„…niedrig die Menschen und pöbelhaft das Wort“

Mittwoch, 29. Mai 2013

Hebbel, „Michel Angelo“. Am besten gefallen

im 1.Akt Michel Angelo: „Mir ekelt's jetzt vorm Heidentum,

  Ich werb' um einen höhern Ruhm.“

Der Herzog: „Du weißt nur in der Hölle Bescheid,

  Dort ist dein Platz in Ewigkeit!“

Im 2.Akt Pancrazio: „Oculis, non manibus!“

Der junge Orsini: „Schämt euch, ihr Bürger, tut eure Pflicht,

  So braucht ihr deutsche Söldner nicht.

  Einst habt ihr die Welt erobert, und jetzt

  Seid ihr vor den eigenen Mäusen entsetzt

  Und ruft den Löwen als Katze ins Haus?

  Pfui, streck doch selber die Tatze aus!“

Dazu ein Vers aus dem Jahr 1849: „Man muß den Wanzen nicht beweisen wollen, / Daß sie sich selber knicken sollen.“

Und aus dem Vorwort: „Dich fällt der Schwarm der Neider an;

  Was tut's! Vom Prickeln stirbt kein Mann.“

Das Drama in zwei Akten entstand 1855 und spielt in Rom. Hebbel schrieb es mit 42 Jahren, kurz nach dem Tod seines ersten Sohnes und der Geburt seines zweiten.

*

Der Weg ins Leben verlangt das Zupacken, der Weg aus dem Leben das bewusste Nachlassen.

*

Hector Berlioz, "Fausts Verdammnis", als Aufzeichnung einer Aufführung 1998 in Salzburg. Am besten gefallen

im 1.Akt Faust: "O wie süß ist doch das Leben

  fern von aller Masse Streben!" -

  "Komm, flöße ihn mir ein,

  den Trank, der mich zum Schluß

  erleuchten oder töten muß!"

Der Chor: "Christ ist erstanden!" -

  "Herrlich erhoben ist er in Werdelust

  schaffender Freude nah. Ach, an der Erde Brust

  sind wir zum Leiden da,

  Ließ er die Seinen schmachtend zurück.

  Ach, wir beweinen, Meister, dein Glück."

Faust und Chor: "Hab' ich meinen Glauben wieder?

  Bringt er auch den Frieden meiner Kindheit mir zurück?

  Damals war das Beben mir ein frommes Glück.

  Damals trieb mich reine Lust träumend übers grüne Feld." -

  "Der Hauch der göttlichen Liebe,

  ein süßer Schmerz,

  einen Ahnen im Herzen,

  verjagt die finsteren Triebe."

Méphistophélès: "Auf in die Welt, hinaus in Lust und Stürme!"

Chor: "Ein Hoch dem Wein, ein Hoch dem Klaren,

  der mich rasch vergessen lässt,

  dass bei meinem Wiegenfest

  die beiden Paten Säufer waren!"

Dann Branders Lied über die fette und von der Köchin vergiftete Ratte mit dem Refrain "Als hätte sie Liebe im Leibe..." und Méphistophélès' Lied über den König und seinen Floh.

Faust: "Gemein ist dies Vergnügen an diesem üblen Ort,

  niedrig die Menschen und pöbelhaft das Wort."

Chor zu Faust: "Bald ist es vollbracht,

  wenn die dunkle Nacht

  dir die Welt verdunkelt."

Über Marguerite: "Mädchen und Burgen müssen sich geben."

Im 2.Akt Faust: "Ach, wie mich der Unschuld Bett entzückt!"

Danach Marguerites Lied "Es war ein König in Thule..."

Im 3.Akt Méphistophélès: "Nun laßt die Schöne ein gar moralisch Liedchen hören!"

Faust: "Geliebtes Mädchen, dein engelhaftes Bild erleuchtete mein Herz, noch ehe ich dich kannte..."

Im 4.Akt Marguerite: "Ach, dürft ich fassen und halten ihn,

  und küssen, so wie ich wollt',

  an seinen Küssen vergehen sollt'!"

Faust vor seiner Unterschrift. "Was ist schon Morgen dem, den heute Unglück trifft?"

Zum Schluss der Höllensturz der Verdammten und das himmlische Finale mit dem Chor "Herr, ihre Liebe war groß".

Berlioz erhielt den „Faust“ in der Übersetzung Gérard de Nervals und schrieb: „Dieses wunderbare Buch fesselte mich sofort. Ich trennte mich nicht mehr davon und las dauernd darin: bei Tisch, im Theater, auf der Straße, überall!“ 1828/29 komponierte er darüber eine Schauspielmusik („Huit scènes de Faust“) und sandte sie an Goethe. Der Dichter gab die Partitur an den Berliner Musikprofessor Carl Friedrich Zelter weiter, der ein vernichtendes Urteil fällte. Berlioz gab aber nicht auf, der Stoff ging ihm nicht aus dem Kopf. Fünfzehn Jahre später, auf Tournee durch Österreich, Ungarn, Böhmen und Schlesien, begann er, eine „Faust“-Oper zu komponieren: „Ich versuchte weder, das Meisterwerk Goethes zu übersetzen, noch, es nachzuahmen, sondern ließ es lediglich auf mich wirken, in dem Bestreben, seinen musikalischen Gehalt zu erfassen.“ Die Uraufführung 1846 in Paris misslang völlig und stürzte Berlioz fast in den Ruin. Eine zweite Aufführung endete noch schlimmer. Erst 24 Jahre nach dem Tod des Komponisten setzte sich die Oper durch.

 

*

Jean Paul: „Manchmal muß man die Augen schließen, um klarer zu sehen. Unsere größten Erlebnisse sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden.“

*

Mörike, „Nolten“:

  „Ich denke dies und denke das,

  Ich sehne mich, und weiß nicht, nach was;

  Halb ist es Lust, halb ist es Klage.

  Mein Herz, o sage,

  Was webst du für Erinnerung

  In golden grüner Dämmerung?

  Alte, unnennbare Tage!“


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