Die Sozialdemokratie als Religion

Donnerstag, 6. Juni 2013

Das Wort zum Freitag

Oswald Spengler: "Mit einer neuen 'Weltanschauung', das heißt einem plötzlichen Blick auf den Tod als Geheimnis der erschauten Welt, erwacht deshalb jede neue Kultur. Als um das Jahr 1000 der Gedanke an das Weltende sich im Abendland verbreitete, wurde die faustische Seele dieser Landschaft geboren." - "Alles Gewordene ist vergänglich". - "Die Zeit gebiert den Raum, der Raum aber tötet die Zeit." – "Das symbolische Erlebnis der Tiefe ist es, welches dem Kinde fehlt, das nach dem Mond greift ... Die Ferne wird empfunden, aber sie redet noch nicht zu Seele." - "Erst mit dem Wachwerden der Seele erhebt sich auch die Richtung zum lebendigen Ausdruck. Und da ist antik das Ruhen in der nahen Gegenwart, das sich allem Fernen und Künftigen verschließt, faustisch die Richtungsenergie, die nur für ferne Horizonte einen Blick hat, chinesisch das Wandeln vor sich hin, das doch einmal zum Ziele führt, und ägyptisch der entschlossene Gang auf dem einmal eingeschlagenen Wege. So offenbart sich die Schicksalsidee in jedem Lebenszuge." - "Erst die höhere Kunst ist entschieden 'Kunst vor Zeugen', vor allem, wie Nietzsche einmal bemerkt hat, vor dem höchsten Zeugen Gott." - "Auch die monologische Kunst sehr einsamer Naturen ist in Wirklichkeit Zwiesprache mit sich selbst als einem Du." - "Nur in der Geistigkeit der großen Städte wird der Ausdruckstrieb vom Mitteilungstrieb überwältigt. Daraus entsteht jene Tendenzkunst, die belehren, bekehren und beweisen will, seien es politisch-soziale oder moralische Ansichten, und gegen die sich in der Formel 'l'art pour l'art' dann wieder weniger eine Übung als eine Meinung auflehnt, die sich der ursprünglichen Bedeutung des künstlerischen Ausdrucks wenigstens erinnert." – Dazu Meister Eckart: "Gott fließt in alle Kreaturen ein, und darum ist alles Geschaffene Gott."

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Der Weck- und Warnruf der Seele klingt deshalb immer wie von fern, weil sie nicht Teil dieser Welt ist.

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Mendelssohn Bartholdy, Symphonie Nr.5 d-moll op. 107 "Reformation": Der in seiner Jugend protestantisch getaufte Komponist schuf sie mit 21 Jahren, als sich 1830 zum 300. Mal der Tag jährte, an dem mit der "Confessio Augustana" die grundlegende Bekenntnisschrift des Protestantismus auf dem Reichstag zu Augsburg verlesen worden war. Der kirchliche Charakter der Sinfonie ist gleich mit den ersten Takten der langsamen Einleitung deutlich. Der kanonische Beginn birgt Erinnerungen an das gregorianische 'Magnificat', die Bläser lassen an liturgischen Sprechgesang denken. Im 2. und 3. Satz befreit sich die Musik, der vierte Satz setzt mit Luthers "Ein' feste Burg" dem Reformator ein würdiges Denkmal.

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Klopstock, "Der Messias". Im ersten Gesang beginnt der Dichter:

  "Sing, unsterbliche Seele, der sündigen Menschen Erlösung,

  Die der Messias auf Erden in seiner Menschheit vollendet,

  Und durch die er Adams Geschlechte die Liebe der Gottheit

  Mit dem Blute des Bundes von neuem geschenkt hat…

  Aber, o Tat, die allein der Allbarmherzige kennet,

  Darf aus dunkler Ferne sich auch dir nahen die Dichtkunst?

  Weihe sie, Geist Schöpfer, vor dem ich hier still anbete,

  Führe sie mir, als deine Nachahmerin, voller Entzückung,

  Voll unsterblicher Kraft, in verklärter Schönheit, entgegen.

  Rüste mit deinem Feuer sie, du, der die Tiefen der Gottheit

  Schaut, und den Menschen aus Staube gemacht zum Tempel sich heiligt!

  Rein sei mein Herz! So darf ich, obwohl mit der bebenden Stimme

  Eines Sterblichen, doch den Gottversöhner besingen,

  Und die furchtbare Bahn, mit verziehnem Straucheln, durchlaufen."

Christliche Demut eines großen Dichters. Friedrich Gottlieb Klopstock (1724-1803), ältestes von 17 Kindern in einer pietistischen Beamtenfamilie aus Quedlinburg, gab die ersten drei Gesänge des „Messias“ 1748 mit dem Untertitel "Ein Heldengedicht" heraus. Die erste vollständige Ausgabe erschien erst 1772. Hexameter nähern die Erzählung vom Kampf des Vaters und des Sohnes gegen die untreuen Engel um Luzifer an Homers Epen an – ein kühnes Wagnis, das vollständig gelang und in seiner Leserschaft große Begeisterung hervorrief. Heute sind Dichter und Werk fast vergessen. Nach dem Gespräch zwischen Vater und Sohn über den Plan der Menschheitserlösung heißt es:

  "Indem die Ewigen sprachen,

  Ging durch die ganze Natur ein ehrfurchtvolles Erbeben.

  Seelen, die jetzo wurden, noch nicht zu denken begannen,

  Zitterten, und empfanden zuerst. Ein gewaltiger Schauer

  Faßte den Seraph, ihm schlug sein Herz, und um ihn lag schweigend;

  Wie vor dem nahen Gewitter die Erde, sein schweigender Weltkreis.

  Nur in die Seelen künftiger Christen kam sanftes Entzücken,

  Und ein süßbetäubendes Gefühl des ewigen Lebens."

Und über das neue Paradies:

  "Doch dereinst, wenn die Morgensterne verjünget

  Aus der Asche des Weltgerichts triumphierend hervorgehn;

  Wenn nun Gott die Kreise der Welten mit seinem Himmel

  Durch allgegenwärtige Anschauung alle vereinbart,

  Dann wird auch der ätherische Strom vom himmlischen Urquell

  Wieder mit hellerer Schöne zum neuen Eden sich senken."

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Katharina von Siena: "Das einzig Wertvolle, das wir Gott anbieten können, ist, unsere Liebe Menschen zu schenken, die ihrer ebenso unwürdig sind, wie wir selbst der Liebe Gottes unwürdig sind."

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Eduard Meyer, „Urgeschichte des Christentums“: „So tritt mit Paulus ein neues Element in die Entwicklung: Petrus und seine Genossen sind die Schöpfer der christlichen Religion, Paulus ist der Schöpfer der christlichen Theologie.“ - „Die Gegensätze und Rivalitäten innerhalb der Gemeinde, die, wie bei jeder fanatischen Propaganda – uns gibt die Sozialdemokratie, die ja auch eine Religion ist, davon eine lebendige Anschauung - , oft genug vor der Öffentlichkeit aufeinander geplatzt sein mögen, und der erbitterte, durch Pauls‘ Auftreten noch gesteigerte Haß der Juden werden die Aufmerksamkeit erst recht auf sie gelenkt haben.“ - „In primitiven Verhältnissen sind die Beziehungen des Menschen zur übersinnlichen Welt immer einfach; zu einem komplizierten Gebäude entwickelt sich die Religion erst mit dem Fortschritt der Kultur.“

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Johannes XXIII.: "Alle Tage, alle Monate gehören dem Herrn: deshalb sind alle gleich gut."

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Storm, "An einem schönen Sommerabend":

  "Wonne in des Menschen Brust.

  Der der Freud ist sich bewußt,

  Die ihm Gott gegeben,

  Die du jedem Menschen schufst,

  Den aus nichts hervor du rufst

  Auf zum ewgen Leben."

 

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