Amigo, Amigino, Amigissimo

Sonntag, 5. Mai 2013

VON WOCHE ZU WOCHE: 28.April-4.Mai 2013

SONNTAG

In Berlins Rykestraße steht die größte Synagoge der Stadt. In der Nähe betreibt eine junge Frau aus Süddeutschland einen kleinen Laden. Jetzt sprühen Unbekannte an die Hauswand: „Kauft nicht bei Schwab’n.“ Politiker vermuten einen Zusammenhang mit Ermahnungen des Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Thierse (SPD) Ende 2012 an Zugezogene: "Ich wünsche mir, dass die Schwaben begreifen, dass sie jetzt in Berlin sind und nicht mehr in ihrer Kleinstadt mit Kehrwoche". Ein Grafitti-Experte vermutet als Täter „Linke, die sich als Sprayer tarnen“. Bertold Brecht: „Der Schoß ist fruchtbar noch…“

MONTAG

Der Hamburger Klimaforscher Hans von Storch kritisiert in seinem Buch „Die Klimafalle“ eine Tendenz, absolute Wahrheiten zu verkünden und diese gleich mit Handlungsanweisungen zu verknüpfen: „Der Klimapapst sagt, was zu tun ist, und für die Bürger gilt: Maul halten. Wissenschaftler nehmen inzwischen die Rolle von Priestern oder Schamanen ein.“ Ron Kritzfeld: „Ideologie ist ein Impfstoff, der gegen das Denken immunisiert.“

DIENSTAG

Zum Evangelischen Kirchentag verspricht das „Hamburger Abendblatt“ auf der Titelseite einen Beitrag über „365 Dinge, die Sie in Hamburg erleben sollten“ an und illustriert die Ankündigung mit Abbildungen eines Fußballs, einer Taube, einer Geige und des Eingangs zum Lokal „Ritze“ an der Reeperbahn: Die Tür öffnet sich dort zwischen zwei an die Wand gemalten Damenbeinen. Psalm 40,5: „Wohl dem, der seine Hoffnung setzt auf den Herrn.“

MITTWOCH

Bei den Feiern zum 1.Mai hört die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft Trillerpfeifen und Buhrufe: Vor der Wahl hatte sie versichert, dass sie „keine weiteren Einschnitte bei der Beamtenschaft“ plane. Jetzt reden Lehrer von Wortbruch. Auch Polizisten protestieren. Plakate zeigen die Landesmutter mit Pinochio-Nase. Schiller, „Die Piccolomini“: „Vor Tische las man‘s anders.“

DONNERSTAG

Presse und Rundfunk kritisieren in seltener Einmütigkeit die Verlosung von Presseplätzen zum NSU-Prozess am Oberlandesgericht München: FAZ, SZ und „Die Welt“ müssen draußen bleiben, die Frauenzeitschrift „Brigitte“, das Anzeigenblatt „Hallo München“ und die polnischsprachige Redaktion des nichtkommerziellen Stadtsenders „Radio Lora“ sind dabei. Stanislaw Jerzy Lec: „Wie beurteilt man einen Staat am gerechtesten? Einfach auf Grund seiner Gerichtsbarkeit.“

FREITAG

Hamburgs SPD-Senat plant ein verschärftes Wohnraumschutzgesetz gegen Spekulanten, die Wohnungen leer stehen lassen. Die CDU schätzt die Zahl solcher Wohnungen auf 200. Bei der städtischen SAGA aber sind sogar 1075 Wohnungen schon seit über einem Jahr nicht vermietet. Wer im Glashaus sitzt…

SAMSTAG

Die Verwandtenaffäre wird Wahlkampfthema. Nicht weniger als 79 Landtagsabgeordnete, fast alle von der CSU, aber auch die SPD-Politikerin Renate Schmidt, haben in ihren Büros auf Staatskosten Ehepartner und sogar Kinder beschäftigt, das jüngste war ein 13 Jahre alter Computerexperte. Amigo, Amigino, Amigissimo.

 

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