Vipernfleisch essen

Samstag, 4. Mai 2013

Ovid, "Metamorphosen". Im 1.Buch gefallen am besten:

  "Während die übrigen Wesen gebeugt zur Erde hin sehen,

  Gab er dem Menschen ein aufrecht Gesicht und hieß ihn den Himmel

  Schauen, aufwärts den Blick empor zu den Sternen erheben."

Über Deukalion, den griechischen Noah, und seine Frau Pyrrha:

  "Und nach der Götter Willen erhielten die Steine, die Mannes

  Hände geworfen, Mannesgestalt in kürzester Frist und

  Ward das Weib durch die Würfe des Weibes wiedergeschaffen.

  Daher sind wir ein hartes Geschlecht, erfahren in Mühsal,

  Geben so den Beweis des Ursprungs, dem wir entstammen."

Aus dem Vorwort: "Amor erscheint in Ovids 'Weltgedicht' als irrationale, zerstörerische Macht im Leben des Menschen." - "Während also im Kosmos der Aeneis eine ethische Ordnung an eine sinnvolle göttliche Weltordnung gebunden ist, fehlt dem Kosmos der 'Metamorphosen' eine solche Ordnungsbasis, denn innerhalb des ständig sich vollziehenden Verwandlungsprozesses in der belebten und unbelebten Natur bleibt nur eines konstant: die Psyche des Menschen, die, seit der Schöpfung unverändert, vor allem von negativen Regungen wie Machtstreben und zerstörerischer sexueller Leidenschaft beherrscht ist. Diese beiden Charaktereigenschaften stehen ja, wie mehrfach gezeigt wurde, im Zentrum der Darstellung der anthropomorphen Götter und der Menschen in Ovids Hexameter-Opus."

Im 2.Buch sagt Ovid über Phaeton:

  "Quert sein aethiopisches Land und das unterm Brand des Gestirnes

  Liegende Indien und naht sich rüstig dem Aufgang des Vaters."

Über die Pferde des Sonnengottes:

  "Schon erfüllen mit feuersprühendem Wiehern

  Feuer, Funke und Glut und Lohe als viertes der Flügel-

  rosse die Luft und poltern mit heftigem Huf an die Schranken."

Über Phaetons Mutter Clymene:

  "Wirft sich hin auf das Grab, sie liest auf dem Marmor den Namen

  Und überströmt ihn mit Tränen und wärmt mit der offenen Brust ihn."

Die schwangere Coronis sagt zu Apoll:

  "Ich konnte gewiss, o Phoebus, Sühne dir leisten,

  Aber gebären zuvor! Nun sterben in Einer zu zweit wir."

Über Apoll:

  "Tränen dürfen das Antlitz Himmelsbewohnern nicht netzen."

Über Athena:

  "Im Innern sieht sie die Missgunst

  Sitzen und Vipernfleisch essen, das Mittel, ihr Laster zu nähren."

Über Zeus und Europa:

  "Gut vertragen sich nicht und hausen nicht gerne beisammen

  Herrscherwürde und Liebe."

  Aus dem Vorwort: "Gerade der humorvolle Blick dieses Dichters für das Menschlich-Allzumenschliche, der ihm als Betrachter des Welttheaters auch angesichts der größten Fragwürdigkeiten nie verloren geht, ist sicherlich ein ganz wesentlicher Grund dafür, daß noch heute die 'Metamorphosen' zu den wenigen Werken der antiken Literatur gehören, die für zahllose Leser in aller Welt unverändert herrlich sind wie am ersten Tag."

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Der Mensch muss alles verlieren, um alles zu gewinnen.

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Carl Maria von Webers Klavierrondo "Aufforderung zum Tanz", orchestriert von Hector Berlioz: Das herrliche Leitmotiv schildert die Sehnsucht einer Liebe nach Erfüllung; der Preis zählt nicht, wird auch nicht erfragt. Vorwärts! in Glück oder Verderben. Die Liebe nimmt oft die Chance bereits für den Erfolg, den Zweifel schon für die Niederlage.

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Pausanias: "In Argos befindet sich neben dem Denkmal der Gorgon das Grab der Gorgophone, der Tochter des Perseus. Sie soll die erste Frau gewesen sein, die nach dem Tod ihres Mannes … wieder geheiratet hat; den früher war es für die Frauen Brauch, nach dem Tod des Mannes Witwe zu bleiben." - Von der Insel Kalaureia vor Troizen: "Innerhalb des heiligen Bezirks liegt auch das Grab des Demosthenes. Gerade an ihm - und in früheren Zeiten auch an Homer - scheint mir die Gottheit bewiesen zu haben, wie neidisch sie ist. So suchte den bereits erblindeten Homer zusätzlich zu seinem großen Leid ein weiteres heim, nämlich die Armut, und zwang ihn, als Bettler in jedes Land zu gehen. Demosthenes widerfuhr es, im Alter die Erfahrung der Verbannung machen zu müssen und einen gewalttätigen Tod zu finden." Er entzog sich seiner Gefangennahme durch Selbstmord.

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Ernst Jünger: "Im Traum erreichen wir zuweilen, wie auf einer Gratwanderung, Punkte, an denen der Trug der Zeit nicht mehr so stark ist und Vergangenheit und Zukunft zugleich überblickt werden können. Dann rücken Zufall und Schicksal, Freiheit und Bestimmung aneinander heran; vermutlich werden sie sich decken in den Fiebern, die den Tod ankündigen."

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