„Den Schweinen wird alles Schwein!“

Montag, 29. April 2013

Nietzsche, „Also sprach Zarathustra“. Der Narr über die große Stadt: „Hier ist die Hölle für Einsiedler-Gedanken: hier werden große Gedanken lebendig gesotten und klein gekocht.“ – „Der Gott der Heerscharen ist kein Gott der Goldbarren; der Fürst denkt, aber der Krämer – lenkt!“ - „Im Dunklen nämlich trägt man schwerer an der Zeit, als im Lichte.“ - „Niemand erzählt mir Neues: so erzähle ich mir selber.“ – „Was gut und böse ist, das weiß noch niemand – es sei denn der Schaffende!“ - „Schone deine Nächsten nicht! Der Mensch ist etwas, das überwunden werden muß.“ – „Überwinde dich selber noch in deinem Nächsten: und ein Recht, das du rauben kannst, sollst du dir nicht geben lassen!“ – „Wer sich nicht befehlen kann, der soll gehorchen.“ - „Also will es die Art edler Seelen: sie wollen nichts umsonst haben, am wenigsten das Leben. Wer vom Pöbel ist, der will umsonst leben; wir anderen aber, denen das Leben sich gab, - wir sinnen immer darüber, was wir am besten dagegen geben!“ - „’Dem Reinen ist alles rein’ – so spricht das Volk. Ich aber sage euch: den Schweinen wird alles Schwein!“ – „Die Welt gleicht darin den Menschen, dass sie einen Hintern hat.“ - „Das Leben ist ein Born der Lust: aber aus wem der verdorbene Magen redet, der Vater der Trübsal, dem sind alle Quellen vergiftet.“ – „Niemand von euch will in den Todes-Nachen einsteigen! Wieso wollt ihr dann Welt-Müde sein?“ – „Es gibt auf Erden viele gute Erfindungen, die einen nützlich, die anderen angenehm: derentwegen ist die Erde zu lieben. Und mancherlei so gut Erfundenes gibt es da, dass es ist wie der Weibes Busen: nützlich zugleich und angenehm.“ – „Aber es gehört mehr Mut dazu, ein Ende zu machen, als einen neuen Vers: das wissen alle Ärzte und Dichter.“ - „Lieber nichts wissen, als vieles halb wissen.“ - „Was groß ist, dafür ist das Auge der Feinsten heute grob. Es ist das Reich des Pöbels. So manchen fand ich schon, der streckte und blähte sich, und das Volk sagte: ‚Seht da, einen großen Menschen!’ Aber was helfen alle Blasebälge! Zuletzt fährt der Wind heraus. Zuletzt platzt ein Frosch, der sich zu lange aufblies: da fährt der Wind heraus. Einen Geschwollenen in den Bauch stechen, das ist brave Kurzweil!“ - „Aber der Teufel ist nie am Platze, wo er am Platze wäre.“

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Zum vollen Menschenlebens gehört das Leid wie das Glück.

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Verdis "Simone Boccanegra" als Aufzeichnung einer Aufführung 1998 in Glyndebourne. Besonders gefallen

im Prolog Fiescos Arie

  "Müde, den Geist vom Gram zerstört,

  Trauer im Vaterherzen

  bin ich bestimmt, zu tragen

  der Schande bittere Schmerzen..."

Im 1.Akt Amelias Arie "Dämmernd in freundlicher Helle erwacht das Meer vom Schlummer" mit den Zeilen

  "O Meer im Morgengrauen,

  was muß bei deinem Leuchten

  die arme Waise schauen?"

Danach Gabriele: "Entbehrt dein Herz der Liebe,

  nie stillen deine Triebe

  Ehre, Gewalt und Gold!"

Im Duett mit Fiesco: "Alter Zeiten frommes Regen

  weckt dein Wort voll keuschem Zauber."

Und natürlich das herzergreifende Wiedersehen. Der Doge:        "Tochter du, mir neu gegeben!

  Tochter, bei dieses Wortes Klang

  bebt die Brust vor Bangen..."

Amelia: "Vater, du sollst in Freud und Leid

  nie dein Kind entbehren!"

Danach der Doge: "Das also ist des freien Volkes Stimme?

  Von weitem donnernder Orkan,

  von nahem Gekeif von Weibern,

  Geschrei von Kindern...

  Plebejer, Patrizier, Narrenvolk,

  wühlend im eigenen Fleische!

  Ihr Erben all des Hasses

  der Spinola, der Doria!

  Euch lädt in ihren Zauberbann

  weite Herrschaft der Meere,

  während um falsche Ehr'

  ihr euch zerreißt vor Wut!“

Im 2.Akt folgt Gabrieles Arie "Rasend in wilder Eifersucht

  nähr ich ein Ungeheuer,

  all dein Blut genügt nicht,

  zu löschen dieses Feuer."

Amelia will trösten: "Bann aus der Brust den Zweifel,

  schenk meiner Liebe Glauben,

  wer könnte je dein Bild

  aus meinem Herzen rauben?

  Sorge und Gram verdüstere nicht

  der Liebe Himmelslicht."

Der Doge klagt im Augenblick der Vergiftung:

  "Selbst das Wasser der Quelle

  schmeckt dem Munde des Herrschers bitter!"

Im 3.Akt droht ihm Fiesco:

  "Deinem Stern erbleichen die Strahlen,

  und in Staub wird die Purpur zerfallen!"

Nach Aufklärung und Versöhnung aber weiß er:

  "Ein jedes Glück auf Erden

  ist nichts als eitles Wähnen.

  Ein breiter Strom von Tränen

  quillt aus des Menschen Herz."

Und der Chor stimmt ein:

  "Ja, es ist wahr, alles ist Leid

  in diesem Leben.

  Von Gott ist uns gegeben

  der Schmerzen Trauerkleid."

Eine Einleitung schreibt, daß Verdi den Stoff wie schon beim "Troubadour" einem Schauspiel des spanischen Romantikers Antonio García Gutierrez entnahm. Nach der Premiere 1857 notiert der Komponist enttäuscht: "Der Boccanegra hat in Venedig einen fast ebenso großen Mißerfolg gehabt, wie jener der Traviata war. Ich glaubte etwas leidlich Gutes gemacht zu haben, jedoch scheint es jetzt, als ob ich mich getäuscht habe." Erst Aufführungen überarbeiteter Fassungen 1881 in Mailand und 1882 in Wien gewinnen das Publikum. Den Sieg sichert die Verdi-Renaissance nach dem Ersten Weltkrieg in einer Wiedergabe der Wiener Staatsoper 1930. - Franz Kurowskis "Genua aber war mächtiger" schildert Boccanegras Zeit in spannenden Einzelheiten. Der Stern des Dogen sank, als er Pisa, die Stadt seines Exils, gegen Florenz unterstützen wollte. Bei einem Fest für König Peter I. von Zypern "kredenzte man dem Dogen einen Becher Wein, der mit Gift versetzt war." Als feststand, daß Boccanegra nicht mehr lange leben würde, stürmten Aufständische den Palast. Ein Ausschuß wählte den reichen, aber aus dem Popolanenstand stammenden Kaufmann Gabriele Adorno di Daniele zum Dogen. "Kurze Zeit später starb Simone Boccanegra, zweifacher Doge, der sich trotz aller Strenge um Genua verdient gemacht hatte. Er wurde ohne jedes Zeremoniell bestattet." Sic transit…

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Ernst Jünger 1977 auf Sizilien: "Statt der Demeter scheint nun der niedere Hephäst zu herrschen; es riecht nach Eisen, Gummi, Öl. Dieser Geruch war dem Fürsten Pückler als Kavalier, der eine feine Nase und gute Witterung besaß, sogleich verdächtig, als er zum ersten Mal in einem Dampfschiff fuhr.“

*

Storm, "Für meine Söhne":

  "Was du immer kannst, zu werden,

  Arbeit scheue nicht und Wachen;

  Aber hüte deine Seele

  Vor dem Karrieremachen.

  Wenn der Pöbel aller Sorten

  Tanzet um die goldnen Kälber,

  Halte fest: du hast vom Leben

  Doch am Ende nur dich selber."

 

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