Die Frau, mit der Christus das Herz tauschte

Montag, 29. April 2013

Das Wort vom Montag

Im Souvenirshop der „Arche Noah“ im Hamburger Hafen, mit der der holländische TV-Entertainer Aad Peters "Geschichten erfahrbar, erlebbar machen“ will, warnt ein Schild: „Bei Diebstahl verpflichten wir Sie, zuerst lange in der Bibel zu lesen. Du sollst nicht stehlen! Dann werden wir sehr lange mit Ihnen beten. Danach rufen wir die Polizei, und nur nach sehr langer Zeit vergeben wir Ihnen!“  

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Romano Guardini: "Hinter jedem Menschenangesicht und hinter jedem Menschenschicksal wird Er stehen und ihm sein ewiges Maß geben. Wann es geschehen wird, weiß nur Er, weil nur Er weiß, wann das Maß voll ist."

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Die hl. Katharina von Siena (1347-1380), deren Gedenktag die Kirche heute feiert, wächst als jüngstes von 25 Kindern eines Wollfärbers heran. Mit sieben Jahren fasst sie den Entschluss, um des Himmelreiches willen ehelos zu bleiben. Sie arbeitet wie eine Magd, lebt nur von Kräutern und Wasser, betet Tag und Nacht. Als die Eltern sie fünf Jahre später verheiraten wollen, widersetzt sie sich. Nach langen Auseinandersetzungen mit der Familie tritt sie mit 18 Jahren im den Orden des hl. Dominikus ein. Als 1734 die Pest ausbricht, flieht sie nicht, sondern pflegt die Kranken. Sie steckt sich an, wird aber wieder gesund. Ein Kreis von Jüngerinnen und Jüngern wählt sie als geistige Führerin. Sie wird die mystisch begnadete Ratgeberin von Päpsten und Fürsten und hinterlässt ein berühmtes "Buch über die göttliche Vorsehung". In Kämpfen für die eine Kirche und das eine Papsttum zehrt sie sich so auf, dass sie mit 33 Jahren stirbt. Sie erlebt aber noch, dass der Papst aus dem französischen Exil in Avignon nach Rom zurückkehrt. Nach der Legende erscheint Christus der Neunzehnjährigen in einer Vision und sagt zu ihr: „Tu von nun an, meine Tochter, mannhaft und ohne zu wanken, was meine Vorsehung in deine Hände legen wird. Du bist mit der Kraft des Glaubens gestärkt worden. So wirst du nun alle meine Widersacher siegreich überwinden.“ Ein anderes Mal habe er sein Herz mit dem ihren getauscht und ihr seine Wundmale eingedrückt. Andere Legenden schildern, wie sie einen zum Tode verurteilten jungen Mann auf dem Schafott tröstet und dabei seinen Kopf hält. Der Henker trennt es vom Haupt, und das Blut rötet ihre Kleider.

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Ein Hamburger Pfarrer berichtet in der Predigt von aufschlussreichen Beobachtungen bei einem Schäfer am Elbdeich: Weil der Mann zwei Wochen auf Reisen war, hört die Herde nicht mehr auf sein Rufen. Seine Ehefrau kommt, die in der Zwischenzeit jeden Tag einmal nach den Schafen sah, und ihr folgen die Tiere sofort. Die Wanderung führt in einem Zug drei Kilometer weit über freies Feld. Warum ganz ohne Pause? fragt der Pfarrer. Antwort: Wenn eine Herde erst mal zum Stehen kommt, kriegt man sie nicht mehr so leicht weiter. Interessante Parallelen…

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Auch Religionen kennen den Zyklus des Lebens: Aufstieg, Blüte, Niedergang. Die ersten Stationen sind Traumwissen und Magie, die letzten Aberglaube und wissenschaftliche Logik.

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Verdis "Requiem" als Aufzeichnung einer Aufführung in Edinburgh 1982: Frommes Lied nach langem Lebenskampf, das Leiden als Sieg, im "Sanctus" am deutlichsten zu spüren. Das "Kyrie" zeigt den Tod als Erscheinung des irdischen Kreislaufs, der "Dies irae" kommt gewaltig und erschütternd, aber ohne allzu beängstigendes Ausmalen der Schrecken - komponiert in der Sicherheit eines Glaubens, der weiß, daß der Gott der Bibel ein liebender und verzeihender Gott ist. Das "Offertorium" schwebt wie Weihrauch empor. Es ist unmöglich, dieses Werk ohne tiefste Empfindungen zu hören.

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Morgen feiert die Kirche den Gedenktag des hl. Pius V. (1504-1572). Der große Reformpapst der Neuzeit merzt den Nepotismus aus und bekämpft aufs Schärfste Missstände wie Simonie und Konkubinat. Aber er ist auch ein strenger Inquisitor, und dass er im Jahr 1570 Elisabeth I. von England exkommuniziert, wirkt sich für die katholischen Gläubigen im Inselreich verhängnisvoll aus. Unermüdlich ruft er die Christen Europas zum Kampf gegen die türkischen Eroberer aus. Der Seesieg von Lepanto 1571 ist auch sein Erfolg. In Erinnerung daran führt der Papst das Rosenkranzfest ein.

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Für den Glauben liegt die Heimat nicht in der Vergangenheit, sondern in der Zukunft.

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Aus einem Hymnus Christian Morgensterns:

  „Wie manches, was des Tages Wille

  Mit rechter Klarheit nicht ergreift,

  dem hilf, daß es in deiner Stille

  zur freundlichen Vollendung reift!“


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