"Wenig tauglicher Graf, den der Bettelsack drückt"

Dienstag, 30. April 2013

Vor 795 Jahren wurde Graf Rudolf von Habsburg (1218 - 1291) geboren

Dreimal plant er, nach Rom zu reisen, kassiert im voraus Reichsumlagen für die Kosten - und bleibt dann doch lieber zu Hause. Zweimal soll er zum Kaiser gekrönt werden, doch jedesmal stirbt kurz zuvor der Papst. Dennoch: Rudolf I. von Habsburg hinterlässt seinen Erben zwar keine Kaiserkrone, aber einen Besitz, der sie später befähigt, ein Reich zu gründen, "in dem die Sonne nicht untergeht".

Vor 795 Jahren, am 1. Mai 1218, wird der Urvater der Donaumonarchie geboren. Den Namen erhält das Geschlecht aus Elsaß-Lothringen nach der 1020 erbauten Habichtsburg an der Aare. Aus der Taufe gehoben wird Rudolf von Kaiser Friedrich II., der ihn dann als 18jährigen in Italien

auch zum Ritter schlägt. Acht Jahre später wird Rudolf für seine Treue zu den Staufern von Papst Innozenz IV. vorübergehend mit dem Kirchenbann belegt. Danach versucht er mit allen Mitteln, seine Hausmacht zu mehren. Mit dem Bischof von Basel, dessen Pfründe sich wie ein Keil zwischen Rudolfs elsässische und Schweizer Besitzungen schieben, liegt der Habsburger in Dauerfehde. Als er ein Frauenkloster seines Feindes niederbrennt, verfällt er zum zweiten Mal der päpstlichen Ächtung.

Als Rudolf die Chance sieht, König zu werden, entwickelt er subtilere Methoden: Er verspricht den Kurfürsten für seine Wahl Ehen, Einfluß und staufisches Erbe. Zwei der Bestochenen heirateten später Töchter Rudolfs, ein dritter eine weitere Habsburgerin - erster Erfolg einer Familienpolitik, die Ungarns König Matthias Corvinus 200 Jahre später mit dem berühmten Wort kommentierte: "Mögen andere Kriege führen - du, glückliches Österreich, heirate!"

Nach Rudolfs Wahl am 1. Oktober 1273 verspottete ihn sein unterlegener Konkurrent König Ottokar von Böhmen als "wenig tauglicher Graf, den der Bettelsack drückt". Prompt nutzt Rudolf das hohe Amt zur Vermehrung seiner Besitztümer. Als er Ottokar dabei Österreich entreißen will, kommt es zum offenen Konflikt. Am 26. August 1278 verliert der Böhme bei Dürnkrut auf dem Marchfeld nordöstlich von Wien Schlacht und Leben. Damit hat der Habsburger freie Hand: Seine Söhne Albrecht und Rudolf nehmen Österreich und die Steiermark zu Lehen. Albrechts

Schwiegervater Meinhard von Tirol bekommt 1286 Kärnten zugeschanzt. Mit dieser Hausmacht - und den drei angeheirateten Reichsfürsten - ist Rudolf allen anderen deutschen Fürsten gewachsen.

Nach Krieg und Sieg widmet sich der Habsburger dem Frieden: Er dämmt das Fehde- und Raubritterunwesen ein, unter dem die Städte schwer zu leiden haben, besteuert diese dafür aber höher und energischer als einst die Staufer. Auf dem Reichstag 1287 zu Würzburg erneuert Rudolf das Mainzer Landfriedensgesetz Kaiser Friedrichs II. von 1235, stellt die Hoheit des Reiches über Rechtsprechung, Münz-, Zoll- sowie Wegerecht fest und setzt einen Reichshofjustitiar ein. 1289 zerstört der

König in Thüringen 60 Raubnester und lässt an einem einzigen Tag 29 Ritter hinrichten.

In der Außenpolitik ist Rudolf kompromißbereit: dem Papst, dem er entscheidende Unterstützung im Konflikt mit

Ottokar verdankt, überlässt er die Romagna. Und um den Verzicht auf Süditalien zu bestätigen, verheiratet er seine sechste Tochter Clementia mit Karl Martell, dem Enkel Karls von Anjou, der einst in Neapel den letztenStaufer Konradin hatte enthaupten lassen. Rudolfs Ehe frau Gertrud Gräfin Hohenberg aus einer Seitenlinie des Hauses Zollern grämt sich über diese Heirat zu Tode. Daraufhin heiratet der König mit 66 Jahren die erst 14jährige Isabella von Burgund, um deren Land beim Reich zu halten.

Nachdem ihm nahezu alles geglückt ist, scheitert Rudolf am Ende seines Lebens ausgerechnet bei dem Versuch, seinen Sohn Albrecht zum Nachfolger wählen zu lassen. Den deutschen Fürsten sind die Habsburger zu mächtig geworden, und sie entscheiden sich für den unscheinbaren, aber tüchtigen Adolf von Nassau. Nach dessen Tod aber erreichte Albrecht doch noch sein Ziel.

Rudolf von Habsburg stirbt am 15. Juli 1291 mit 73 Jahren nach 18jähriger Regierungszeit in Speyer und wird dort im Dom beigesetzt. In der Colmarer Dominikaner-Chronik heißt es über den Herrscher: "Er war von großer Gestalt, sieben Fuß lang, schlank, mit kleinem Kopf, bleichem Gesicht und langer Nase. In Speise und Trank und in anderen Dingen war er mäßig, ein weiser, gerechter und umsichtiger Mann, doch selbst bei den reichsten Mitteln in ständiger Geldverlegenheit."

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