„Ohne Prügel kennt der Berliner Geselle kein Vergnügen“

Freitag, 3. Mai 2013

Aristophanes, "Der Friede". Am besten gefallen:

Der Winzer Trygaios über seinen Maikäfer:

  "Es steht geschrieben im Äsop: Von allem

  Geflügel kam nur dieser zu den Göttern."

Das Mädchen zu ihm:

  "Nimm dich nur ja in acht, daß du nicht stürzt,

  Sonst kommt Euripides und nimmt den Lahmen

  Zum Stoff und macht aus dir ein Trauerspiel!"

Der Krieg:

  "Du Brut, du Brut, verruchte Menschenbrut!

  Euch soll das Wetter in die Zähne fahren!"

Der Chor zu Trygaios:

  "Sag uns, was nun zu tun ist, du Oberingenieur!

  Weder ruhn noch rasten will ich heut, bevor mit Hebeln, Taun

  Und Maschinen wir die Göttin ans Tageslicht gebracht,

  Sie, die höchstgepriesne Göttin - und die rebenfreundlichste."

Hermes:

  "Ach, wie das Goldgefäß mein Herz erweicht!"

Sklave:

  "Da geb ich für die Götter keinen Deut,

  Wenn sie, wie wir hier, Hurenwirtschaft treiben!"

Der Wahrsager Hierokles:

  "Niemals hoffe den Krebs zu bewegen, daß er geradeaus geht!"    Der Chor:

  "Aber einmal doch, so Gott will, rechnen wir mit ihnen ab,

  Den verfluchten Missetätern,

  Die zu Haus den Löwen spielen,

  Aber in der Schlacht den Fuchs!"

Trygaios:

  "Was wären weiße Zähne nütz, wenn nichts dazwischen kommt!"

Aus der Einleitung: "Diese mit dem Maschinenpark der Tragödie in Szene Komödie gehört zu den Glanzstücken des Dichters: die komische Handlung, ihre tiefere Bedeutung und die Parodie von Tragödie und Satyrspiel verschmelzen zu einer höheren poetischen Einheit. Durch die derben Scherze, zu denen die Mädchen Anlaß geben, schimmert immer wieder der Ernst hindurch. Ungleich ist das Los der Gewerbetreibenden: die Fabrikanten von Kriegsmaterial sind ruiniert, die Hersteller landwirtschaftlicher Geräte bezeigen Trygaios ihren Dank für die steigenden Umsätze."

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Der Zeitgeist ist das Wasser, die Ethik der Wein, die Religion das Blut eines Volkes.

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Zwei indische Musikstücke: In R.A.Ramamanis Lied "Arum" erzählt die schwermütige Melodie erzählt vom Flug einer Seele über die Berge, Wälder und Meere der Welt; die Stimme rührt an Innerstes. In "Tumakichalat" malt die Gruppe "Tulasi Das" den Lauf eines Elefanten: Nichts hemmt seinen Fuß, nur Vögel können ihm folgen. Eine faszinierende Musik, fremd nur dem Ohr, nicht dem Herzen.

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Lise Meitner: "Ich halte mich an ein sehr schönes Goethe-Gedicht, das ich kürzlich entdeckt habe, in dem nach der Aufzählung der guten Dinge, die einem im Alter genommen werden, zum Schluß gesagt wird: Mir bleibt genug, es bleibt Idee und Liebe."

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Glassbrenner über Berliner Vergnügungen: "Da mag denn die Sonne allen Lebensmut aus der Natur brennen, der überlästige Staub jede farbige Schönheit in Sack und Asche trauern lassen, oder der Regen in Strömen herabfallen; das alles geniert einen flotten, kräftigen Berliner nicht, der seinen langverhaltenen Jubel loslassen, der seinen Tollen austreiben will." - "Ohne Prügel kennt der Berliner Geselle gar kein echtes Vergnügen, und wenn nicht beim Nachhausegehen mindestens sechs Individuen mit verbundenen Köpfen im Wagen sitzen, so hat der längstersehnte Tag den Erwartungen nicht entsprochen."

 

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