Der freie Mann, die Straße und der Gendarm

Mittwoch, 8. Mai 2013

Aus Charles Dickens, "David Copperfield": "Alle meine Erfolge verdanke ich nur dem Umstand, daß ich Pünktlichkeit, Ordnung und Fleiß bei jeder Gelegenheit übe. Ich schreibe dies nicht nieder, um mich selbst zu loben. Ich meine einfach, daß ich alles, was ich im Leben zu tun versucht habe, bemüht war mit ganzem Herzen zu vollbringen und daß ich in großen wie in kleinen Dingen stets den gleichen Ernst anwandte." - "Wahre Zuneigung, selbst wenn sie von einem Tiere dem Menschen gegenüber ausgeht, besitzt eine Feinheit der Beobachtung, hinter der der schärfste Verstand zurückbleibt." - "Es kann kein größeres Unglück in der Ehe geben als Ungleichheit in Gefühlen und Bestrebungen." - "Meine Beobachtungsgabe hat mir gezeigt, daß jemand, der mit gutem Grunde an sich glaubt, sich niemals vor anderen rühmt, um sie an sich glauben zu machen. Je mehr Lob ich erntete, desto mehr suchte ich es mir zu verdienen. Ich beabsichtige hier nicht, wenn ich auch in allen wesentlichen Punkten meine Lebensgeschichte niederschreibe, auf meine Werke zu sprechen zu kommen. Sie sprechen für sich selbst, und ich überlasse sie sich selbst." - "Er war sein ganzes Leben lang ein Mann der Arbeit gewesen und wußte, daß er in allem, wo der Hilfe brauchte, selbst Hand anlegen und sich selbst helfen mußte." - "Ich habe an Ihn gedacht, der darüber weinte, daß der Tod die Menschen scheidet." - "Mein Gott, wenn ich sie früh bei Tagesanbruch aufstehen sehe, wie sie alles vorbereitet, auf den Markt geht bei jedem Wetter, … die prächtigsten kleinen Mittagessen aus den einfachsten Sachen herstellt, Puddings und Pasteten bereitet, jedes Ding an seinem rechten Platz erhält, auf mich abends wartet, wenn es noch so spät wird, und immer fröhlich und guten Mutes ist und dabei schmuck und hübsch aussieht, kann ich es manchmal kaum glauben … Und dann erst unsere Vergnügungen! Mein Gott, kostspielig sind sie nicht, aber ganz wundervoll. Wenn wir abends zu Hause sitzen, die Außentür zuschließen und die Vorhänge hier, die sie selbst gemacht hat, zuziehen, wo kann es da gemütlicher sein!" Mr.Micawber wirkt wie ein Vorbild zu dem alten Baltus Powenz aus Ernst Penzoldts „Powenzbande“, und man gönnt diesem Filou den Erfolg im fernen Australien von Herzen. Somerset Maugham allerdings kritisiert: "Was mich anbelangt, so amüsiert mich Dickens' Humor nach wie vor auf das köstlichste, aber sein Pathos läßt mich kalt."

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Den Rassismus unserer Tage fördert auch das Unwissen, daß unsere Vorfahren, die ersten Europäer, seit Jahrhunderttausenden in mehreren Wellen aus Afrika einwanderten. Weiß waren die Neandertaler, deren Pigmentierung sich der schwächeren Sonneneinstrahlung im Norden bereits angepaßt hatte. Ihren Untergang besiegelten klimatische Veränderungen, auf die sich die mutigen Mammutjäger nicht ausreichend einstellen konnten. Sie bekamen immer weniger Kinder und starben aus. Schon damals siegten die Afrikaner nicht durch höhere kulturelle oder kriegerische Fähigkeiten, denn die Neandertaler besaßen die am höchsten hochentwickelte Jagd- und Waffentechnik der gesamten Steinzeit. Vielmehr verdrängten die Neulinge die alte Bevölkerung im Laufe vieler Jahrtausende durch biologische Überlegenheit. Auch heute ist Afrikas genetisch wieder auf dem Vormarsch, etwa in den Vereinigten Staaten, in Brasilien, auch in einigen europäischen Ländern. Wie in der Steinzeit besetzt nicht gleich die Spitzenpositionen in den besten Jagdgründen des modernen Materialismus, sondern fängt erst mal unten an, setzt sich aber biologisch bald immer stärker durch, zum großen Vorteil der Menschheit, die zu ihrer Weiterentwicklung immer wieder kräftige genetische Durchmischung braucht.

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Benjamin Brittens "Rape of Lucretia" als Aufzeichnung einer Aufführung der English National Opera aus dem Jahr 1987 entspricht ganz der Absicht des Komponisten, den Opernhäusern Europas nach dem Zweiten Weltkrieg ein Stück zu schenken, das sich mit geringem Aufwand aufführen läßt: kleines Ensemble, sparsame Ausstattung - in dieser Produktion wirkt sie geradezu spartanisch, was die Dramatik der Musik noch stärker hervortreten läßt. Die Auftritte der Sänger sind fast statisch, wie bei einer antiken Tragödie; der Geist bedarf der Gesten kaum. Das Klagelied ist der edelste Ausdruck der Trauer, der Racheschwur der erhabenste: "Blood washes my shame". Der Chor aber mildert die Verzweiflung der ergreifenden Schlußszene: "Christus the Savior is born".

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Ernst Jünger zitiert, was Fürst Schwarzenberg, ein Sohn des Feldmarschalls, nach einem Praterspaziergang vor 160 Jahren aufzeichnete: "Wien, 12.Mai 1853. Was ist das für ein jämmerlicher Zustand der Gesellschaft, in welchem jeder Mensch wie ein Stift einer Maschine sich nur unter Aufsicht bewegen kann. Kaum sind zehn Wagen und hundert Spaziergänger versammelt, so sind zehn Gewaffnete zu Fuß und zu Roß vonnöten, um jeden anzuweisen, wie er gehen, stehen oder sich bewegen darf! und doch ist es beinah notwendig geworden! Dergestalt ist die Bevormundung des Individuums zum Vorteile der Gesellschaft erwachsen, daß vor lauter Gefasel über Freiheit ein freier Mann nicht mehr wird ohne Aufsicht eines Gendarmen über die Strasse gehen können. Zum Vorteil aller anderen Freiheiten ist die einzige, um die es sich lohnt zu kämpfen, auf das Minimum eines Schulknaben reduziert."

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Detlev von Liliencron, „Ist das alles“?

  „Ein Maientag im Sonnenglanz,

  Ein Julitag, ein Erntekranz.

  Ein kurzer Traum von Glück und Rast,

  Das Leben flog in Sturm und Hast.

  In Sturm und Hast bergab, hinab,

  Ein gleich vergessenes Menschengrab.

  All-Alles zieht, o Morgenrot,

  Ins Netz der alte Spinnrich Tod.“

 

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