Der Kaiser, der die Befolgung seiner Befehle verbot

Samstag, 1. Juni 2013

Ernst Jünger, „Afrikanische Spiele“: „Es gibt eine Zeit, in der dem Herzen das Geheimnisvolle nur räumlich, nur auf den weißen Flecken der Landkarte erreichbar scheint, und in der alles Dunkle und Unbekannte eine mächtige Anziehung übt.“ – „Wenn man, in einen undurchlässigen Mantel gehüllt, im Unwetter die großen Wälder durchstreift, so ist man selbst in der Nähe der Großstädte so unbehelligt wie der Taucher auf dem Meeresgrund.“ -  „Nicht nur die Schneider machen Leute, sondern auch die Gastwirte, und nach einem üppigen Mahl betritt man die Straße mit einem besonderen Gefühl der Sicherheit.“ – „…machte ich die Erfahrung, dass man in demselben Maße, in dem man sich von der Autorität entfernt, allerlei zweifelhafte Bundesgenossen gewinnt.“ – „Mit Gesichtern geht es uns wie mit Bildern; obwohl sie uns oft nur auf den ersten Blick gefallen, erkennen wir doch erst viel später die Regeln, nach denen sie gebildet sind.“ – „’s ist immer dasselbe; zuerst ist dir die ganze Welt nicht groß genug, und freust dich zuletzt, wenn du’n ruhiges Plätzchen zum Krepieren ergattert hast.“ – „Nichts berührt uns stärker als die Erinnerung an unsere Torheiten.“ – „Immerhin ist es merkwürdig, dass so mancher über einen Strohhalm stolpert, wo ein anderer sich durch Baumstämme die auf seinem Weg liegen, nicht stören lässt.“ – „Die Erlernung des Waffengebrauchs ist das wahre Esperanto auf dieser unfreundlichen Welt.“ – „Die Liebesleute haben ein eigenes Reich, in dem sie Könige und Richter sind.“ – „Die Kellner, Friseure und Badediener sammeln besondere Erfahrungen; sie kennen jenen Ausschnitt der Welt, den man durch die Schlüssellöcher sieht.“ – „Der Geist schlägt seine Residenzen auch in verfallenen Schlössern auf.“ – „Wie vor den Erfolg den Schweiß, so haben die Götter den Schmerz vor die Erfahrung gesetzt.“ – „Die Muße verliert, wie alle guten Dinge dieser Welt, sogleich den Reiz, wenn sie uns aufgenötigt wird.“ – „Übrigens gehört zu einem vollständigen Lebenslauf und zu den Dingen, auf die man gewissermaßen durch das Recht der Geburt Anspruch erheben darf, auch eine Zeit der Gefangenschaft, und es ist schade, dass mit der ritterlichen Gegnerschaft auch die Möglichkeiten der ehrenhaften Einschließung fast ganz verschwunden sind.“ - „Man erlebt alles, und man erlebt auch das Gegenteil.“ – „Keine Spanne unseres Tages ist geheimnisvoller als der Augenblick, der dicht vorm Einschlafen liegt.“ – „Der Vorstoß in das Gesetzlose ist lehrreich wie der erste Liebeshandel oder wie das erste Gefecht; das Gemeinsame dieser frühen Berührungen liegt in der Niederlage, die neue und stärkere Kräfte erweckt.“ - „Es scheint fast, als ob im Leben ein gewisser Abschnitt unumgänglich sei, in dem man die Verhältnisse, in die hinein man geboren ist, als abgestanden und verstaubt empfindet, und in denen man in seinen Vätern und Erziehern die natürlichen Feinde erblickt.“

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Die Eßkunst beginnt mit dem Löffel und führt wieder zum Löffel zurück.

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Richard Wagners "Lohengrin" als Aufzeichnung einer Aufführung 1982 in Bayreuth. Am schönsten:

Elsa: "Einsam in trüben Tagen

  hab ich zu Gott gefleht,

  des Herzens tiefstes Klagen

  ergoß ich ins Gebet..."

Die Männer und Frauen bei der Ankunft des Schwanenritters:

  "Wie faßt uns selig süßes Grauen!

  Welch holde Macht hält uns gebannt!"

Lohengrin:

  "Nie sollst du mich befragen,

  noch Wissens Sorge tragen,

  woher ich kam der Fahrt,

  noch wie mein Nam' und Art."

Wieder die gerührten Männer und Frauen:

  "Welch holde Wunder muß ich sehn?

  Ists Zauber, der mir angetan?"

Friedrich Graf Telramund:

  "Viel lieber tot als feig!"

König Heinrich:

  "So hilf uns, Gott, zu dieser Frist,

  weil unsre Weisheit Einfalt ist!"

Im 2.Aufzug Friedrich zu Ortrud:

  "Erhebe dich, Genossin meiner Schmach!

  Der junge Tag darf hier uns nicht mehr sehn."

Und Ortrud:

  "Laß saugen mich ein furchtbar tödlich Gift,

  das unsre Schmach und ihre Freuden endet!"

Beide dann:

  "Der Rache Werk sei nun beschworen

  aus meines Busens wilder Nacht!

  Die ihr in süßem Schlaf verloren,

  wißt, daß für euch das Unheil wacht!"

Der König:

  "Mein Held, entgegne kühn dem Ungetreuen!

  Du bist zu hehr, um, was er klagt, zu scheuen!"

Im 3.Aufzug das berühmte

  "Treulich geführt ziehet dahin,

  wo euch der Segen der Liebe bewahr'!

  Siegreicher Mut, Minnegewinn

  eint euch in Treue zum seligsten Paar."

Dann aber Elsa:

  "Ach, könnt ich deiner wert erscheinen,

  müßt' ich vor dir nicht bloß vergehn..."

Lohengrin:

  "Nie soll dein Reiz entschwinden,

  bleibst du von Zweifel rein!"

Lohengrin zum König:

  "Nach Deutschland sollen noch in fernsten Tagen

  des Ostens Horden siegreich nimmer ziehn."

Liszt schrieb dem Komponisten: "Dein Lohengrin ist ein erhabenes Werk vom Anfang bis zum Ende, die ganze Oper ein einziges unteilbares Wunder."

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Sextus Aurelius Victor schreibt in der „Kaisergeschichte“ über Trajan: „Selbst den nachteiligen Folgen seiner zu großen Liebe zum Wein, ein Fehler, welchem er gleich Nerva unterworfen war, hatte seine Klugheit dadurch vorzubeugen gewusst, dass er die Befolgung seiner Befehle nach etwas längeren Gelagen untersagte.“

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Jean Racine, Die Hymnen, II:

  „Wollest unsere Seele führen:

  lehre unsre Natur deinen Willen verstehen;

  nicht ein Zweifel soll mehr unser Hoffen berühren,

  und am Irrtum soll nie unser Glaube vergehn.“

 

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