Zu blöd am Geiste

Montag, 6. Mai 2013

Das Wort vom Sonntag

Die katholische Christenheit feiert morgen das Gedenken der hl. Gisela. Mit der Königin und Äbtissin aus Bayern beginnt vor über tausend Jahren die Freundschaft zwischen Deutschen und Ungarn, die zuletzt auch zwei Weltkriege und 45 Jahre Kommunismus übersteht. Die Tochter des Bayernherzogs Heinrich, den man den „Zänker“ nennt, und seiner Gemahlin Gisela von Burgund wächst in einer ungewöhnlich frommen Familie auf. Ihre Urgroßeltern sind Kaiser Heinrich I. und die hl.Mathilde. Einer der Brüder Giselas wird später als Heinrich II. ebenfalls Kaiser und heiliggesprochen, ein anderer ist Bruno, später Bischof von Augsburg, und die jüngere Schwester Brigida stirbt als Äbtissin von Mittelmünster bei Regensburg. „Auch Gisela wollte den Schleier nehmen“, berichtet ein Chronist. Doch 996 erscheinen Gesandte des ungarischen Königs Geza am Bayernhof in Regensburg und werben im sie als Braut für Kronprinz Stephan. „Herzog Heinrich empfängt die Gesandten mit Freude“, so der Bericht, „Gisela entsagte dem himmlischen Bräutigam und zog an den ungarischen Fürstenhof, um das Volk Christi zu vermehren.“ Es ist keine leichte Aufgabe: Fast hundert Jahre lang haben die Magyaren große Teile Europas immer wieder geplündert, ihre schnellen Reiter stießen bis nach Bremen, Neapel und sogar Galizien vor. Die Hochzeit wird wohl um das Jahr 1000 auf der alten Burg Scheyern an der Ilm gefeiert. Stephan wird zum ersten christlichen König, seine Frau zur ersten christlichen Königin Ungarns gesalbt, und das junge Paar lässt sich in der Hauptstadt Pressburg nieder. Die Sage nimmt daraus später Anregungen für die Fahrten der Burgunderkönigin Krimhild und der Nibelungen zum Hunnenkönig Attila. Gisela unterstützt ihren Mann bei der Bekehrung von ASdel und Volk, beim Bau neuer Kirchen und bei der Westorientierung der Ungarn gegen den Einfluss des Kaisers von Byzanz. Ihre Frömmigkeit zieht ihr den Hass heidnischer Adeliger zu. Als König Stephan im Jahr 1038 stirbt, setzen Kirchenfeinde die Witwe gefangen und rauben ihre Güter. Erst vier Jahre später kann Kaiser Heinrich III. sie befreien. Sie kehrt nach Bayern zurück und geht ins Kloster Niedernburg bei Passau. Ein Konvent wählt sie 1045 zur Reichsäbtissin. In den 20 Jahren bis zu ihrem Tod erwirbt sie sich so viel Ansehen, dass ihr Grab in der Park-Kapelle des Klosters bis heute Pilgerziel bleibt.

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Die kühnsten Gedanken, die jemals gedacht wurden, finden sich im Neuen Testament und in den Schriften der Kirchenväter.

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Die FAZ druckt heute vor fünf Jahren, am 8.Mai 2008, einen Leserbrief von Ulrich Weißer, Diplom-Volkswirt und FDP-Landtagskandidat aus Cuxhaven. Überschrift „Religion wird nicht verschwinden“. Auszug: „Wenn ich mich in stiller Stunde darauf besinne, was mir wichtig ist und was bleiben sollte jenseits aller Tage, finde ich im Allerinnersten eine Mitte, einen glühenden Funken, von dem alles ausgeht. Erstaunt stelle ich nach einiger Zeit fest, dass diese Mitte bei den meisten Leuten dieselbe ist: das Allerprivateste, ganz Eigene, ist gleichzeitig das, was wir alle gemeinsam haben und das insofern unserer Willkür entzogen ist und uns vorgegeben ist. Mein Problem ist nur, dass ich diese Mitte zwar fühlen, aber schlecht formulieren kann. Als nächstes entdecke ich, dass es dafür bereits ausformulierte Texte gibt, und fange an in der Bibel zu blättern. Beispielsweise lande ich bei Johannes, Kapitel 14, Vers 34, wo Jesus sagt: ‚Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt.‘ Gott ist Liebe. Dieser Führung durch Christus kann ich mich dann anvertrauen, denn er sagt (Johannes 14,6): ‚Ich bin der Weg und die Wahrheit und dass Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.‘ Nach einiger Zeit merkte ich, dass ich durch diese Entscheidung eine bemerkenswerte Verhaltenssicherheit gewonnen habe – im Privaten, am Arbeitsplatz und gerade auch im Politischen. Es stimmt also nicht, wie die Atheisten meinen, dass die Religion die Freiheit nehme. Im Gegenteil: Ich habe mich frei zu diesem Bekenntnis entschieden und gewinne Freiheit und Unabhängigkeit gegenüber den Aufgeregtheiten des Tages.“ Aus der Feder eines Liberalen besonders bemerkenswert.

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Haydns Symphonie Nr.45 in fis-Moll "Abschied" steigt langsam und vorsichtig, aber unerschrocken in die Keller der Seele hinunter, auf dunklen Treppen, mit flackerndem Licht. Der 1. Satz zeigt diesen frischen Mut. Die Klänge des Adagio wollen Wehmut wecken, doch schon das Menuetto lenkt den Sinn auf neue Ziele, zu denen das Presto dann voller Ungeduld dringt. Der 5.Satz Adagio mit dem 'O du Lamm Gottes' zeigt, wohin der Weg zu führen hat: Es spiegelt die von Herzen kommende und zu Herzen gehende Frömmigkeit eines begnadeten Künstlers.

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Die Seligkeit ist so viel wirklicher als das Leben, wie das Leben wirklicher ist als der Traum.

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Gellert, "Das Schicksal":

  "O Mensch! Was strebst du doch, den Ratschluß zu ergründen,

  Nach welchem Gott die Welt regiert?

  Mit endlicher Vernunft willst du die Absicht finden,

  Die der Unendliche bei seiner Schickung führt?

  Du siehst bei Dingen, die geschehen,

  Nie das Vergangne recht, und auch die Folge nicht,

  Und hoffest doch, den Grund zu sehen,

  Warum das, was geschah, geschicht?

  Die Vorsicht ist gerecht in allen Schlüssen.

  Dies siehst du freilich nicht in allen Fällen ein;

  Doch wolltest du den Grund von jeder Schickung wissen;

  So müßtest du, was Gott ist, sein.

  Begnüge dich, die Absicht zu verehren,

  Die du zu zu sehn zu blöd am Geiste bist."

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