„Ich bekenne, meine Schulaufgaben nicht gemacht zu haben“

Samstag, 20. April 2013

In GLAUBENSSACHE RETRO zeigen Ausgaben der Kolumne „Glaubenssache“, welche Nachrichten vor zwölf Jahren berichtens- und bedenkenswert waren. Heute: Die Ausgabe vom Sonntag, 20.April 2001.

Der von katholischen Laien gegründete Verein Donum Vitae beriet seit Jahresbeginn in Bayern 2500 Frauen, nur jede dritte wünschte den für Abtreibungen vorgeschriebenen Beratungsschein. Auch die Beratungsstellen der katholischen Kirche, die diesen Schein nicht mehr ausstellen, finden großen Zulauf. Die Frauen wünschen nicht zuerst das Abtreibungspapier, sondern Rat und Hilfe. Das Christentum ist nicht in dem Zustand, den seine Feinde unterstellen. 

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Lesefrüchte. In seinem Trauerspiel "Der Tod Adams" läßt Klopstock den Sterbenden sagen: "Das ist mein Segen, meine Kinder! Der Gott eures Vaters, der Staub zum Menschen emporgehoben, und ihm eine unsterbliche Seele eingehaucht hat! Er, der große Angebetete, geb euch - viel Schmerz - und viel Freude! und so erinnere er euch oft, daß ihr sterben müßt, wieder unsterblich zu werden. Seid weise, daß euer Herz edel werde! Seid so edel, daß ihr den großen Wert der Trübsale in diesem Leben ganz verstehn lernt … Und wenn der Gott eures Vaters und euer Gott den großen Verheißnen, zu dem ich itzt gehe, euch sendet: so hebt euer Haupt auf, und schaut gen Himmel, und dankt, daß ihr geschaffen seid! - Aber auch dann noch seid ihr Erde, und müßt zu Erde werden!" Gedichtet vor einem Vierteljahrtausend, für alle Zeiten wahr.

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Jeremia 15,7: „Ich habe mein Volk kinderlos gemacht, weil es von seinen schlimmen Wegen nicht abweichen wollte.“ Die Deutschen sterben aus, die Regierung will dem Übel mit Barem beikommen, doch wo bleibt die Ethos-Kampagne gegen die Eigensucht der Spaßgesellschaft? Wer Kinderkriegen geschäftlich betrachtet, zahlt immer drauf. Das wirksamste Verhütungsmittel ist der Wohlstand. Außerdem gärt noch immer eine Propaganda nach, die Geburten in verschmutzte, vergiftete, verstrahlte Welt für verantwortungslos erklärte. Die Angstmacher von damals sitzen heute im Kabinett.

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Paradox postmoderner Kunst: Ihre Sterilität vererbt sich. Eine Ursache: Religionsferne. Der Unglaube bringt keinen Michelangelo hervor.

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Luther gestand: „Ich wäre längst vom Teufel erwürgt, wenn ich nicht die Beichte erhalten hätte.“ Das Fränkische Freilandmuseum Bad Windsheim zeigt jetzt eine Sammlung von 300 evangelischen Beichtstühlen. Aufklärung und Pietismus verdrängten sie im 17.Jahrhundert aus reformierten Kirchen, doch heute ist die Einzelbeichte z.B. auf evangelischen Kirchentagen wieder zunehmend gefragt. Museumsbesucher können auch der Tonbandaufnahme des Beichtbriefes einer Konfirmandin aus dem Jahr 1876 lauschen: „Ich bekenne, meine Schulaufgaben nicht gemacht zu haben.“ Und ist die Sünde ist so klein, Vergebung macht‘s Gewissen rein.

 

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