt ihn oral. Die Darsteller nennen einander "Fo..." und "Wi.....", zum Finale kreist über Vergewaltigungen und Verstümmelungen ein Geier. Tschechow: "An der miserablen Qualität unserer Theater ist nicht das Publikum schuld.“

Anmerkungen

Über das vermutliche Ende der Terrororganisation „Rote Armee Fraktion“ schreibt „Wikipedia“: „Am 20. April 1998 ging bei Reuters in Köln ein achtseitiges, als authentisch eingestuftes Schreiben ein, in dem die RAF ihre Selbstauflösung verkündete. Darin heißt es: ‚Vor fast 28 Jahren, am 14. Mai 1970, entstand in einer Befreiungsaktion die RAF. Heute beenden wir dieses Projekt. Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte.‘ Die Erklärung endet mit dem Gedenken an die Toten aus den eigenen Reihen, einer Liste von 26 Namen aus der Bewegung 2. Juni, der Revolutionären Zellen und der RAF selbst. Die 34 Opfer der RAF werden nicht erwähnt. Den Schlusspunkt bildet ein Zitat von Rosa Luxemburg: ‚Die Revolution sagt: ich war ich bin ich werde sein‘.“

Der Studentenführer Rudi Dutschke (1940-1979) wurde nach einem Attentat zur Ikone der 68er Bewegung. In Dahlem klappte es damals nicht mit der „Rudi-Dutschke-Straße“, wohl aber 2008 in Kreuzberg nach jahrelangen gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen linken Befürwortern und Anwohnern.

 

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