Von Götterangst und Gespensterfurcht

Montag, 27. Mai 2013

Das Wort vom Sonntag

Oswald Spengler, „Frühzeit der Geschichte“: „Sitte ist das Natürliche in Form gebracht, Moral das Widernatürliche in gesetzliche Forderung gebracht. Moral ist eine Technik; Sitte ist Haltung.“ - „Es ist falsch, wenn man sagt, Glaube sei Wissen des Unbewiesenen. Im Gegenteil: Glaube ist Bewiesenes.“ - „Religiös ist Blut, Rasse, Instinkt, seinem tiefsten Wesen nach von organischer Logik, gegen Kausalität gesetzt, Ratio, Kritik für Schicksal, Geheimnis – Schauen und Ahnen. Aber – das Religiöse ist etwas ganz anderes als dogmatische (und kultische) Religion, Konfession, Kirche. Das ist alles intellektualisiert, Gott als das Ewige, als Geist, Wahrheit, kritisch isoliert von der Natur. Religiosität und Dogma sind Widersprüche. Deshalb sind die großen Theologen und Kirchenführer wie Thomas sehr wenig religiös, trockene Verstandesmenschen.“ - „Was Nietzsche, Ibsen etc. mit Verderbnis durch das Christentum meinen – sie träumen von südlicher Freiheit, aber das Christentum ist südlich – ist die Knechtung des Lebens, der Lebensformen, der Sitte durch geistige Satzungen. Die Sitte hat man oder man hat sie nicht. Der Satzung gehorcht man, oder man wird bestraft, durch Haß, Knechtung, Meidung, Tabu. Es ist weder der faustische Mensch allein noch das 'Christentum' (welches?) allein; es handelt sich 1. um den Geist, der den Instinkt verkümmert: c gegen b; 2. um den Norden, der den Geist, die Sprache im stärkeren Kampf des Lebens stärker ausbildet; 3. um die Stadt, die das Land tötet. Alles das kumuliert in der nördlichsten aller Kulturen. Wäre das Christentum nicht gekommen, so hätte die nordische Religion andre tyrannische Formen entwickelt. Im Grunde ist ja das Luthertum rein nordisch gegen den südlichen Katholizismus.“ - „Alle Götterangst, Dogmen und Theologie gehen von der Gespensterfurcht und der Gespenstergeschichte aus.“ - „Der Minderwertige zittert vor seinem Gott, der Hochwertige ist sein Freund.“ - „Fromm sein ist nicht gelehrt sein. Die Kirche lehrt, das Volk fühlt.“ - „Nicht nur, daß 'Monotheismus' für sehr natürliche Menschen unvorstellbar ist – er ist es sogar für die erdrückende Mehrzahl der Kulturmenschen, die Bauern, das einfache Volk, sei es buddhistisch oder katholisch oder islamisch erzogen. Ihre wirkliche Religion, wie sie sich in den Köpfen malt, erkennt einen sehr verschwommenen Komplex veränderlicher Formen an, in dem einzelne Heilige und Götter – Maria, Joseph, Reliquien – eine wesentliche Rolle spielen und 'Gott' ganz zurücktritt. Die primitiven Religionen umfassen in Wirklichkeit die Mehrzahl der Menschen, welche öffentlich, durch Geburt und Erziehung den höheren Religionen angehören.“

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Manche legen auf der Suche nach Gott viele tausend Kilometer zurück, bevor sie merken: Er war die ganze Zeit dabei.

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Mozart, Klavierkonzert Nr.20 d-Moll KV 466. Im 1.Satz Allegro marschiert eine Armee guter Geister auf, gefährdete Bezirke des Herzens zu verteidigen, vom Bösen bereits eroberte zurückzugewinnen, unruhige zu befrieden und ängstliche zu schützen. Der 2.Satz Romanze ist lichtreine Seelenmusik, man schlägt ein Kreuz und dankt dem Schöpfer. Der 2.Satz Allegro assai treibt das träumende Herz temperamentvoll zu Tun und Tätigkeit.

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In „Das Wort zum Sonntag“ (ARD) sagt der Pfarrer (ev.) Stefan Claaß zum Thema Demenz: „Saul war vor 3000 Jahren König in Israel. Was die Bibel von ihm erzählt, zeigt in seinen späteren Jahren einen verwirrten und aggressiven Menschen. ‚Als würde ihn ein böser Geist ängstigen‘, heißt es. Was hat ihm geholfen? Der junge David kam an seinen Hof und hat für König Saul auf der Harfe gespielt. ‚So wurde es Saul leichter, und der böse Geist wich von ihm‘, lesen wir in der Bibel. (1. Samuelbuch 16, 23) Vertraute Musik, am besten aktuell gespielt oder gesungen, kann helfen, Panik abzubauen. Musik und Zuwendung sind die beiden Königswege, um dementen Menschen beizustehen. Eine solche Erkrankung ist für alle Beteiligten Neuland. Aber auch an dieser Grenze gilt für alle Beteiligten, was Gott einst dem Josua zugesagt hat: ‚Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht, ich bin mit dir in allem, was du tun wirst.‘ (Josua 1,9) Anne Morrow Lindbergh: „Trotz unserer heutigen Einstellung zur Religion gibt es in der Bibel Kehren, die nirgends besser aufgeführt werden.“

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Aus einem Hymnus Nikolaus Freiherr von Zinzendorfs (1721)

  „Soll’s uns hart ergehn,

  laß uns feste stehn

  und auch in schwersten Tagen

  niemals über Lasten klagen;

  denn durch Trübsal hier

  geht der Weg zu dir.“ -

  „Ordne unsern Gang,

  Jesu, lebenslang.

  Führst du uns durch rauhe Wege,

  gib uns auch die nöt’ge Pflege;

  tu uns nach dem Lauf

  deine Türe auf.“


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