„Die Kirche ist das Wohnhaus der Geschichte“

Freitag, 31. Mai 2013

Novalis, "Heinrich von Ofterdingen": "Mich dünkt der Traum eine Schutzwehr gegen die Regelmäßigkeit und Gewöhnlichkeit des Lebens, eine freie Erholung der ungebundenen Phantasie, wo sie alle Bilder des Lebens durcheinanderwirft, und die beständige Ernsthaftigkeit des erwachsenen Menschen durch ein fröhliches Kinderspiel unterbricht." - "Ich weiß nicht, aber mich dünkt, ich sähe zwei Wege, um zur Wissenschaft der menschlichen Geschichte zu gelangen. Der eine, mühsam und unabsehlich, mit unzähligen Krümmungen, der Weg der Erfahrung; der andere, fast ein Sprung nur, der Weg der inneren Betrachtung." - "Wiewohl die Musik und die Poesie wohl ziemlich eins sein mögen und vielleicht ebenso zusammengehören wie Mund und Ohr." - "Es ist nicht die Krone und das Reich, was einen König macht. Es ist jenes volle, überfließende Gefühl der Glückseligkeit, der Sättigung mit irdischen Gütern, jenes Gefühl der überschwenglichen Genüge." - "Der eigentliche Sinn für die Geschichten der Menschen entwickelt sich erst spät, und mehr unter den stillen Einflüssen der Erinnerung, als unter den gewaltsamen Eindrücken der Gegenwart." - "Die Jugend liest die Geschichte nur aus Neugier, wie ein unterhaltendes Märchen; dem reiferen Alter wird sie eine himmlische tröstende und erbauende Freundin, die ihn durch ihre weisen Gespräche sanft zu einer höheren, umfassenderen Laufbahn vorbereitet, und mit der unbekannten Welt ihn in faßlichen Bildern bekannt macht. Die Kirche ist das Wohnhaus der Geschichte, und der stille Hof ihr sinnbildlicher Blumengarten." - "Wenn euer Auge fest am Himmel haftet, so werdet ihr nie den Weg zu eurer Heimat verlieren." - "...der Wein schlich zwischen den Schüsseln und Blumen umher, schüttelte seine goldnen Flügel und stellte bunte Tapeten zwischen die Welt und die Gäste."

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Die himmlischste Musik ist die Stille.

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Verdis "Falstaff" in der Aufzeichnung einer Genfer Aufführung aus dem Jahr 1986. Besonders erfreuen

im 1.Akt Falstaff: "Die Wahrheit ist erwiesen, negiert sind alle Fakten".

Zu Bardolf: "Gehn wir vereint des Abends von Taverne zu Taverne, 

  deiner Nase roter Feuerschein dient brav als Laterne;

  Doch was an Öl ich spare, du zehrst es auf beim Weine.

  Dreißig Jahre begieß ich dieses Pilzes Purpurblüte!"

Über die Ehre: „Füllt sie etwa den Magen?

  Nein. Kann die Ehr ein Bein zurück dir geben?

  O nein. Den Fuß doch? Nein. Den Finger? Nein.

  Doch ein Härchen? Nein. Die Ehre ist kein Wundarzt.

  Was also? Nichts als ein Wörtchen.

  Dies Wort, was wohl es uns kündet?

  Nichts als Luft, die entschwindet. Fauler Zauber!“

im 2.Akt der eifersüchtige Ford:

  "Lieber vertrau ich mein Bier einem Deutschen

  und einem holländischen Wanst mein Essen,

  ja, meine Fässer voller Schnaps den Russen,

  nie doch die Gattin sich selber!"

Im 3.Akt Falstaffs Zorn:

  "Geh, alter John, geh, geh immer so weiter,

  geh weiter so, bis ans Ende.

  Doch dann, dann sinkt mit dir

  das wahrhafte Rittertum zu Grabe.

  Was für ein schwarzer Hundstag!"

Der Wein tröstet ihn:

  "Guter Tropfen lichtet die grauen Sorgen grämlicher Stunden,

  entzündet Auge und Geist,

  vom Munde springt er ins Hirn,

  dort fährt er herum und weckt den Kobold der Triller;

  ein schwarzer Käfer rumort in uns im Rausche.

  Trillernd vibriert das Herz,

  und der Äther schwungt zuckend im Triller,

  bald gerät der Erdball ins Wanken

  in dem Wahnsinn des Trillers."

Falstaff im Park: "Jupiter! Als du Europa freitest,

  erschienst du ihr als Rindvieh;

  du trugest Hörner.

  So lern ich Bescheidenheit von Göttern...

  Die Liebe, ja, sie wandelt

  selbst den weisen Mann zum Tiere."

Zuletzt Fords versöhnliches

  "Wer so gründlich sich täuscht zum eig'nen Schaden,

  ertrage ihn auch standhaft. So schließen wir Verwandtschaft!“

  Das Schlußwort gehört natürlich Falstaff:

  „Alles um uns ist Narrheit,

  wir sind selber nur Narren, geborene Narren!

  Wild durch die Hirne fahren wirbelnd unsere Gedanken.

  Lauter Gefoppte, lauter Gefoppte,

  prellen einander, eh man's gedacht.

  Doch wer zuletzt noch lachte, hat am besten gelacht."

Die Uraufführung 1893 an der „Scala“ war ein großer Erfolg, auch dank der Rückgriffe Verdis auf klassische Orchesterformen. Auch für die Ausbildung junger Komponisten empfahl der Meister:  

„Kehren wir zum Alten zurück, es wird ein Fortschritt sein.“

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Gracián: "Das Vaterland ist allemal stiefmütterlich gegen ausgezeichnete Talente: denn in ihm, als dem Boden, dem sie entsprossen, herrscht der Neid, und man erinnert sich mehr der Unvollkommenheit, mit der jemand anfing, als der Größe, zu der er gelangt ist … Nie wird der die Statue auf dem Altar gehörig verehren, der sie als einen Stamm im Garten gekannt hat."

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Theodor Storm, "Myrten":

  „Sie brach ein Reis vom Hochzeitskranz

  Und pflanzt' es gläubig ein:

  'Nun trage mir ein Kränzlein grün

  Fürs künftige Töchterlein!'

  Sind sechzehn Jahre wohl herum,

  Das Reislein wuchs heran,

  Hier sitzt das wackre Töchterlein -

  Fehlt nur der Freiersmann."

        

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