Die Sprache des Himmels ist das Latein

Donnerstag, 2. Mai 2013

Das Wort zum Freitag

Die katholische Christenheit feiert heute den Gedenktag des hl. Athanasius (um 295-373). Er zählt mit Johannes Chrystostomus, Basilius von Caesarea und Gregor von Nazianz zu den vier großen Kirchenlehrern des Orients. Von 328 bis zu seinem Tod ist er Bischof von Alexandria. In der ägyptischen Weltstadt kommt es zur gefährlichsten Glaubensspaltung der Antike: Der Presbyter Arius (260-336) behauptet, Christus sei nicht mit Gott wesensgleich, sondern nur sein Geschöpf. Vor allem den germanischen Stämmen der Völkerwanderungszeit leuchtet die neue Lehre leichter ein als das komplizierte Dogma der hl. Dreifaltigkeit. Das Konzil von Nicäa verwirft im Jahr 325 den Arianismus, doch viele Anhänger bleiben dem Irrglauben treu, und Athanasius führt sein Leben lang unter großen persönlichen Opfern einen leidenschaftlichen Kampf gegen sie. Drei Mal wird er verbannt, siebzehn Jahre lang muss er im Exil leben, auch in der Kaiserstadt Trier, damals eine der vier Residenzen des Römischen Reiches. Nach der Überlieferung beschuldigen seine Feinde ihn schlimmer Verbrechen: Er habe den Bischof Arsenius ermordet und dessen Glieder zu Zwecken der Zauberei abgeschnitten, und er habe eine Jungfrau vergewaltigt. In beiden Fällen werden die Zeugen jedoch bald der falschen Aussage überführt. Arius stirbt angeblich auf dem Abtritt den Tod des Judas, ihm fallen die Eingeweide heraus. Wahrscheinlicher ist, dass er vergiftet worden ist. Anthanasius wird später „der Große“ genannt. Sein bekanntestes Werk ist die Biographie des ägyptischen Mönchsvaters Antonius des Einsiedlers. Zitate: "Der auferstandene Christus macht das Leben der Menschen zu einem ununterbrochenen Fest."  - "Für den Gerechten gibt es keinen Tod, sondern nur einen Übergang."  - "Er wurde, was wir sind, damit er aus uns machen könne, was er ist." - "Um die Heilige Schrift zu verstehen, muss einer einen rechtschaffenen Lebenswandel führen, mit reinem Herzen und mit einer Tugend, die sich nach Christus gebildet hat, hinzutreten, um die Wahrheit erfassen zu können, soweit dies dem menschlichen Geiste gegeben ist."

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Durch Frömmigkeit, Sanftmut und Nächstenliebe stellt sich eine Zufriedenheit ein, die schon so etwas wie einen Vorgeschmack auf die ewige Seligkeit bietet.

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Wilfried Stroh, „Latein ist tot, es lebe Latein!“: „Der Jesuit Melchior Inhofer, einer der größten Lateinfanatiker alle Zeiten, hat die Vermutung ausgesprochen, daß sogar im Himmel dereinst die Seligen Latein sprechen würden. Das klingt nicht unplausibel, wenn man einmal bedenkt, dass Gott zuerst Hebräisch gelernt hat, um das Alte Testament zu verfassen, dann Griechisch für das Neue. Seitdem er aber schließlich zum Latein Augustins und Benedikts XVI. übergegangen war, hat er die Sprache, wie man sieht, nicht mehr gewechselt – auch er ist offenbar empfänglich für den Zauber des Lateinischen.“ Strohs Buch erschien 2007, Melchior Inhofer kam 1584 in Ungarn zur Welt und starb 1648 in Mailand.

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Chopins 2.Klavierkonzert f-Moll macht aus Bewußtsein Musik. Das Ergebnis der Verwandlung ist ein neuer Aggregatzustand des Geistes: Nicht nur Worte und Gedanken, auch Gefühle lösen sich wie Salz in einem göttlichen Meer. Das gilt vor allem für den 2.Satz - Larghetto, ein Klavier-Nocturno von besonders zarter Poesie. Chopin hat dieses Meer befahren und die Rätsel seiner Tiefen aufgespürt. Die höchste Kunst führt aus dem Ich und Selbst in die Unendlichkeit des ewig Gültigen. Schön ist es, sich zu verlieren, schwer, sich wiederzufinden; beides zählt zu den wichtigsten Lebensaufgaben, die es immer wieder neu zu bestehen gilt. Die Frage nach der eigenen Zukunft ist die Suche nach der inneren Tiefe. Gott sorgt dafür, daß das meiste von uns selbst abhängt, und das ist sein größtes Geschenk.

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Thomas Morus: "Fühlen wir uns zu kühn, dann wollen wir an unsere eigene Schwäche denken. Fühlen wir uns zu schwach, dann erinnern wir uns an Christi Kraft."

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Morgen ist der Gedenktag der Apostel Philippus und Jakobus des Jüngeren. Die Bibel berichtet nur wenig von ihnen, die Legende umso mehr. Philippus ist Fischer aus Bethsaida am See Genezareth und kommt er durch seinen Freund Andreas, den älteren Bruder des Petrus, zu Jesus. Die beiden jungen Männer sind die einzigen Apostel mit griechischen Namen. Kurz darauf führt Philippus den späteren Apostel Bartholomäus in den Kreis um Jesus ein. Außerdem spielt Philippus eine Rolle bei der wundersamen Brotvermehrung und bei den ersten Kontakten der Jünger mit der griechischen Gemeinde in Palästina. Nach dem Kreuzestod des Erlösers predigt Philippus zwanzig Jahre lang bei den Skythen, wilden Reiternomaden in der südrussischen Steppe. Nach der Legende bändigt er in einem Tempel des römischen Kriegsgottes Mars mit vorgehaltenem Kreuz einen Drachen und stürzt Götzenbilder vom Altar, wobei die Statuen Pesthauch verströmen und viele Heiden erkranken. Im Alter von 87 Jahren wird er in Hierapolis (heute Pamukkale/Türkei) gekreuzigt. Seine Gebeine werden später nach Rom überführt und dort bis heute in der Kirche Dodici Apostel ("Zwölf Apostel") verehrt. Reliquien gibt es auch in Andechs und Köln.

Jakobus der Jüngere ist ebenfalls Fischer in Betsaida und ein Vetter Jesu: Seine Mutter Maria ist eine Halbschwester der Gottesmutter. Als Leiter der christlichen Gemeinde und erster Bischof Jerusalems bekehrt er viele Juden, darunter sogar besonders strenggläubige Pharisäer, und unternimmt kleinere Missionsreisen durch das Heilige Land. Später streitet er sich mit Paulus über dessen Absicht, das Wort Gottes auch den Nichtjuden zu verkünden. Ostern 62 nutzt der jüdische Hohepriester Ananos ein Machtvakuum, das durch das Ausbleiben eines neuen römischen Statthalters entsteht, und lässt Jakobus auf die höchste Zinne des Tempels führen. Dort soll der Apostel für alle weithin sicht- und hörbar seinen Glauben widerrufen. Als er sich weigert, wird er in die Tiefe gestürzt. Sein Grab wird ebenfalls in der Apostelkirche von Rom verehrt, Reliquien kommen später vor allem nach Antwerpen.

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In seiner „Urgeschichte des Christentums“ schreibt Eduard Meyer über „Die Entwicklung des Judentums und Jesus von Nazareth“: „Die Fremdherrschaft, welche dem Volk die Sorge um die äußere Politik und die eigene Gestaltung seiner irdischen Geschicke abnimmt, ist die Voraussetzung des Gesetzes … Für die alte Prophetie freilich, die zu den Ereignissen unmittelbar eingreifend Stellung nahm, war kein Raum mehr, seit das Volk keine aktive Politik mehr treiben konnte und den Weltereignissen nur noch als Zuschauer und Dulder gegenüberstand. Zugleich wurde sie innerlich, wie schon Jeremia erfahren und ausgesprochen hat, immer mehr durch das Gesetz ertötet: ‚der Griffel des Schreibers‘, die für alle Ewigkeiten festgelegte Schrift, war an die Stelle der Inspiration und des lebendigen Gottesworts getreten.“ – „Die monotheistische Tendenz kommt in jeder fortschreitenden Religionsentwicklung zur Herrschaft; aber in der starren, bis in die äußersten Konsequenzen durchgebildete Gestalt, in der sie uns im Judentum entgegentritt und die dann Mohammed übernommen hat, ist sie allen anderen Religionen ganz fremd.“ - „Bei den Schriftgelehrten dominiert der Verstand, bei den Gläubigen das Gemüt.“

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Cyrill von Alexandrien:

  "Wahr ist es. einmal reißt es uns alle hinauf

  aus Zerfall in ewige Jugend,

  aus Sterben ins Leben,

  aus Siechtum in siegende Kraft,

  aus Kleinheit in Glorie,

  aus engen Zeiten in ewige Weiten.

  So wird es sein, ja so,

  wenn wir daheim sind bei Christus."

 

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