Pfingsten, Fest des Aufbruchs

Samstag, 18. Mai 2013

Wie der Heilige Geist die Apostel auf den schweren Weg der Weltmission schickte

„Wir gelten als Betrüger und sind doch wahrhaftig“, schreibt Paulus in seinem zweiten Brief an die Korinther, „wir sind wie Sterbende, und siehe: wir leben; wir werden gezüchtigt und doch nicht getötet; uns wird Leid zugefügt und doch sind wir jederzeit fröhlich; wir sind arm und machen doch viele reich.“

Zu Pfingsten wird die dramatische Lebensbeschreibung des Völkerapostels stets besonders aktuell.

Denn das Fest des Heiligen Geistes, dritthöchstes der Christenheit, feiert die Erinnerung an den mutigen Aufbruch der jungen Kirche: Fort aus der Verzweiflung über den Tod ihres Gründers am Kreuz, hin zur Verbreitung des Evangeliums, der frohen Botschaft, auf der ganzen Welt.

Damals, als Gottes Geist in Gestalt feuriger Zungen auf die Zwölf herabfährt, erklärt Petrus dem staunenden Volk Jerusalems als erster öffentlich, dass Jesus der Messias, der Erlöser war. „Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen“, berichtet die biblische Apostelgeschichte. „An diesem Tag wurden (ihrer Gemeinschaft) etwa dreitausend Menschen hinzugefügt.“

Es ist ein langer Weg von der kleinen Urgemeinde zur Weltkirche mit heute 2,2 Milliarden Gläubigen, und die Apostel gehen die ersten, schwierigsten Schritte. Als „Menschen aus ganz verschiedenen geistigen und sozialen Herkünften“ schildert sie Benedikt XVI. in seinem „Jesus von Nazareth“; sie sind „zuallererst Evangelisten – wie Jesus verkündigen sie das Reich Gottes und sammeln die Menschen damit zu der neuen Familie.“

Noch modernen Begriffen sind die Apostel Jesu erste und beste PR-Botschafter: Als Missionare wagen sie ans Ende der damals bekannten Welt, bis nach Indien und Äthiopien. Als Märtyrer sind sie authentisch bis zum Tod, stehen für ihre Überzeugung mit dem Leben ein. Und als Heilige dienen sie dem Glauben bis heute: In vielen deutschen Kirchen und Klöstern erinnern Reliquien und andere Heiligtümer an Jesu überzeugendste Gesandte.

Petrus

Petrus ist der wichtigste Apostel. Sein entscheidendes Bekenntnis lautet: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Jesus antwortet darauf: „Du bist Petrus, du auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Dann erklärt er den Jüngern seine und ihre Rolle. Der erste Papst stirbt unter Kaiser Nero 64/67 n.Chr. am Kreuz, sein Grab liegt unter dem Hauptaltar des Peterdoms. Im Limburger Dom wird ein Teil seines Hirtenstabs gezeigt, der Trierer Dom hütet einen Zahn und zwei Glieder seiner Kette. Zwei seiner Briefe sind ins Neue Testament aufgenommen. Benedikt sagt über den Heiligen, „nur die Verflechtung von Petrusbekenntnis und Jüngerbelehrung durch Jesus“ gebe uns „das Ganze und Wesentliche des christlichen Glaubens.“

Andreas

Er ist der ältere Bruder des Petrus und der erste Apostel. Seine zweifelnde Frage angesichts eines kleinen Jungen mit einem Esskorb („Herr, was ist das für so viele?“) veranlasst Jesus zur wundersamen Brotvermehrung. Später missioniert Andreas in Südrussland und Griechenland. 60 n.Chr. stirbt er in Patras an einem schrägen Kreuz. Reliquien finden sich vor allem im Osten, doch die Kirche St. Andreas in Köln besitzt eine Armreliquie, und der Trierer Dom bewahrt die Sandalen des Heiligen auf. Von Andreas, so Benedikt, „können wir schließen, dass wir keine Angs haben müssen, Jesus Fragen zu stellen, aber bereit sein müssen, die Lehren, die er uns erteilt, anzunehmen, auch die überraschenden und schwierigen.“

Jakobus d.Ä.

Jesus nennt ihn und seinen jüngerer Bruder Johannes wegen ihres aufbrausenden Temperaments „Donnersöhne“; mit Petrus gehören sie zu den drei besonders bevorzugten Jüngern. Ostern 44 erleidet er in Jerusalem unter dem Schwert als erster Apostel den Märtyrertod. Sein Grab wird in Santiago de Compostela verehrt, seit dem Mittelalter einer der berühmtesten Wallfahrtsorte der Welt. In der Schwarzwaldstadt Wolfach gibt es einen Jakobus-Stein und ein Gnadenbild aus dem 14.Jahrhundert. Benedikt zitiert die Botschaft des Heiligen so: „Keiner soll sagen: Ich werde von Gott in Versuchung geführt. Denn Gott kann nicht in Versuchung kommen, Böses zu tun, und er führt auch niemanden in Versuchung.“

Johannes

Der jüngere Bruder des Jakobus ist Jesu Lieblingsjünger und wagt sich als einziger mit Maria und den anderen Frauen unter das Kreuz. Er schreibt das letzte der vier Evangelien und mit der Apokalypse auch das letzte Buch der Bibel. Er stirbt um 100/101 als Bischof in Ephesus und ist im Mausoleum der Johannisbasilika auf dem Burghügel beigesetzt. Im bayerischen Kloster Andechs wird ein Gürtel des Apostels verehrt. Sein wichtigstes Wort spricht Johannes gemeinsam mit Petrus in ihrem Prozess vor dem Hohen Rat: „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen haben.“ Benedikt sieht darin „eine Mahnung an uns alle, den Glauben über jede Berechnung und jedes menschliche Interesse zu stellen.“

Philippus

Wie sein Freund Andreas trägt er einen griechischen Namen und folgt zuerst Johannes dem Täufer. Beim letzten Abendmahl bittet er Jesus: „Zeige uns den Vater, und es genügt uns“, wird aber milde zurechtgewiesen: „Wer mich gesehen hat, der hat auch den Vater gesehen.“ Das überzeugt den Apostel. Später predigt Philippus in der südrussischen Steppe und in Phrygien. 90 n.Chr. wird er im heute türkischen Pamukkale für seine Glaubenstreue als Kreuz geschlagen. Reliquien des Apostels liegen in Andechs, Köln und der Kirche „Zwölf Apostel“ in Rom. Benedikt XVI. schreibt über ihn: „Unser Ziel soll sein, Jesus so zu begegnen, wie ihm Philippus begegnet ist, indem wir versuchen, in ihm Gott selbst, den himmlischen Vater, zu sehen.“

Bartholomäus

Bartholomäus ist wohl mit Nathanael aus Kana identisch, wo Jesus sein erstes Wunder vollbringt, als er auf einer Hochzeit Wasser in Wein verwandelt. Als Philippus sagt, der Mann aus Nazareth sei der Messias, fragt der Ungläubige: „Aus Nazareth? Kann von dort etwas Gutes kommen?“ Nach der Tradition lehrt der Apostel in Indien, Mesopotamien, Ägypten und Armenien, wo er zu Tode geschunden wird. Seine Reliquien liegen in der Bartholomäuskirche auf der Tiberinsel in Rom, seine Hirnschale wird im Frankfurter Dom aufbewahrt. Benedikt über die anfänglich so ablehnende Haltung des Heiligen: „Sie macht uns die Freiheit Gottes deutlich, der uns überrascht und dort zu finden ist, wo wir ihn nicht erwarten würden.“

Thomas

Vor Jesu Aufbruch Richtung Jerusalem zeigt der Apostel Todesbereitschaft: „Lasst auch uns hingehen und mit ihm sterben.“ Bekannt aber wird Thomas für seine Skepsis nach der Erscheinung des Auferstandenen: „Wenn ich meinen Finger nicht die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“ Später bereut er seinen Unglauben. Er missioniert in Indien und wird im heutigen Madras erschlagen. Seine Reliquien liegen im mittelitalienischen Ortona, Maastricht besitzt ein Armreliquiar. Benedikt XVI.: „Thomas ist wichtig, weil er uns in unseren Ungewissheiten tröstet, weil er uns zeigt, dass jeder Zweifel über alle Ungewissheiten hinaus zum Licht führen kann, und weil die an ihn gerichteten Worte Jesu uns ermutigen, auf unserem Weg der Treue weiterzugehen.“

Matthäus

Er war Steuereinnehmer. Seine Gleichsetzung mit dem Zöllner Levi und dem Evangelisten Matthäus ist wohlbegründet, aber nicht unumstritten. Nach der Überlieferung missioniert er in Afrika. Als er eine schöne äthiopische Königstochter bekehrt und sie daraufhin ins Kloster geht, lässt der erboste König den Apostel auf einem Altar mit dem Schwert töten. Seine Reliquien machen Salerno am Golf von Neapel zum Wallfahrtsort, andere finden sich in Rom und Benevent. Sein Evangelium erzählt von den Versuchungen, denen auch Jesus ausgesetzt war. Benedikt: „Der Kern aller Versuchung, das wird hier sichtbar, ist das Beiseiteschieben Gottes, der als zweitrangig, wenn nicht überflüssig und störend empfunden wird.“  

Jakobus der Jüngere

Nach der Tradition ist er ein Bruder Jesu und Verfasser des biblischen Jakobusbriefes. Mit Petrus spricht er sich dafür aus, auch solche Gläubige zu taufen, die sich nicht nach jüdischem Ritus beschneiden lassen wollen. Er wird erster Bischof von Jerusalem und Ostern 62 durch Schergen des Hohepriesters Anan vom Tempel in den Tod gestürzt. Reliquien finden sich in der römischen Kirche der Zwölf Apostel und an vielen anderen Orten, z.B. in Antwerpen. Sein Brief verlangt Beständigkeit in göttlichen Prüfungen und fordert dazu auf, den eigenen Besitz mit den Armen zu teilen. Das zeigt, so der frühere Papst, „ein sehr konkretes und praxisbezogenes Christentum: Der Glaube muss vor allem in der Liebe zum Nächsten verwirklicht werden.“

Judas Thaddäus

Beim Abendmahl fragt er Jesus: „Herr, wie kommt es, dass du dich uns offenbaren willst und nicht der Welt?“ Jesus antwortet: „Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten.“ Der biblische Judasbrief warnt Christen vor Irrlehren. Der Apostel missioniert in Mesopotamien, Phönizien und mit seinem Bruder Simon Zelotes in Persien. In Kolchis am Schwarzen Meer wird er von Mithraspriestern mit Keulen erschlagen. Reliquien gibt es in der Wallfahrtskirche St. Judas Thaddäus in Heisterbacherrott bei Königswinter. Die Botschaft des Apostels besteht darin, so Benedikt, dass wir „inmitten aller Strömungen des modernen Lebens“, auch im Dialog mit anderen Religionen, „die Identität unseres Glaubens bewahren müssen.“

Simon Zelotes

Die Zeloten („Eiferer“) kämpfen gegen die Römerherrschaft. Simon predigt mit seinem Bruder Judas Thaddäus in Persien und wird in Kolchis von konkurrierenden Mithraspriestern mit einer Säge zerschnitten. Reliquien kamen auch nach Köln und ins Benediktinerkloster Bad Hersfeld. Durch seinen unbedingten Einsatz für die jüdische Identität steht er, so Benedikt XVI., „in diametralen Gegensatz zu Matthäus, der als Zöllner einer Tätigkeit nachgegangen war, die als ganz und gar unrein angesehen wurde“ – für Benedikt „ein offenkundiges Zeichen dafür, dass Jesus seine Jünger aus den unterschiedlichsten sozialen und religiösen Schichten beruft, ohne jemanden von vorneherein auszuschließen.“

Matthias

Er kommt für den Verräter Judas durch das Los in den Kreis der Zwölf. Nach der Überlieferung predigt er in Äthiopien, wird dort um 63 gesteinigt und halbtot mit dem Schwert erschlagen. Die Kaiserin Helena, Mutter des ersten christlichen Kaisers Konstantin des Großen, lässt die Gebeine im 4.Jahrhundert aus Palästina nach Trier überführen. Dort ruhen sie in der Abtei St. Matthias im einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen, bis heute ein vielbesuchter Wallfahrtsort. Matthias gilt als Apostel der Deutschen. Sein Leben lehrt, so Benedikt XVI.: „Auch wenn es in der Kirche nicht an unwürdigen und verräterischen Christen mangelt, ist es Sache eines jeden von uns, das von ihnen begangene Böse mit unserem klaren Zeugnis für Christus auszugleichen.“

Paulus

Der „Völkerapostel“ wird erst durch eine Erscheinung des Gottessohns „vom Saulus zum Paulus“. Seine biblischen Briefe stärken und prägen die jungen Gemeinden, seine Missionsreisen zu Nichtjuden sind mitentscheidend für den Sieg der christlichen Kirche. 64/67 wird er bei der Christenverfolgung Kaiser Neros in Rom enthauptet. Sein Grab liegt unter dem Petersdom, ein Brustreliquiar mit Knochen des Heiligen wird bis zur Reformation in Wittenberg gehütet. Benedikt sagt über ihn und seinen Glauben: „Er hatte vom ersten Augenblick an verstanden, dass dies eine Wirklichkeit ist, die nicht nur die Juden betraf, sondern dass sie universale Bedeutung hatte und alle betraf, weil Gott der Gott aller ist.“

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