Die Rettung der Ratte

Sonntag, 12. Mai 2013

VON WOCHE ZU WOCHE: 5.-11.Mai 2013

SONNTAG

Aus der „Grüne“-Fraktion wird bekannt: Ein Antrag will Zigarettenautomaten verbieten, ein anderer Antrag das Haschischrauchen straffrei stellen. Hamlet II,2: „Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode.“

MONTAG

Ein 69-jähriger Stralsunder, Ex-Landtagskandidat der „Grünen“, bedauert in einem Internet-Kommentar zu Philipp Rösler, dass sich die rechtsextremistische Terrororganisation NSU „nicht solche (wie den FDP-Chef) vorgenommen“ habe, „denn das wäre nicht so schlimm.“ Nach Kritik aus den eigenen Reihen tritt er aus der Partei aus. Marie von Ebner-Eschenbach: „Echte Propheten haben manchmal, falsche Propheten haben immer fanatische Anhänger.“  

DIENSTAG

Nach dem ersten Prozesstag gegen NSU-Angehörige fordert ein Abgeordneter der türkischen Volkspartei CHP, das Kreuz im Sitzungsaal müsse sofort verschwinden: „Religiöse Symbole haben in einem Rechtsstaat nichts zu suchen. Das Kreuz ist eine Bedrohung für Nichtchristen.“ Nach kurzer Empörung stellt sich heraus: Kreuze hängen überhaupt nur noch in den Gerichten Bayerns sowie einiger katholischer Gegenden Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens. Auch sonst wird das Hauptsymbol der Christen immer weiter aus dem öffentlichen Raum verdrängt. Luther: „Glaube kann nicht bestehen ohne Kreuz.“  

MITTWOCH

Erst mokieren sich Medien darüber, dass überregionale Tageszeitungen wie FAZ oder WELT bei der Verlosung der Presseplätze im NSU-Prozess leer ausgingen, während die Frauenzeitschrift „Brigitte“ dabei ist. Dann wundern Medien sich über die Namen der Verteidiger: Sturm, Stahl und Heer. Jetzt wird bekannt: Die Reporterin, die für die "Brigitte" berichtet, heißt Lena Kampf. Difficile est…

DONNERSTAG

Die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite erhält den Karlspreis. In einem FAZ-Interview sagt sie zur Krise Europas: „Der Euro verlangt verantwortungsbewusste Politik. Er ist ein Instrument zur Vermeidung von fiskalischem Populismus. Er bedeutet die Gültigkeit strenger Regeln, die es Politikern nicht erlauben, einfach nur zu tun, was ihnen gerade einfällt. Das ist das wichtigste am Euro, und ich hoffe, wir können ihn Anfang 2015 einführen.“ Ex oriente lux.  

FREITAG

„Mit der warmen Jahreszeit beginnt auch die Vermehrungszeit bei Ratten“, meldet das Institut für Hygiene und Umwelt der Hamburger Gesundheitsbehörde und erinnert deshalb an die Rattenverordnung: „Diese verpflichtet den Bürger dazu, Ratten unverzüglich zu melden. Auf privatem Grund muss der Eigentümer unverzüglich für eine Bekämpfung sorgen.“ Jetzt bleibt eine Wanderratte mit dem Bauch in einem Kanaldeckel stecken. Passanten alarmieren die Feuerwehr. Die Retter machen den Nager mit Schmieröl glitschig, ziehen ihn aus dem Gully und bringen ihn unverzüglich ins Tierheim. Zwei Tage später erklärt ein Sprecher: „Wanderratten sind in Hamburg als Schädlinge deklariert. Damit das Tier nicht getötet wird, hat ein Mitarbeiter es  auf einem Acker in Schleswig-Holstein ausgewildert.“ Gracián: „Die eine Hälfte der Welt lacht über die andere, und Narren sind sie beide.“

SAMSTAG

Thomas Wilken, Küchenchef des Hamburger Hotels „Atlantik“, hat „eine kulinarische Wagner-Inszenierung in fünf Gängen“ zum 200sten Geburtstag des Komponisten kreiert: Taube und Wachtel sollen an die Geschwisterliebe in der „Walküre“, Riesengarnelen an den Drachen im „Siegfried“ und schwarz gebratene Rücken vom pommerschen Rind an den Weltenbrand in der „Götterdämmerung“ erinnern. „Walküre“, Sieglinde: „Labung biet ich dem lechzenden Gaumen … Des seimigen Metes süßen Trank mögst du mir nicht verschmähn.“

 

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