Adams Grab und Asiens Name

Montag, 3. Juni 2013

Das Wort vom Sonntag

Am Mittwoch, 5.Juni, feiert vor allem die deutsche Christenheit den Gedenktag des hl.Bonifatius. In seinem Epos "Die Ahnen" lässt Gustav Freytags den „Apostel der Deutschen“ sagen: "Und ich erkannte mit Entsetzen, daß auch die Gotteslehre auf Erden ihre heilbringende Kraft verlor. Überall haderten die Bischöfe gegeneinander, einer schalt den anderen Irrlehrer, schlug ihn in das Angesicht oder zückte das Messer gegen ihn, aber kaum einer tat nach dem Gebot des Herrn; und wie die Hirten, so waren auch die Herden völlig verdorben, jede Sünde und Unzucht sah ich in geiler Blüte, die Heiden oft redlicher als die Christen. Ich meinte, daß ich wahnwitzig werden könnte über solche Erdennot, und ich flehte zu dem Himmelsherrn, dem ich mich gelobt hatte, um Rettung für die Menschheit aus unserem Elend ... Den Frieden meines Gottes will ich allen bringen. Damit der Glaube für die Völker der Erde heilkräftig werde, will ich sie lehren, dass ein einziger Gott über ihnen waltet, ein großer Wirt in der Himmelsburg, und hier auf Erden als sein Vogt der Bischof zu Rom, ehrwürdig und gewaltig über alle. Einheit der Lehre soll auf Erden sein, und Einheit im Gehorsam, damit auch Einheit in der Liebe werde. Darum habe ich gepredigt unter den Friesen und Hessen, darum bin ich selbst nach Rom gezogen und habe mich auf Knien dem Papst in seine Hände gelobt als Mann meines Gottes, und darum wandre ich jetzt hier durch das Unkraut der wilden Täler allein mit dir, Knabe, denn austilgen will ich den Jammer der Welt und Heil allen verkünden, die jetzt im Elend sind. Solches hat mir unser Herr in jener Angstnacht geboten."

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Mit Gott ist alles Gute möglich, ohne ihn alles Schlechte.

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Beethovens Siebte, Karl Böhm: Vom ersten Takt an steigert sich eine mitreißende seelische Dramatik, zupackende Musik trägt Geist und Herz auf Wolkenhöhen. Aus zögernden Rinnsalen zwischen Wollen und Warten formen die Melodien einen Strom des Mutes, der unwiderstehlich die Barrieren der Angst und Verzweiflung durchbricht, um die Wüste der Einsamkeit zu wässern, als Triumph des Lebens über den Tod. Der 2.Satz prüft den Urgrund des Seins: wie alt, wie fest, wie fruchtbar noch? Licht dringt in Schächte, aus denen Sünde und Schwäche dunsten. Kraftvolle Harmonien vertreiben das Dunkel des Denkens. Der 3.Satz befreit ganz von irdischer Schwere, ein schwungvoller Tanz der Elemente weckt selbst die unbelebte Materie. Ein machtvolles Motiv weist den Weg: Ziel allen Strebens ist die Anbetung der göttlichen Majestät. Die Natur weiß das, der Mensch aber will heute seinen Schöpfer oft nicht mehr wahrhaben, sich sogar selbst an dessen Stelle setzen. Der 4.Satz führt den Flug der Gedanken an seinen Ursprung zurück: Sie funkeln im geschenkten Glanz göttlichen Lichts, das nun die Erde erhellt. Das Finale hört das Jauchzen der Seelen. Ungeheurer Eindruck auf das Gemüt. Aus einem Konzertführer: "Gerade weil die Siebte keine charakterisierende Überschrift trägt, wurde sie zu einem Tummelplatz allegorischer Versuche, bei denen zwischen antikem Rebenfest, maurisch-spanischer Hochzeitsfeier, Marsch gegen Frankreich und Szenen aus Goethes Wilhelm Meister eine bemerkenswerte Spannweite an Bildern aufgezogen wurde."

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Kierkegaard: "Käme Christus jetzt zur Welt, so würde er doch vielleicht nicht getötet, sondern ausgelacht. Dies ist das Martyrium in der Zeit des Verstandes." - "Gott nötig haben ist des Menschen höchste Vollkommenheit. Man muß sich nicht schämen, daß man Gott braucht." Die Tiefe der Langeweile ist nach Kierkegaard das Sinnbild der Leere, die dort gähnt, wo der Platz Gottes leer geblieben ist. Es geht, so der große Religionsphilosoph, darum, Gottes Worte so in unser Leben hineinzunehmen, als ob Gott jedem von uns mit seinem Evangelium einen persönlichen Liebesbrief geschrieben hätte." Und: „Das Entscheidende ist: Für Gott ist alles möglich. Dies ist ewig wahr und also in jedem Augenblick wahr … Glauben bedeutet eben den Verstand verlieren, um Gott zu gewinnen. Laß es so geschehen … Der Glaubende besitzt das ewig sichere Gegengift gegen Verzweiflung: Möglichkeit; denn für Gott ist jedem Augenblick alles möglich.“ - „Den Sprung in den Glauben kann mir niemand abnehmen.“ – „Beten heißt still werden und still sein und warten, bis der Betende Gott hört.“ Am 5. Mai 2013, vor 200 Jahren, kam Kierkegaard zur Welt. Die Berichterstattung der Medien zu diesem Gedenktag hielt sich leider sehr in Grenzen.

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Die Menschheit lebt nicht so lange, wie sie an Gott glaubt, sondern so lange, wie Gott noch an sie glaubt.

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Rabbi Joschua ben Levi:

  "Wenn ein Mensch reist,

  ziehen Engel vor ihm her

  und Herolde rufen vor ihm aus:

  Macht Platz für das Ebenbild Gottes!"

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Peter Bamm, "Frühe Stätten der Christenheit": "Gemäß einer Legende, die voll tiefen Sinnes ist, liegt Adams Grab unter dem Hügel von Golgotha … Mit der Vertreibung aus dem Paradies fängt die Geschichte des Menschen an." - "Solon, der Gesetzgeber Athens, hat zur gleichen Zeit wie der Prophet Jeremias am ägyptischen Königshof geweilt." - "Schon immer hat die Frömmigkeit die großartigsten Landschaften des Erdballs zu ihrem Schauplatz gewählt." - "Schon der Oberst v. Moltke nahm sich als Andenken an die Jahre, die er im Dienst der Hohen Pforte gestanden hatte, einen echten Fez mit nach Berlin. Dort freilich stellte sein Bursche an einem kleinen Stempel fest, daß der echte Fez aus Pulsnitz in Sachsen stammte." - "Die Türkei ist das einzige Land der Welt, in welchem es sowohl guten Kaffee als auch guten Tee gibt." - "In Ephesus hat Homer, der Vater der Dichtkunst, gelebt. Vielleicht ist er sogar dort geboren. Eine Wiese am Kaystros, dem Fluß, an dem Ephesus liegt, wird bei Homer unter dem Namen Asia erwähnt. Diese Wiese hat dem größten Kontinent unserer Erde den Namen gegeben." Dazu zitiert Bamm die Verse:

  "Dort, gleichwie der Gevögel unzählbar fliegende Scharen,

  Kraniche oder Gäns' und das Volk langhalsiger Schwäne,

  Über die asische Wies', um Kaystrios' weite Gewässer

  Hierhin flattern und dort, mit freudigem Schwange der Flügel,

  Dann mit Getöse ablenken den Flug, daß weither das Gefild  hallt:

  So dort stürzen die Scharen von Schiffen einher und Gezelten

  Auf die Skamandrische Flur...

Über die Apostel in Kleinasien: "Was die Männer aus Syrien auszeichnete, war die Furchtlosigkeit, mit der sie auftraten. Wer den Tod nicht fürchtet, ist mächtig in einer Welt der Angst. Die Furchtlosigkeit ist der Lohn der Wahrheit. Ihr Preis ist der Tod." - Zur Balustrade der Celsus-Bibliothek in Ephesus: „Die Weisheit und das Haupt der Medusa, vereint auf der Agora der Vergänglichkeit, sind ein zweitausend Jahre altes Symbol dafür, daß alles Wissen und alle Weisheit dem Menschen nicht mehr einzubringen vermögen als ein Blick in das dämonische Antlitz der schlangenhaarigen Göttin mit den leeren Augenhöhlen, einen Blick in den Schrecken des Nichts." - "Nichts auf Erden schmeckt der Neugier Europas so gut wie der Staub der Fremde." - "Durch Geradeausgehen kommt man immer irgendwo an." - "A beautiful woman is like a ship with too much sail."

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Der „Osservatore“ lobt eine neue Luther-Biographie: „Martin Lutero e Caterina von Bora“ von Federico A. Rossi di Marignano (Mailand, 416 S., 22 €). Rezensentin Lucetta Scaraffia: „Die Schilderung ist reich an wenig bekannten Details, etwa die Geschichte des Familiennamens Luther, der das Ergebnis einer von Martin vorgenommenen Abänderung des Familiennamens Luder darstellt, der im Deutschen die wenig rühmliche Bedeutung von ‚Biest‘ oder ‚verkommenes Frauenzimmer‘ hat. Hochinteressante Seiten sind der Familie gewidmet, aus der Luther stammte, dem wirtschaftlichen Aufstieg des Vaters, der der Sohn eines Bauern und späteren Bergmanns war, es aber fertigbringt, dem viel versprechenden Sohn das Studium zu finanzieren.“ Über Luthers Brautwahl schreibt die Rezensentin: „Eine Entscheidung, die sich als äußerst glücklich erweisen sollte, Nicht nur wegen der sechs Kinder, die der Verbindung entstammten, sondern auch weil diese Frau, die sechzehn Jahre jünger war als er, sich als eine sehr tüchtige, aktive und praktische Hausfrau Hausfrau erwies – sie hatte im Kloster Griechisch und Latein gelernt – und eine hervorragende Köchin war. So gut, dass Martin, der bis zu diesem Augenblick mager und fast zerbrechlich gewesen war, schnell der beleibte Deutsche wurde, den wir von seinen Portraits kennen. Und wahrscheinlich – so der Biograph – war es gerade seine Vorliebe für Katharinas Leckerbissen, auf die er nicht verzichten wollte, die seinen Tod beschleunigte.“

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Der kleine Prinz Paolo Massimo starb 1583 mit 14 Jahren, bevor ihm sein Beichtvater, der hl. Filippo Neri (1515-1595), die Sterbesakramente erteilen konnte. Durch Gebete gelang es dem Heiligen, den Jungen wieder zum Leben zu erwecken, und Paolo legte die Beichte ab. Danach aber bat er, gleich wieder sterben zu dürfen: Er habe im Himmel bereits seine Mutter und seine Schwester getroffen. Der Raum im römische Palazzo Massimo alle Colonne, in dem das Wunder geschah, wird bis heute jedes Jahr nur am Tag des Wunders, dem 17. März, für Besucher geöffnet.

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