Die Watschen des FC Bayern

Dienstag, 7. Mai 2013

In Sport-Wort RETRO zeigen Kolumnen aus früheren Jahren, was damals bedenkenswert erschien – und was sich inzwischen geändert hat. Heute: Die Ausgabe vom 20.November 2002 nach einer Schlägerei beim Training zwischen den Bayern-Stars Sammy Kuffour und Jens Jeremies. Es war nicht die erste Watsche beim Rekordmeister. Zuletzt keilte Verteidiger Rafinha allerdings lieber gegen seinen Dortmunder Gegenspieler Jakub Blaszczykowski aus.

Mit Unverständnis hat der Deutsche Sport-Bund (DSB) auf die vorwiegend negative Berichterstattung über Watschen, Schwinger und Aufwärtshaken beim FC Bayern München reagiert. „Was gibt es daran denn eigentlich zu kritisieren?“ fragte ein Sprecher. „Es ist doch viel besser, die Spieler polieren sich im Training intern die Visage, als später im Spiel dem Gegner die Knochen!“ Deshalb lud das DSB-Institut für Angewandte Aggression in Haudrauf an der Glocke den renommierten Konfliktforscher Prof. Dr. Alwin Aufdifress ein, auch für andere Sportarten neue Formen körperbetonter Kameradschaftlichkeit zu entwickeln. Ziel ist dabei, so ein Arbeitspapier, „die infolge allzu restriktiver Regelauslegung entstandene Weichlichkeit und Monotonie mancher Sportarten durch eine bunte Vielfalt kämpferischer Aktionen schon vor dem Wettkampf im Kreis der Mannschaft spannend zu akzentuieren.“ Als Sponsor konnte bereits die IG Deutsche Kieferchirurgie gewonnen werden. Auszüge aus dem Dokument:

Schwimmen. Vor Wettkämpfen steigert es Aufmerksamkeitsgrad und Reaktionsschnelligkeit, wenn die Trainingspartner einander am Beckenrand auflauern und sich bei der Wende gegenseitig untertauchen. Der Konfliktforscher: „Besonders belebend wirkt eine Arschbombe vom Fünfmeterbrett direkt auf den Solarplexus eines Rückenschwimmers!“

Radfahren. Hier wird ab sofort nicht nur in die Pedale, sondern bereits beim Warmmachen in die Weichteile getreten. Außer den im Zielspurt längst üblichen Ellenbogenchecks zählen bei Trainingsfahrten künftig auch Leberhaken und Handkantenschläge auf die Halsschlagader zum kameradschaftlichen Umgang. Achtung, Geländefahrer: Wegen Überlastung der Teamärzte darf Mannschaftsmitgliedern ausschließlich auf morastigem Gelände eine Eisenstange in die Speichen gesteckt werden!

Eishockey. Nichts fördert die Leistungsbereitschaft eines Spielers mehr, als wenn er beim Umziehen in der Kabine gleich mal von hinten mit Anlauf gegen die Wand gedonnert wird. Kluge Trainer sorgen außerdem dafür, dass die Teamkameraden einander beim Warmlaufen mit gezielten Kopfstößen motivieren. Keine Angst vor Schwellungen: Eis ist genug da!

 

Tennis. Damit die Cracks künftig nicht mehr so lendenlahm auf den Platz trotten, empfiehlt das DSB-Papier das Einschlagen bereits in der Kabine. Ein Schmetterball aus der Kurzdistanz in Niere oder Leiste kurbelt den Kreislauf an, und als schwungvolles Massagegerät spürt der Schläger zudem beim Mitspieler rasch orthopädische Schwachstellen auf, wenn er im Vollkontakt die Widerstandskraft von Schultermanschette oder Syndesmoseband testet.

Boxen. Hier setzt sich Prof. Aufdifress für eine besonders spannende Alternative ein: „Da die meisten Faustkämpfer Prügel von klein auf gewohnt und gegen körperliche Schmerzen deshalb weitgehend abgestumpft sind, sollten Aggressionspotentiale in dieser Sportart nicht mit Härte, sondern als Kontrastprogramm mit seelischer Sensibilität abgearbeitet werden.“ Vorschlag des Experten: Statt des üblichen Sparrings machen die Fighter erst lobende Bemerkungen über Höschen und Parfüm des Gegners und bewerfen sich dann gegenseitig mit zerknüllten Papiertaschentüchern.

Außerdem rät das DSB-Dokument allen Bundesliga-Managern, pensionierter Politiker als Psychotrainer zu verpflichten: Entsprechend der Steigerung  „Freund – Feind – Parteifreund“ soll künftig nicht mehr nur bei Bayern gelten: „Sportsfreund – Gegner – Mannschaftskamerad!“

Aus Kreisen von „Bayern“-Fans sickerte inzwischen durch, dass gegen Blaszczykowski Strafanzeige erstattet wurde: Der Pole habe dem „Bayern“-Brasilianer erst mit dem Kopf vorsätzlich eine Ellenbogenverletzung zufügen und ihm anschließend auch noch mit der Wange den Finger brechen wollen…

 

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