Jesus, bleibe, wo du bist!

Freitag, 10. Mai 2013

In DIE WOCHE RETRO zeigen Ausgaben der Kolumne „Von Tag zu Tag“, welche Nachrichten vor 15 Jahren berichtens- und bedenkenswert waren. Heute: Die Ausgabe vom Sonntag, 10.Mai 1998.

SONNTAG

Der Göttinger Theologieprofessor Gerd Lüdemann, der den Auferstehungsglauben für Unsinn hält, veröffentlicht in seinem Buch „Der große Betrug" einen Brief an Jesus". Inhalt: „Ich halte die total verfahrene Lage von Theologie, Kirche und Bibel nicht mehr aus. Bleibe, wo Du bist, im Galiläa des ersten Jahrhunderts!" Jeremia 10,21: „Die Hirten sind zu Narren geworden."

MONTAG

In Bonn kündigt eine Finanzexpertin der Grünen an, die Benzinpreis-Forderung von 5 Mark pro Liter werde künftig nicht im Programm stehen. In Schwerin fordern Grüne die Freigabe der Designerdroge „Ecstasy". Dostojewski: „Die Ideen wechseln, das Herz bleibt immer gleich."

DIENSTAG

Acht Monate nach dem Großeinsatz von Soldaten bei der Flutkatastrophe spricht sich im Rat von Frankfurt an der Oder eine Mehrheit von SPD und PDS gegen ein für August in der Stadt geplantes öffentliches Gelöbnis der Bundeswehr aus. Goethe: „Der Undank ist immer eine Schwäche. Ich habe nie gesehen, daß tüchtige Menschen wären undankbar gewesen."

MITTWOCH

Der SPD-Kanzlerkandidat Schröder übernimmt erneut eine Gastrolle in einer TV-Produktion. 1992 trat Gerhard Schröder als Ministerpräsident in „Der große Bellheim" auf, jetzt spielt er sich selbst in der Jugendserie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Theodor Wolff: „Ein Komödiant! Ein Kerl, der so viele Rollen gespielt hat, daß er seine eigene nicht mehr beherrscht."

DONNERSTAG

Ärger vor der für den 11. Juli geplanten Love-Parade in Berlin: Obwohl eine Million Teilnehmer tonnenweise Unrat hinterlassen werden, wollten die Veranstalter kassieren, ohne sich an den Aufräumkosten zu beteiligen. Ein Sprecher: Die Parade sei eine „politische Demonstration", die Abfallbeseitigung deshalb eine „öffentliche Angelegenheit". Deutsches Sprichwort: „Wenn man vorm Schelmen zieht den Hut, schwillt ihm der Mut."

FREITAG

Vier Hamburger Altenpfleger haben Schutzbefohlene mit Feuer gequält, ihnen Kot ins Gesicht geschmiert und sie sexuell genötigt. Das Landgericht verurteilt sie nur zu Bewährungsstrafen. Begründung: Die „harte, belastende Arbeit" habe die Angeklagten „überfordert". Alfred Döblin: „Milde ist nichts anderes als ein Symptom der Lauheit."

SAMSTAG

Das Verwaltungsgericht München stoppt den Bau eines städtischen Kindergartens, weil er mitten in einem reinen Wohngebiet liege. Eine Nachbarin hatte geklagt, weil beim Bringen und Abholen der Kinder „chaotische Verkehrsverhältnisse" drohten. Die Richter bezweifeln die Rechtmäßigkeit der Baugenehmigung. Nietzsche: „Wo ist der Wahnsinn, mit dem ihr geimpft werden müßt?“

 

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