Die vergangenen Zeiten auf Kosten der heutigen loben

Samstag, 11. Mai 2013

Ksemisvara, "Kausikas Zorn". Im Vorspiel sagt der Schauspieldirektor:

  "Gefunden wird ja nichts in dieser Welt,

  Das frei von Fehlern wäre, doch auch nichts,

  Dem es an jedem Guten mangelte;

  Darum, ihr Weisen, deckt die Fehler zu,

  Und was gelungen ist, das decket auf!"

König Haristschandra:

  "Ist doch der Schlaf

  Das wichtigste der Mittel,

  Den Leib lebend'ger Wesen zu erhalten."

Der Viduschaka:

  "Ei, ei, weshalb bereitest du dir Pein,

  Indem du das Vergangene beklagst!"

Im zweiten Aufzug sagt der König:

  "Wer Ehrenwerten Ehre nicht erweist,

  Ist hinderlich dem eignen Wohlergehen." -

Im vierten Aufzug sagt er:

  "Ein Leiden, also sagt man ja mit Recht,

  Verschwindet vor dem anderen." -

 Der Gott Dharma:

  "Aus mangelhafter Einsicht mengen sich

  Begriff von Unglück und Begriff von Glück." -

  "Unmöglich ist den Guten nie ein Dienst

  Für andere; als schmale Sichel auch

  Erfreut der Mond die Bäume." -

  "Es schwanken wohl auch Berge, wenn der Wind

  Am Ende eines Weltalters sie trifft;

  Doch nimmer schwankt, auch in Bedrängnis nicht,

  Entschloss'ner Männer wandelloser Sinn."

Königin Saibya:

  "Nach Gründen handelt nicht der Gott des Rechts,

  Und Wahrheit ist wie Weinen in den Wald."

Dharma über den König:

  "Wie überragt doch seine Denkungsart

  Die herrschende Gesinnung in der Welt!"

Das wohl berühmteste Drama des großen indischen Dichters wird auch auf deutschen Bühnen gespielt. Die deutsche Übersetzung erschien bereits 1883.

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Die Trennung von Kirche und Staat wird am heftigsten von solchen Politikern gefordert, die möglichst ungestört von moralischen Instanzen dem Volk die Hucke voll lügen wollen.

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Mendelssohn, Streichquartett Nr.6 in F-Dur op.80: Ein Wind von Nervosität braust durch den Garten der Seele, Affekte treiben Gedankensplitter vor sich her, ehe die Charaktersonne das aufgeregte Spiel mit Licht und Wärme beruhigt. Der 2. Satz lenkt das Chaos schon in geordnete Bahn, der 3. konstruiert einen kunstvollen kleinen Kosmos aus Harmonie, und der 4.Satz schenkt der glücklichen Schöpfung auch Leben, Bewegung, Richtung, Tempo, Ziel.

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Hesse, „Floßfahrt“: „Es hat keinen Sinn, darüber zu streiten, vielleicht ist tatsächlich die Welt inzwischen vollkommener geworden. Sei dem, wie ihm wolle, wir Ältern sind dennoch der Meinung, wir hätten vor vierzig bis fünfzig Jahren noch etwas eingeatmet, etwas gekostet und miterlebt, was seither vollends aus der vervollkommneten Welt entschwunden ist: den Rest einer Unschuld, den Rest einer Harmlosigkeit und Ländlichkeit, welche damals noch da und dort mitten in Deutschland anzutreffen war, während sie heute auch in Polynesien vergebens gesucht wird. Darum erinnern wir uns gern der Kindheit und genießen froh, dumm und egoistisch das Recht unseres Alters, die vergangenen Zeiten auf Kosten der heutigen zu loben … Schon der Kindheit war es so: man bekam nichts geschenkt, man musste jedes Glück bezahlen.“

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Aus Eichendorff, "Erlebtes":

  "Da steht eine Burg über'm Tale

  Und schaut in den Strom hinein,

  Das ist die fröhliche Saale,

  Das ist der Gibichenstein...

  Und Lieder und Lust und Schmerzen,

  Wie liegen sie nun so weit -

  O Jugend, wie tut im Herzen

  Mir deine Schönheit so leid."

 

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