Erich Kästner und die Abnutzung von Büromöbeln

Dienstag, 28. Mai 2013

Schillers „Maria Stuart“. Am besten gefallen diesmal

im ersten Aufzug die Amme Hanna Kennedy:

 „Ich wiederhol’ es: Es gibt böse Geister,

 Die in des Menschen unverwahrter Brust

 Sich augenblicklich ihren Wohnplatz nehmen,

 Die schnell in uns das Schreckliche begehn

 Und, zu der Höll’ entfliehend, das Entsetzen

 In dem befleckten Busen hinterlassen.“

Maria über den Kardinal von Guise:

 „Er zeigte mir, daß grübelnde Vernunft

 Den Menschen ewig in die Irre leitet,

 Daß seine Augen sehen müssen, was

 Das Herz soll glauben, daß ein sichtbar Haupt

 Der Kirche nottut, daß der Geist der Wahrheit

 Geruht hat auf den Sitzungen der Väter.“ 

Der wackere Ritter Paulet:

 „Nicht der laute,

 Nur der gerechte Tadel kann verletzen.“

Der Politiker Burleigh:

 „Das Richterschwert, womit der Mann sich ziert,

  Verhaßt ist’s in der Frauen Hand.“

Im zweiten Aufzug Maria Stuarts Wächter Talbot zu Elisabeth:

  „Nicht Stimmenmehrheit ist des Rechtes Probe;

  England ist nicht die Welt, dein Parlament

  Nicht der Verein der menschlichen Geschlechter.“ - 

  „Wie sich

  Die Neigung anders wende, also steigt

  Und fällt des Urteils wandelbare Woge.“

Elisabeth:

  „Was man scheint,

  Hat jedermann zum Richter; was man ist, hat keinen.“ –

  „Das Schweigen ist der Gott der Glücklichen.“

Im vierten Aufzug Elisabeth:

  „O, der ist noch nicht König, der der Welt

  Gefallen muß! Nur der ist’s, der bei seinem Tun

  Nach keines Menschen Beifall braucht zu fragen.“

Das Trauerspiel in fünf Akten wird am 14. Juni 1800 im Weimarer Hoftheater uraufgeführt. Schiller stellt sich nach den Greueln der Französischen Revolution der Frage, wie der dekadente Feudalstaat in ein rationales bürgerliches Gemeinwesen übergehen könne, ohne dass Europa „in Barbarei und Knechtschaft zurückgeschleudert“ werde - so wie es später etwa in Russland und China geschah.

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Je älter man wird, desto weniger sollte man ungefragt sagen.

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Mozarts Symphonie Nr.29 A-Dur erzählt mir von der Sehnsucht eines unverstandenen Herzens. Im ersten Satz richtet die Melodie eindringlich Bitten und Wünsche an die Welt. Aus dem zweiten Satz seufzt eine Enttäuschung, die sich nicht trösten lassen will. Erst im dritten Satz weckt Entsagung neuen Mut. Im vierten Satz hat sich das Gemüt gefangen, Geduld findet sich mit dem Unabänderlichen ab und es erblüht die Hoffnung auf eine bessere Welt. Auch einem Kommentar: "Obwohl der Charakter der A-Dur-Sinfonie (vor allem im direkten Vergleich mit derjenigen in g-Moll KV 183) an der Oberfläche heiter, gelöst und unproblematisch wirkt, teilt dieses Werk doch mit ihrer 'tragischen Schwester' die Stellung eine ungeheuren Vertiefung und Vergeistigung des sinfonischen Modells."

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Goethe, "Unterhaltungen deutscher Ausgewanderter": "Ich finde wieder die alte Erfahrung bestätigt, daß es besser sei, den Türken als den Renegaten in die Hände zu fallen." - "Nur das Neue scheint gewöhnlich wichtig, weil es ohne Zusammenhang Verwunderung erregt und unsere Einbildungskraft einen Augenblick in Bewegung setzt, unser Gefühl nur leicht berührt und unseren Verstand völlig in Ruhe läßt." - "Gespannte Erwartung wird selten befriedigt." - "Ihre Geschichte sei unterhaltsam, solange wir sie hören, befriedigend, wenn sie zu Ende ist, und hinterlasse einen stillen Reiz, weiter nachzudenken." - "Gold erfreut sich nur des Goldes." - "Verwirrungen und Mißverständnisse sind die Quellen des tätigen Lebens und der Unterhaltung." - "Nichts schärft das Auge des Menschen mehr, als wenn man ihn einschränkt." - "Drei sind die da herrschen auf Erden: die Weisheit, der Schein und die Gewalt."

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Kästner, "Warum ich Feuilletonchef wurde": "Zum Abnutzer von Büromöbeln muß man geboren sein, oder man leidet wie ein Hund."


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