Dostojewski über die wirkliche Freiheit

Montag, 27. Mai 2013

Sophokles, "König Oidipus". Besonders beeindrucken

Teiresias: "Der Mund der Wahrheit lebt in Sicherheit."

Kreon: "Du kennst das Recht, so gönne mir das Wort

  Der Gegenrede! Dann entscheide frei!"

Oidipus: "Du weißt zu reden, doch ich höre schlecht

  Auf Worte meines allerschlimmsten Feinds."

Kreon: "Die Zeit allein beweist den treuen Sinn;

  Den schlechten offenbart ein kurzer Tag."

Iokaste: "O halte dich von Sehersprüchen fern

  Und laß dir sagen, daß kein Sterblicher

  Der Zeichendeutung jemals mächtig war."

Der Chor: "Übermut pflanzt Gewalt,

  Wenn törichter Hochmut

  Sich maßlos berauscht an

  Schamlosen, sinnlosen Taten,

  Verwegnen Gipfel erklimmt,

  Stürzt er jählings herab,

  Hinab ins Verhängnis,

  Wo niemals

  Frei sein Fuß sich bewegt." -

  "Wer in Wort oder Werk

  Vermessene Pfade beschreitet,

  Hohe Dike nicht fürchtet,

  Die Sitze der Götter nicht scheut

  In unseliger Lust,

  Den treffe ein grausames Los!

  Er jagt nach Gewinn,

  Häuft Greuel auf Greuel,

  Rührt an geheiligtes Ding

  In törichtem Wahn." -

Iokaste: "Wozu die Furcht? Uns treibt das Ungefähr

  Und in die Zukunft dringt kein sichrer Blick.

  Wir müssen nehmen, was der Tag beschert." –

Oidipus: "Es reift, was reifen will."

Der Chor: "Menschengeschlechter,

  Ihr wandelt im Licht

  Und seid doch

  Ein Nichts!"

Aus dem Nachwort: "Dem Chor bleibt im letzten Standlied nur der Wehschrei über den unseligsten aller Könige, aller Menschen, der Klageruf über das Los der Sterblichen, die nur im Wahn, im Schein dahinleben und versinken." - "Oidipus, reich im Tun und Leiden, jeder Zoll ein König, bei aller Ohnmacht der entschlossenste Täter, die bewegende Kraft aller Szenen und Lieder, wird ja nicht von irgendeiner Verfehlung, etwa seinem Jähzorn, dem Verderben entgegengeführt, sondern gerade von seinen königlichen Eigenschaften, von dem hohen Adel seiner männlichen Seele." - "...ebenso gewiß ist, daß die ewige Ordnung des Himmels wieder in ihre Fugen zurückgekehrt ist; daß ihre göttliche Stimme, das Sehertum, die Wahrheit gesprochen hat; daß ein lange abgespaltenes Menschenschicksal wieder mit dem Götterwillen zusammenklingt." - "Ungeheure, übergriechische Ahnungen vom Einssein des Lebens und des Todes münden in diesen 'armen Fremdling in Griechenland', aus dessen Inneren die Sonne die Sommerflecken aufs Antlitz zog, der nach Leiden rief wie ein Armer nach Gütern, der die Unsterblichkeit der Göttlichen im Leide erreichte, der sich die Augen durchstieß und ein Auge hinzugewann."

*

Naivität kann Kunst sein, Biederkeit höchstens Handwerk.

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Haydns "Orfeo ed Euridice" in der Aufzeichnung einer Aufführung im Theater an der Wien zu den Wiener Festwochen 1995. Die Tragödie bewegt immer wieder, die Inszenierung fesselt, Kostüme und Kulissen faszinieren, die Musik verzaubert. Am schönsten:

Im ersten Akt Euridices Klage und Flucht vor der Hochzeit mit dem ungeliebten Mann. Der gespenstische Reigen der opferhungrigen Ungeheuer. Der Kampf der Harfe gegen die Wilden. Das herrlich romantische Liebesduett Euridice und Orfeos: ein Lied als zarteste Entsprechung zärtlichster Gefühle. Im zweiten Akt das vom Chor der Amouretten besungene Liebesidyll. Der dramatische Auftritt des Kriegers und Euridices tragischer Tritt auf die giftige Schlange. Anrührend Orfeos verzweifelte Klage um die tote "amata sposa". Im dritten Akt die Trauer um die Tote. Der reizende Auftritt des Genius, einer Muse der Tat. Im vierten Akt der Klagechor der unglücklichen Schatten, der Chor der Furien und Orfeos Versagen. Starke, einprägsame Bilder der Unterwelt. Im fünften Akt schließlich die Verführungsversuche der sirenengleichen Bachantinnen und Orfeos Tod: Nur wahre Liebe widersteht aller Versuchung.

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Dostojewski: "In der heutigen Welt hält man Zügellosigkeit für Freiheit, während die wirkliche Freiheit doch nur in der Überwindung seiner selbst und seines Willens liegt."

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Aus Uhland, „Der König auf dem Turm“:

  „Mein Haar ist ergraut, mein Auge getrübt,

  Die Siegeswaffen hängen im Saal,

  Habe Recht gesprochen und Recht geübt;

  Wann darf ich rasten einmal?“

 

 

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