In diesem Schnaps möchte man nicht als Leiche schwimmen

Donnerstag, 30. Mai 2013

Arrian, "Der Alexanderzug": "…ist es wohl nicht nötig, meinen Namen noch eigens den Zeilen anzuvertrauen. Er ist bei den Menschen sattsam bekannt, ebenso wie meine Heimat, meine Abkunft und die Antwort auf die Frage, ob ich eine politische Rolle in meiner Heimatstadt gespielt habe. Das aber sei ausdrücklich festgestellt: Wirkliches Vaterland, wirkliche Familie und auch wirkliche politische Welt, in der ich heimisch bin, war und ist mir seit frühester Jugend die wissenschaftliche Forschung, wie sie hier dargelegt wird. und nicht zuletzt deswegen halte ich mich für keineswegs unwürdig des Kreises der bedeutendsten Schriftsteller in griechischer Sprache, so wie Alexander selbst bedeutend auf militärischem Gebiet gewesen ist." Über das Verhalten des Welteroberers gegenüber Mutter, Ehefrau und Töchtern des besiegten Dareios und das großzügige Lob des Hephaistos: "Wenn es sich aber in dieser Weise zutrug, so lobe ich Alexander wegen seines Mitleides mit den Frauen ebenso wie wegen seines Vertrauens und wegen der Ehre, die er seinem Freunde erwies. Und selbst wenn es den Autoren nur als glaubwürdig erscheint, Alexander könne derartiges getan oder geredet haben, so will ich ihn allein schon deshalb loben." -  Alexander sagt zu seinem zermürbten Makedonenheer: "Mühen und Gefahren führen zu großen Taten, ein Leben in Tapferkeit ist wahrhaft schön, und ein Tod, der bei der Nachwelt Ruhm hinterläßt." Koinos wagt Einrede: "Was freilich die Gottheit plant, das ist für Menschen auch in diesem Fall nicht genau zu erkennen, und so ist es unmöglich, sich davor zu schützen." Arrian (um 85/90-145/146 n. Chr.) stammte aus Nikomedeia im (heute türkischen) Bithynien und aus einer vornehmen Familie, die in den Ritterstand aufgenommen worden war. Er studierte in Nikopolis bei dem berühmten stoischen Philosophen Epiktet, über dessen Lehren er in seinen Jugendjahren zwei Bücher schrieb.

*

Die klassische Musik zählt zu den letzten Bastionen der Religion.

*

Mendelssohn, Streichersymphonie Nr.11 F-Dur: Schon die ersten Takte lösen Zentnerlasten von Seele und Gemüt, weiten die Brust wie den Blick, und Kaskaden von Gefühlen stürzen aus den freien Höhen schöpferischer Phantasie. Im zweiten Satz neckt irdische Fröhlichkeit den besorgten Geist. Den dritten Satz hebt die Sehnsucht nach dem Wahren, Reinen, Schöne aus dem Sumpf der Sünden, Ängsten und Begierden. Im vierten Satz bricht sich die Energie des Willens Bahn, und der fünfte Satz verbindet die unterschiedlichen Gefühle zu einem frohen Lob des Schöpfers.

*

Alfred Döblin, "Alexanderplatz": "Die Penner haben sich vor der Kälte verkrochen. Wenn es warm ist, stecken sie wieder ihre Nasen raus. Inzwischen süffeln sie doppelte Ration Schnaps, aber was für welchen, man möchte nicht als Leiche drin schwimmen." - "Jung am Galgen gehangen ist besser, als alt Zigarettenstummel suchen." - "Das Deutsche Reich ist eine Republik, und wer‘s nicht glaubt, kriegt eins ins Genick." - "Die Sozialisten haben nicht die staatspolitische Macht erobert, sondern die staatspolitische Macht hat die Sozialisten erobert." - Ein Schiff liegt nicht fest ohne großen Anker, und ein Mensch kann nicht sein ohne viele andere Menschen." Nachum: "Wenn der Vater ä Pflänzchen ist, so möcht er, der Sohn soll ä Baum sein. Wenn der Vater ä Stein ist, soll der Sohn ä Berg sein."

Thomas Mann schrieb über den Autor: "Dieser Schriftsteller ist kraft seiner kecken und scharfen künstlerischen Intelligenz, seines hohen Ehrgeizes, seiner Lebensnähe und einer Gestaltungskraft, die original blieb, indem sie zu lernen verstand, im Begriffe, an die Spitze der geistigen Bewegung Deutschlands zu treten. Nach mehreren großartigen epischen Experimenten, dem chinesischen Roman ‚Die drei Sprünge des Wang-lun‘, einem Wallenstein-Roman, dem Zukunftsroman ‚Berge, Meere und Giganten‘ und dem indischen Versepos ‚Manas‘ hat der Dichter jetzt ganz sich selbst gefunden, indem er die Erfahrung seines Lebens als Armenarzt im Berliner Osten zu seinem Stoff macht. Der Raum verbietet mir, auf das nach seinen künstlerischen Mitteln aufregend interessante Werk näher einzugehen, aber ich bekenne, daß ich in Bewunderung stehe vor diesem großartig gelungenen Versuch, die proletarische Wirklichkeit unserer Zeit in die Sphäre des Epischen zu erheben."

*

Ernst Jünger: „Jeder Mensch hat seine guten Seiten. Man muß nur die schlechten umblättern.“


Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt