"Der Papst zu Roma: amore gutt - njet condoma!"

Donnerstag, 2. Mai 2013

Calderón, „Das große Welttheater“, in der Übersetzung Eichendorffs. Am besten gefallen

Die Welt:

  "Doch daß jeglicher imstande,

  Auf der Bühne, deinem Rufe

  Folgend, auf- und abzutreten,

  Habe ich zwei Türen hurtig

  Eingerichtet: hier die Wiege,

  Dort das Grab im Hintergrunde."

Der Meister:

  "Wollte ich die unruhvollen

  Menschen um die Wahl befragen,

  Auch nicht einem wohl behagen

  Möchten dann des Leidens Rollen,

  Alle würden herrschen wollen

  Über alle frank und frei,

  Und es fiele keinem bei,

  Daß auf dieser Bühnenwelt,

  Was er für das Leben hält,

  Eben nur ein Schauspiel sei."

Der Landmann:

  "Doch Ihr habt Erfahrenheit,

  Die den Hut mißt nach dem Kopfe,

  Also auch mir armem Tropfe

  Meine Dummheit wohl verzeiht."

Der Meister:

  "Wisse, diese Bühne ziert

  Minder nicht, wer ohne Fehle,

  Schlicht und recht aus voller Seele

  Mit dem Bettelstab agiert,

  Als wer Kron' und Zepter führt;

  Und wenn einst der Vorhang fällt,

  Werden beide gleichgestellt."

Der Landmann:

  "Denn das hab ich schon erlauert,

  Daß, wer bettelt und wer bauert,

  Sich wie Hans zur Grete schicke."

Der Bettler:

  "Arge Welt, wie bist du trüglich!

  Schmückst den Glücklichen vergnüglich,

  Und den Bettler ziehst du aus!"

Die Welt:

  "Mit Ministern schanzt der König

  Klüglich sein Gewissen ein."

Der Meister:

  "Manchen Fehl könnt' ich verbessern,

  Der sich meinem Blick hier beut,

  Doch dazu gab ich dem Menschen

  Starken Willen und das Reich

  Über seine Leidenschaften,

  Auf daß jeder tüchtig sei,

  Durch sein Tun sich selbst zu adeln."

Die Welt:

  "Wie so anders ist des Reichen

  Und des Bettlers Todesbahn!"

Der Meister zum Kind:

  "Nicht belohnen

  Noch bestrafen kann ich dich;

  Schuldlos, doch in Schuld geboren,

  Bleibt dir Lohn und Strafe fremd."

Aus dem Nachwort: "Daß das Leben eine Komödie, Traum und Schatten und nur Vorbereitung auf das wahre ewige Leben sei, diesen dem goldenen Zeitalter Spaniens so vertrauten Gedanken hat das Calderónsche Stück zu voller Anschauung erschlossen.“ – Wie kläglich dagegen die schwachsinnige Inszenierung von "Das Einsiedler Welttheater" in der Textfassung des Schweizer Schriftstellers Thomas Hürlimann aus dem Jahr 2007! Kostprobe: "Zwar sagt der Papst zu Roma: amore gutt - njet condoma!"

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Der beste Politiker ist jung genug für klaren Kurs und alt genug für den Kompromiss.

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Mussorgski, Vorspiel und Tanz der persischen Sklaven aus "Chowanschtschina": Melodie und Rhythmus bewahren und pflegen den Zauber des Mittleren Orients; die Musik malt ein Bild des Bazars zu Buchara oder der Seidenmärkte Samarkands. Schade, dass Mittelasien so lange sowjetisch war, es wäre ein lohnendes Reiseziel gewesen.

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Aus den Bharataka-Geschichten in den Indischen Narrenbüchern: "Denn alle Menschen hier in der Welt, welche nach Glück trachten, müssen zur Erlangung des Wohlergehens immerdar im Erkennen des richtigen Handelns geschickt sein. Wie man aber richtig zu handeln hat, das ergibt sich am klarsten, wenn man sieht, welche Nachteile es bringt, wenn dumme Menschen handeln, wie es eben ihre Einfälle nahelegen."

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Ernst Jünger über einen Aufenthalt im Interconti Monrovia: "Ein bestimmter Standard darf nicht fehlen; man erwartet, daß Strom und Steckdose dem Rasierapparat angepaßt sind. Das ist mit Luxus nicht zu verwechseln; Luxus wäre, wenn ich, wie zur Zeit Casanovas üblich, meinen Friseur mitbrächte. Komfort ist generell, Luxus individuell. Komfort gehört zur Zivilisation, Luxus zur Kultur, Komfort zur ausgefeilten Technik, Luxus zur in die Kunst erhobenen Natur."

 

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