Viehseuche macht den hl.Antonius wieder populär

Samstag, 27. April 2013

In GLAUBENSSACHE RETRO zeigen Ausgaben der Kolumne „Glaubenssache“, welche Nachrichten vor zwölf Jahren berichtens- und bedenkenswert waren. Heute: Die Ausgabe vom Sonntag, 27.April 2001.

Berlins SPD-Schulsenator will versuchsweise Religionsunterricht zulassen, der SPD-Landesparteitag schmettert ihn ab: Die schulische Aufgabe der Wertevermittlung dürfe „nicht an Weltanschauungs- und Religionsgemeinschaften delegiert werden“. Der SPD-Landesverband möchte lieber ein Pflichtfach Philosophie/Ethik. Albert Schweitzer: "Wo religiöse Ethiker in einem gewaltigen Worte bis auf die fließenden Wasser der Tiefe kommen, hebt die philosophische Ethik manchmal nur eine flache Mulde aus, in der sich ein Tümpel bildet."

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Ein Editorial der vom Bund der katholischen Jugend publizierten Zeitschrift „Windstärke 11“ malt aus, „wie der Herr Fischer“ wegen seiner Prügeltat „fünf Vaterunser und drei Ave Maria beten muss“ und „Frau Merkel zählt mit“. Ein Bericht über Vietnam behauptet: „Die USA, Deutschlands Schutzmacht, verteidigen angeblich die freie Welt durch Flächenbombardements und Napalm, auch durch Mord an zahllosen Menschen.“ Ein Beitrag über „1968“ legt nahe, unter die Fehler katholischer Jugendarbeit im Nachkriegsdeutschland vor allem „die kritiklose Gefolgschaft gegenüber Kirche und CDU/CSU“ zu rechnen. Zum Schluß zählt eine Satire Jugendsünden auf, z.B. „Mit 19 in einem Pornofilmchen mitspielen und trotzdem CSU-Bundestagsabgeordnete werden“. Sirach 2,4: „Sei geduldig in allerlei Trübsal.“

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Neid ist Kritik an Entscheidungen Gottes.

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Lesefrüchte. Hesses „Steppenwolf" klagt: "Ach, es ist schwer, diese Gottesspur zu finden inmitten dieses Lebens, das wir führen, inmitten dieser so sehr zufriedenen, so sehr bürgerlichen, so sehr geistlosen Zeit, im Anblick dieser Architekturen, dieser Geschäfte, dieser Politik, dieser Menschen! Wie sollte ich nicht ein Steppenwolf und ruppiger Eremit sein inmitten einer Welt, von deren Zielen ich keines teile, von deren Freuden keine zu mir spricht! Ich kann weder in einem Theater noch in einem Kino lange aushalten, kann kaum eine Zeitung lesen, selten ein modernes Buch..." Geschrieben 1927, heute wahr wie je. In den siebziger Jahren traf der Roman das Lebensgefühl einer aufbrechenden Generation, deren Mehrheit nie wieder zu Kirche und Religion zurückfand.

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In den Niederlanden steigt der Verkauf von Antonius-Darstellungen sprunghaft an: Der ägyptische Asket, Mönchsvater und Dämonenkämpfer, der 356 im Alter von 105 Jahren starb, ist u.a. Patron der Haustiere mit besonderer Schutzwirkung gegen Viehseuchen. Deutsches Sprichwort: „Der Heilige des Tages ist der größte des Himmels.“

Anmerkungen

Berlins Schulsenator war damals (1999-2006) Klaus Böger. Er ist seit 2009 Präsident des Landessportbundes Berlin.

In den Niederlanden war am 21. März 2001 die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

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