Nepomuk: Das Beichtgeheimnis der Königin

Donnerstag, 16. Mai 2013

Das Wort zum Freitag

„Als der heilige Märtyrer in den Wogen des Flusses Moldau versenkt worden war, siehe da erhob sich sein Leichnam auf die Oberfläche des Wassers und war von hellleuchtenden Sternen umgeben“, schildert die Legende. „Stille schwamm er dahin. Vo dem Glanze angezogen, der die Nacht erhellte, strömte eine Menge Volkes herbei und sah verwundert den schwimmenden Leib ihres Priesters. Auch die Gattin des Königs hatte den Lichtschein von ihrem Zimmer aus bemerkt und fragte ihren Gemahl, was das zu bedeuten habe. Wenzel aber, von Entsetzen ergriffen, antwortete nicht und floh, von Gewissensbissen getrieben, heimlich aufs Land. Indessen, da es nun Tag geworden war, strömte die ganze Stadt zusammen, um den Leib des heiligen Priesters zu sehen, den man ans Ufer gebettet hatte…“

Den Märtyrer kennt heute die ganze Welt: Fast jede Brücke in Tschechien trägt eine Statue des hl. Johannes Nepomuk (ca.1350-1393), dessen Gedenktag die katholische Christenheit heute feiert. Der Sohn eines Amtmannes aus dem böhmischen Pomuk wird 1370 Kleriker und 1380 Priester im Prager Veitsdom, studiert Rechtswissenschaften in Prag und Padua und erhält 1367 den Doktortitel. Seit 1389 Vikar des Erzbischofs Johannes von Jenzenstein, gerät er in Streitigkeiten der Kirche mit dem König, dessen Leute ihn am 20.März 1393 gefangen nehmen, grausam foltern und von der Karlsbrücke in die Moldau stürzen.

40 Jahre später taucht in Chroniken der Zeit die Legende auf, der sittenlose König Wenzel habe der ehelichen Treue seiner Gemahlin, der Königin Johanna, misstraut, weil sie so oft zur Beichte ging, und Johannes Nepomuk zwingen wollen, das Beichtgeheimnis zu brechen. In Wirklichkeit hatte sich der Priester aber lediglich der gewaltsamen Einmischung des Herrschers in kirchliche Angelegenheiten widersetzt.

Um einen Kult um sein Opfer zu verhindern, lässt Wenzel den Leichnam an einem „abgesonderten Ort“ bestatten, doch das Volk entdeckt das Grab bald, weil ein „wunderbarer Duft“ von ihr aufsteigt. In ihrem „Großen Buch der Heiligen“ zitieren Erna und Hans Melchers aus der Legende: „Da mittlerweile die Grabstätte, in der der Heilige in der Domkirche ruhen sollte, hergerichtet war, wurde sein Leib erhoben und in feierlicher Prozession dahin gebracht. Während des Zuges erhielten mehrere Kranke plötzlich ihre Gesundheit wieder und auch in der Folge verherrlichte Gott seinen Diener bis auf den heutigen Tag durch zahlreiche Wunder.“

Das Grab übersteht auch die Wirren der Hussitenzeit. 1719 öffnen es Geistliche und finden die Zunge unverwest. 1721 wird Nepomuk heiliggesprochen. Heute birgt ein silberner Reliquienschrein im Prager Dom die sterblichen Überreste.       

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Vor Gott sind wir alle gleich jung und gleich alt.

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Eduard Meyer, „Urgeschichte des Christentums“, über die Entwicklung des Auferstehungsglaubens in der Seleukidenzeit: „Durch die Nöte des Religionskampfes und der Verfolgung ist die Umbildung der Vorstellung vom Weltgericht und damit die Individualisierung der Religion ganz wesentlich gefördert worden. Sie führt zu dem Glauben an ein bewußtes Fortleben nach dem Tode und einer Wiederbelebung oder Auferstehung der Frommen.“ Über die Auslegung heiliger Schriften: „Jede Religion, die einen im Lauf ihrer Entwicklung erreichten Zustand als abschließend für alle Zukunft festzuhalten sucht und glaubt, daß die ewigen Wahrheiten, die sie verkündet, in unmittelbar von der Gottheit stammenden oder inspirierten und daher in allen Einzelheiten untrüglichen Schriften unabänderlich niedergelegt seien, ist gezwungen, zu künstlichen Deutungen dieser Schriften zu greifen.“ Über die Sehnsucht nach einer besseren Welt: „Je unbefriedigender die Gegenwart ist, desto mehr tritt in allen Religionen unter dem Druck des Elends, das auf der Welt liegt, die Frage der Erlösung, der Herstellung einer besseren, seligen Ordnung in den Vordergrund.“ Über Jesus: „Denn darin bestehen ja die Höhepunkte des geschichtlichen Lebens, auf dem geistigen so gut wie auf dem politischen Gebiet, daß auf ihnen die großen Aufgaben sich zusammenfassen in überragenden Persönlichkeiten und durch sie die Gestalt erhalten, welche den gesamten weiteren Verkauf maßgeblich bestimmt, so daß in ihnen das Individuelle und das Allgemeine zur untrennbaren Einheit verschmilzt. Auf dem Zusammenströmen der Entwicklungsreihen, die an Sokrates und Jesus anknüpfen, teil gegensätzlich, teils sich verbindend, beruht im letzten Grunde die gesamte weitere Entwicklung des geistigen Lebens der abendländischen Menschheit.“

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Beethovens Siebte, Karl Böhm: Vom ersten Takt an steigert sich eine mitreißende seelische Dramatik. Geist und Herz auf Sturmes Flügeln. Aus zögernden Rinnsalen zwischen Wollen und Warten formen die Melodien einen mutigen Strom. Der 2.Satz prüft im Urgrund des Seins: wie alt, wie fest, wie fruchtbar noch? Kraftvolle Harmonien vertreiben das Dunkel schwerer Gedanken. Der 3.Satz befreit ganz von irdischer Schwere, ein schwungvoller Tanz der Elemente weckt selbst die unbelebte Materie. Der 4.Satz führt den Flug der Gedanken an seinen Ursprung zurück; sie funkeln im göttlichen Lichts, das nun die Erde erhellt; ungeheurer Eindruck auf das Gemüt. Aus einem Konzertführer: "Gerade weil die Siebte keine charakterisierende Überschrift trägt, wurde sie zu einem Tummelplatz allegorischer Versuche, bei denen zwischen antikem Rebenfest, maurisch-spanischer Hochzeitsfeier, Marsch gegen Frankreich und Szenen aus Goethes Wilhelm Meister eine bemerkenswerte Spannweite an Bildern aufgezogen wurde."

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Romano Guardini: „Seitdem Christus den Weg des Kreuzes hat gehen müssen, sind Christentum und Kreuz nicht voneinander zu lösen, steht das Kreuz auf dem Weg eines jeden, der Christus sein will. Kreuz heißt: Selbsthingabe und Selbstüberwindung … Christusnachfolge ist die tägliche Entscheidung: 'Nichts ist mir in der Weise der Sicherheit gegeben; alles nur in der Weise des Anfangens, des Unterwegsseins, des Werdens, des Vertrauens, der Hoffnung und der Bitte.'

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Aus einem Hymnus Paul Gerhardts:

  „Dem Herren mußt du trauen,

  wenn dir's soll wohlergehn;

  auf sein Werk mußt zu schauen,

  wenn dein Werk soll bestehn.

  Mit Sorgen und Grämen

  und mit selbsteigner Pein

  läßt Gott sich gar nichts nehmen,

  es muß erbeten sein.“

 

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