Die Kämpfe der mythischen Vorzeit

Freitag, 24. Mai 2013

Aischylos, "Die Perser". Am tiefsten beeindrucken

der Chor:

  "Ach, am Abend unsrer Tage

  Ist uns Alten aufgebürdet

  Unerhörter Wahrheit Last."

Der Bote:

  "Du glaubst, wir hätten in der Schlacht versagt?

  Ein Gott hat sichtlich unser Heer vertilgt,

  Der Waage Gleichmaß ungerecht gestört,

  Und Götter stellen sich vor Pallas' Stadt." -

Dareios:

  "Ist es nicht das Los der Menschen,

  Daß das Leid ihn überfällt?

  Aus dem Meere, aus dem Lande

  Steigen viele Übel auf;

  Viel erfährt, wem langes Leben

  Viele lange Jahre füllt." -

  "Des Unheils Ähre sproßt am Hochmutshalm

  Und reift der tränenschweren Ernte zu." -

  "Lebt wohl, ihr Alten! Auch in schlimmer Zeit

  Gönnt euren Herzen jeden Tages Lust;

  Dem Toten helfen keine Güter mehr."

Aus dem Nachwort: "Nach Art alter Volksrätsel wird vom Honig als Tau der Blütenfreundin, von den Fischen als Siedlern des Reinen, von den Schiffen als männertragenden Maschinen gesprochen. Dann wird Festes lebendig gemacht: die Schiffsbrücke fällt als Joch auf den Nacken des Meers, der Boden stöhnt unter den Schlägern der Beschwörer." - "Von den volksrätselhaften Vergleichen bis zum Aufsteigen des toten Dareios erhebt sich eine Pyramide konkreten bildhaften Denkens, das auch der erzählenden Sprache dichte Fülle, farbige Kraft, Wucht und Tiefgang verleiht." - "Mehr als ein anderer hat dieser tiefe Gottesforscher und große Gotteskünder dazu beigetragen, daß das Ereignis der Perserkriege im Laufe der folgenden Jahrzehnte als einzigartige Göttertat geschaut wurde und unter die Kämpfe der mythischen Vorzeit einging." – Unsere heutige Kriegsliteratur kann das trotz Remarque, Plivier oder Ernst Jünger nicht leisten.

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Der Zeitgeist geht wie das Wasser immer den Weg des geringsten Widerstandes und breitet sich deshalb auch überall aus, ist allerdings längst nicht so fruchtbar.

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Haydns Symphonie Nr.64 "Tempora mutantur" ist das musikalische Zwiegespräch eines Weisen mit der Zeit. Beide kennen einander gut, und sie respektieren einander. Das Largo vermählt den Impuls mit dem Zustand, die Bewegung mit der Ordnung, den Fluss mit dem Raum.

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Gracián: "Die Verachtung ist ferner auch die klügste Rache: es ist feste Maxime der Weisen, sich nicht mit der Feder zu verteidigen; denn solche Verteidigung läßt eine Spur nach und schlägt mehr in Verherrlichung der Widersacher als in Züchtigung ihrer Verwegenheit aus. Es ist ein Kniff der Unwürdigen, als Gegner großer Männer aufzutreten, um auf indirektem Wege zu der Berühmheit zu gelangen, welcher sie auf dem direktem, durch Verdienst, nie teilhaft geworden wären; und von vielen würden wir nie Kunde erhalten haben, hätten ihre ausgezeichneten Gegner sich nicht um sie gekümmert."

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Aus der "Vagantenbeichte" in Carl Orffs „Carmina Burana“

  Jeglichem hat die natur

  zugeteilt die gaben:

  nüchtern schreiben, dazu war

  ich noch nie zu haben.

  nüchtern steh' ich weit zurück

  hinter jedem knaben.

  dursten! fasten! - eher noch

  lass' ich mich begraben.

 

  Ja, ich will, dem laster gram,

  mich zur zucht bekehren;

  neu am geiste mag der geist

  wieder mich gebären.

  wie ein wickelkindlein soll

  fromme milch mich nähren,

  niemals wieder meinen sinn

  eitelkeit beschweren.

 

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