Die Sonne tanzte über Fatima

Montag, 13. Mai 2013

Heute feiert die katholische Christenheit das Gedenken an die berühmten Marienerscheinungen in dem portugiesischen Walfahrtsort.

Als die drei Hirtenkinder wie gewöhnlich den Rosenkranz gebetet haben, vertreiben sie sich die Zeit damit, aus Steinen ein kleines Haus zu bauen. Plötzlich sehen sie ein strahlendes Licht. Sie halten es für einen Blitz und wollen davonlaufen, doch ein zweites Licht hält sie auf, und dann erblicken sie Wundersames: über einer kleinen Steineiche erscheint eine Dame, strahlender als die Sonne; in ihren Händen hält sie einen weißen Rosenkranz.

Es ist die Gottesmutter, und sie zeigte den staunenden Kindern das künftige Schicksal der Welt, in drei Visionen, die als die „drei Geheimnisse von Fatima“ christliche und kritische Geister bis heute bewegen.

Ist es wirklich eine Botschaft vom Himmel, oder nur Einbildung, eine gemeinsame Selbsttäuschung aus übersteigerter kindlicher Frömmigkeit?

Jetzt scheint die Antwort klar: Die letzte der Prophezeiungen ist erfüllt, die letzte der drei Zeugen zu ihrem Schöpfer heimgekehrt. Am 13.Februar 2005 stirbt Maria Lucia dos Santos im Alter von 97 Jahren in ihrem Kloster in Coimbra – ihre Arbeit, scheint es, ist getan, ihr Dienst vollendet, ihre heilig-historische Mission erfüllt. Portugals Ministerpräsident Pedro Santana Lopes ordnet Staatstrauer an.

Kaum eine andere Prophezeiung in der langen Geschichte der Kirche hat so viel Glauben und so viele Zweifel geweckt, so viele Spekulationen befördert und so viel Angst ausgelöst wie die Botschaft von Fatima: Der Name des portugiesischen Städtchens, in das heute jedes Jahr sechs Millionen Wallfahrer strömen, wird zum Symbol für das unmittelbare, Furcht und Schrecken erregende Eingreifen Gottes in den Gang der Geschichte.

Kaum ein anderes Wunder auch ist so umfassend dokumentiert: Die vom Vatikan herausgegebene deutsche Fassung schildert die Visionen in rund 750 Worten, der Streit um die Wahrheit füllt weit über hundert Bücher. Und kaum ein anderes Mal erscheint Maria Menschen so oft, so klar erkenn- und so deutlich vernehmbar.

Die Kinder stammten aus dem Weiler Aljustrel: Lucia dos Santos (10), ihr Vetter Francisco Marto (9) und dessen Schwester Jacinta (7). Die erste Erscheinung sehen sie heute vor 96 Jahren, am 13. Mai 1917. Die Älteste spielt dabei unbestritten die wichtigste Rolle, sie hat schon früher Visionen empfangen: Als die Sechsjährige auf Rat ihres Beichtvaters vor einer Marienstatue ihr Herz in die Hände der Gottesmutter empfiehlt, sieht sie, wie das Bildnis lächelt und ihr durch Blicke und eine Geste zu verstehen gibt, daß die Bitte in Erfüllung gehen werde.

Schon 1915 folgen weitere Visionen: Lucia beginnt zusammen mit drei Freundinnen am Berg Cabaco die Schafe ihrer Kleinbauernfamilie zu hüten. Eines Tages beten die Mädchen nach dem Essen zusammen den Rosenkranz, der zwischen anderen Gebeten fünfzig „Ave Maria“ aneinander reiht. Dabei sehen sie über den Bäumen in der Luft schwebend eine helle Gestalt „wie aus Schnee, die die Sonnenstrahlen etwas durchsichtig machte“, mit Beendigung des Gebets verschwindet die Gestalt. Noch zweimal kommt die Erscheinung wieder, doch die Leute glauben den Kindern nicht, sondern beginnen, sie damit aufzuziehen. Deshalb trennt sich die kleine Lucia von ihren Freundinnen, tut sich mit Francisco und Joacinta zusammen und hütet ihre Schafe abseits auf einem anderen Grundstück der Familie.

Dort sehen die drei eines Nachmittags dieselbe weiße Gestalt auf sich zukommen, es scheint ihnen ein Jüngling von 14 oder 15 Jahren zu sein. Er ist sehr schön und strahlt „wie ein Kristall“. Als er herangekommen ist, sagt er: „Habt keine Angst. Ich bin der Engel des Friedens. Betet mit mir!“ Er kniet nieder und lehrte sie ein Gebet. Sie sehen ihn später noch zweimal: erst am Brunnen im Hof der Eltern Lucias, dann am Berg mit einem Kelch und einer Hostie.

Nach dieser Vorgeschichte wundert es wenig, daß auch die erste Marienerscheinung vom 13.Mai 1917 auf Unglauben stößt – zu sehr schien sie einer von Bibellektüre und Gebet angeregten Mädchenphantasie zu entstammen: „Unsere Liebe Frau zeigte uns ein großes Feuermeer, das in der Tiefe der Erde zu sein schien“, schildert Lucia viele Jahre später in einem Bericht für den Bischof von Leira-Fatima. „Eingetaucht in dieses Feuer sahen wir die Teufel und die Seelen, als seien es durchsichtige schwarze oder braune, glühende Kohlen in menschlicher Gestalt. Sie trieben im Feuer dahin, unter Schmerzensgeheul und Verzweiflungsschreie, die einen vor Entsetzen erbeben und erstarren ließen. Die Teufel waren gezeichnet durch eine schreckliche und grauenvolle Gestalt von scheußlichen, unbekannten Tieren.“

Das Schreckensbild dauert nur wenige Sekunden, dann tröstet die Madonna die erschrockenen Kinder: „Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele Selen gerettet, und es wird Frieden sein. Der Krieg wird ein Ende nehmen. Wenn man aber nicht aufhört, Gott zu beleidigen, wird unter dem Pontifikat von Papst Pius XII. ein anderer, schlimmerer beginnen“, sagte sie im zweiten Geheimnis. „Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren und es wird Friede sein. Wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören. Die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird viel zu leiden haben, verschiedene Nationen werden vernichtet werden.“ Und auch im dritten Geheimnis geht es um Glauben, Gebet und Gemetzel. Außerdem sagt die Himmelskönigin: „Jacinta und Francisco werde ich bald holen“ – sie sterben bereits 1919 und 1920.

Insgesamt sechs Mal erscheint die Gottesmutter den Kindern, immer an einem 13., zuletzt im Oktober. Da hat sich das Wunder schon so weit herumgesprochen, dass mehr als 50 000 Menschen zum Cabaco pilgern. Es regnet in Strömen. Vor der Steineiche bittet Lucia das Volk, die Schirme zu schließen und mit ihr den Rosenkranz zu beten. Da erscheint die Madonna auch ihnen, die Sonne kommt heraus, und die staunenden Menschen sahen das Gestirn zehn Minuten lang rotieren, tanzen und springen – für dieses „Sonnenwunder von Fatima“ finden Wissenschaftler bis heute keine Erklärung.

Von nun an kommen immer mehr Menschen. Lucia geht 1921 ins Kloster und nennt sich später „Maria Lucia vom Unbefleckten Herzen“. 1929 schreibt sie ihre Visionen zum ersten Mal nieder, 1930 wird die Wallfahrt kirchlich anerkannt. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erinnert viele Christen an das „zweite Geheimnis“, und als endlich Friede ist, fürchten sie das dritte um so mehr fürchten, denn nach der Jahrhundertkatastrophe scheint als einzige mögliche Steigerung der Weltuntergang durch einen Atomkrieg mit Russland denkbar. Dass der Vatikan dieses dritte Geheimnis sorgfältig hütet, verstärkt die Furcht. Erst Johannes Paul II. löst den Bann, und erst, als auch diese Prophezeiung in Erfüllung gegangen ist: Sie handelte von „einem in Weiß gekleideten Bischof, der ging „durch eine große Stadt, die halb zerstört war, und halb zitternd mit wankendem Schritt, von Schmerz und Sorge gedrückt, betete er für die Seelen der Leichen, denen er auf seinem Weg begegnete“, da „wurde er von einer Gruppe von Soldaten getötet, die mit Feuerwaffen und Pfeilen auf ihn schossen.“

Dieser Papst, das weiß Johannes Paul II. bald, ist er selbst, Opfer des Attentats des Türken Mehmet Agca, der zweimal auf ihn schoss, am 13.Mai 1981, dem Jahrestag der Erscheinung von Fatima. Die erste Kugel, auf den Kopf gezielt, verfehlt den Papst, weil er sich in der entscheidenden Sekunde zu einem kleinen Mädchen herunterbeugte, das ihm ein Heiligenbildchen entgegenstreckte. Die zweite trifft ihn in den Bauch, schlägt aber einen Bogen um die lebenswichtigen Organe: „Als ob eine Macht, eine unsichtbare Hand, sie abgelenkt hätte“, staunt Papst-Chirurg Dr. Cruscitti nach der Not-OP.

Inzwischen ist Russland wieder ein christliches Land und kann nicht mehr „Irrlehren über die Welt verbreiten“ oder gar „Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören.“ Am 13.Mai 2000 gibt Kardinal Angelo Sodano im Vatikan das dritte Geheimnis bekannt, vom Weltuntergang redet kaum einer mehr, und nachdem der Papst Fatima mehrere Male besucht hat, spricht er Francisco und Jacinta Marto im Mai 2000 selig. Lucia sieht er zuletzt im Jahr 2001. Fast blind und taub, schlägt sie ihm vor, die Gehstöcke zu tauschen. Dann ist sie ihm vorangegangen: Sie stirbt am 13.Februar 2005, er sechs Wochen später, am 2.April.

Die bekanntesten Marienerscheinungen

Wie die Hirtenkinder von Fatima empfangen auch andere Gläubige himmlische Visionen. Die bekanntesten:

Die Augustinerin Anna Katharina Emmerick (1774-1824) aus Flamske bei Coesfeld am Niederrhein sieht von den Evangelien nicht überlieferte Einzelheiten der Leiden Christi. Mel Gibson baut ihre Visionen 2004 in seinen erschütternden Jesusfilm ein „Die Passion Christi“ ein.

Zwei Hirtenkinder aus La Salette bei Grenoble, Melanie Nathieu (15) und Maximin Giraud (11), erblicken am 19.September 1846 die Gottesmutter und empfangen Botschaften von ihr. Die Vision wird 1851 kirchlich anerkannt, seither ist das Dorf Wallfahrtsort. Zufall? Schon die ersten Zeugen, die von Jesu Geburt erfuhren, waren Hirten.

Der hl. Giovanni Bosco (1815-1888), ein Pionier der Jugendarbeit, hat schon als Kind Visionen über das Papsttum, die Flucht des Papstes und andere Heimsuchungen. Außerdem erblickt er düstere endzeitliche Zukunftsbilder.

Ab dem 24.Juni 1981 erscheint die Muttergottes sechs Kindern in Medjugorje (Herzegowina). Besonders die kleine Mirjana Dragicevic, die heute in Sarajewo lebt, erhält bis heute immer wieder Botschaften.

Die drei Geheimnisse von Fatima

Am 31. August 1941 zeichnete Schwester Lucia die drei Geheimnisse von Fatima für den Bischof von Leira-Fatima auf. Die folgende Fassung entspricht der offiziellen deutschen Übersetzung des Vatikans.

Das erste Geheimnis von Fatima

Der erste Teil war die Vision der Hölle. Unsere Liebe Frau zeigte uns ein großes Feuermeer, das in der Tiefe der Erde zu sein schien. Eingetaucht in dieses Feuer sahen wir die Teufel und die Seelen, als seien es durchsichtige schwarze oder braune, glühende Kohlen in menschlicher Gestalt. Sie trieben im Feuer dahin, emporgeworfen von den Flammen, die aus ihnen selber zusammen mit Rauchwolken hervorbrachen. Sie fielen nach allen Richtungen, wie Funken bei gewaltigen Bränden, ohne Schwere und Gleichgewicht, unter Schmerzensgeheul und Verzweiflungsschreie, die einen vor Entsetzen erbeben und erstarren ließen. Die Teufel waren gezeichnet durch eine schreckliche und grauenvolle Gestalt von scheußlichen, unbekannten Tieren, aber auch sie waren durchsichtig und schwarz.“

Das zweite Geheimnis von Fatima

„Diese Vision dauerte nur einen Augenblick. Dank sei unserer himmlische Mutter, die uns vorher versprochen hatte, uns in den Himmel zu führen (in der ersten Erscheinung). Wäre das nicht so gewesen, dann glaube ich, wären wir vor Schrecken und Entsetzen gestorben. Wir erhoben den Blick zu Unserer Lieben Frau, die voll Güte und Traurigkeit sprach: ‚Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder kommen. Um sie zu retten, will Gott in der Welt die Andacht zu meinem Unbefleckten Herzen begründen. Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet werden, und es wird Friede sein. Der Krieg wird ein Ende nehmen. Wenn man aber nicht aufhört, Gott zu beleidigen, wird unter dem Pontifikat von Papst Pius XII. ein anderer, schlimmerer beginnen. Wenn ihr eine Nacht von einem unbekannten Licht erhellt seht, dann wißt, daß dies das große Zeichen ist, das Gott euch gibt, daß Er die Welt für ihre Missetaten durch Krieg, Hungersnot, Verfolgungen der Kirche und des Heiligen Vaters bestrafen wird. Um das zu verhüten, werde ich kommen, um die Weihe Rußlands an mein unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen des Monats zu verlangen. Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Rußland sich bekehren und es wird Friede sein. Wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören. Die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird viel zu leiden haben, verschiedene Nationen werden vernichtet werden, am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Heilige Vater wird mir Rußland weihen, das sich bekehren wird, und der Welt wird eine Zeit des Friedens geschenkt werden.’"

Das dritte Geheimnis von Fatima

„Der dritte Teil des Geheimnisses, das am 13. Juli 1917 in der Cova da Iria, Fatima, offenbart wurde. Ich schreibe aus Gehorsam gegenüber Euch, meinem Gott, der es mir aufträgt, durch seine Exzellenz, den Hochwürdigsten Herrn Bischof von Leiria, und durch Eure und meine allerheiligste Mutter. Nach den zwei Teilen, die ich schon dargestellt habe, haben wir links von Unserer Lieben Frau etwas oberhalb einen Engel gesehen, der ein Feuerschwert in der linken Hand hielt; es sprühte Funken, und Flammen gingen von ihm aus, als sollten sie die Welt anzünden; doch die Flammen verlöschten, als sie mit dem Glanz in Berührung kamen, den Unsere Liebe Frau von ihrer rechten Hand auf ihn ausströmte: den Engel, der mit der rechten Hand auf die Erde zeigte und mit lauter Stimme rief: Buße, Buße, Buße! Und wir sahen in einem ungeheuren Licht, das Gott ist, etwas, das aussieht wie Personen in einem Spiegel, wenn sie davor vorübergehen, einen in Weiß gekleideten Bischof, wir hatten die Ahnung, daß es der Heilige Vater war, verschiedene andere Bischöfe, Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen, die einen steilen Berg hinaufstiegen, auf dessen Gipfel sich ein großes Kreuz befand, aus rohen Stämmen, wie aus Korkeiche mit Rinde. Bevor er dort ankam, ging der Heilige Vater durch eine große Stadt, die halb zerstört war, und halb zitternd mit wankendem Schritt, von Schmerz und Sorge gedrückt, betete er für die Seelen der Leichen, denen er auf seinem Weg begegnete. Am Berg angekommen, kniete er zu Füßen des großen Kreuzes nieder. Da wurde er von einer Gruppe von Soldaten getötet, die mit Feuerwaffen und Pfeilen auf ihn schossen. Genauso starben nach und nach die Bischöfe, Priester, Ordensleute und verschiedene weltliche Personen, Männer und Frauen unterschiedlicher Klassen und Positionen. Unter den beiden Armen des Kreuzes waren zwei Engel, ein jeder hatte eine Gießkanne aus Kristall in der Hand. Darin sammelten sie das Blut der Märtyrer auf und tränkten damit die Seelen, die sich Gott näherten.“

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