Fünfzig Mädchen für das Heil der Menschheit

Samstag, 8. Juni 2013

Schlegel, "Lucinde": „Wenn die Welt auch eben nicht die beste oder die nützlichste sein mag, so weiß ich doch, sie ist die schönste." - "Es ist Ehe, ewige Einheit und Verbindung unsrer Geister, nicht bloß für das, was wir diese oder jene Welt nennen, sondern für die eine wahre, unteilbare, namenlose, unendliche Welt, für unser ganzes ewiges Sein und Leben." - "Was wir ein Leben nennen, ist für den ganzen ewigen inneren Menschen nur ein einziger Gedanke, ein unteilbares Gefühl." - "Aber freilich ist Geist, Witz und Originalität bei Kindern gerade so selten wie bei Erwachsenen." - "Verhülle und binde den Geist im Buchstaben. Der echte Buchstabe ist allmächtig und der eigentliche Zauberstab." - "O Müßiggang, Müßiggang! du bist die Lebensluft der Unschuld und der Begeisterung: dich atmen die Seligen, und selig ist wer dich hat und hegt, du heiliges Kleinod! einziges Fragment von Gottähnlichkeit, das uns noch aus dem Paradiese blieb." - "Größe in Ruhe, sagen die Meister, sei der höchste Gegenstand der bildenden Kunst." - "Was soll also das unbedingte Streben und Fortschreiten ohne Stillstand und Mittelpunkt? Nichts ist es, dieses leere unruhige Treiben, als eine nordische Unart und wirkt auch nichts als Langeweile, fremde und eigene." - "Der Fleiß und der Nutzen sind die Todesengel mit dem feurigen Schwert." - "Je göttlicher ein Mensch oder ein Werk des Menschen ist, je ähnlicher werden sie der Pflanze." - "Darin dachte unser Freund Herkules richtiger, der fünfzig Mädchen in einer Nacht für das Heil der Menschheit beschäftigen konnte, und zwar heroische." - "Dafür, daß die Frauen meistens weniger sagen, als sie meinen, tun sie bisweilen mehr als sie wollen." - "Der gute Wille ist etwas sehr gutes, aber das ist schlimm an ihm, daß er immer da ist, auch wenn man ihn nicht will."

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Jeder von uns ist ein größeres oder kleineres Schräubchen aus Gottes Werkzeugkasten.

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Händels "Xerxes" in einer Aufführung der English National Opera im London Coliseum. Schon die erste Arie nimmt für dieses Werk ein: kraftvolle Melodie, majestätisches Tempo, erhabener Eindruck. Aber auch die burlesken Passagen sind wohlgelungen, z.B. wenn Atalanta, das typische dumme Ding, im naiven Widerstreit trauriger und leicht zu tröstender Gefühle singt:

  "Hilf meine bittren Leiden

  Mit Blumen zu umkleiden!"

Oder der mal pfiffige, mal törichte Diener Elviro gesteht:

  "Wasser meinen Geist nur niederschlägt,

  Guter Wein zu Lust und Freud bewegt."

Das Bühnenbild beeindruckt durch sparsam-gekonnte Andeutung von persischer Monumentalität, z.B. mit dem Flügelstier, dem Riesenvogel und seinem Ei oder der brechenden Brücke. Aus einer Einblendung zu Beginn: "Die Handlung dieser Oper ist so banal, daß wir den Leser damit nicht langweilen wollen. Sie handelt von einigem Unsinn und der Kühnheit Xerxes', der sich in eine Platane verliebt hat und eine Brücke bauen läßt. Der Rest ist frei erfunden."

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Eichendorff, "Eine Meerfahrt". Der verwegene Kapitän Alvarez sagt: "Da lob' ich mir einen Regenbogen, zweifelhafte Türme von Städten, die ich noch nicht sehe, blaues Gebirge im Morgenschein, es ist, als rittst du in den Himmel hinein; kommst du erst hin, ist's langweilig. Um ein Liebchen werben ist scharmant; heiraten: wiederum langweilig! Hoffnung ist meine Lust, was ich liebe, muß fern liegen wie das Himmelreich." Und: "Ein Weltentdecker muß den Kompaß in den Füßen haben, in der Wildnis bläst der Sturm die Studierlampe aus, da schlägt ein kluger Kopf sich Funken aus den eigenen Augen."

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Heinrich Heine in „Deutschland. Ein Wintermärchen“ über den Großen Brand von 1842 in Hamburg:

  „Aufmunternd sprach ich: 'Ihr lieben Leut',

  Ihr müßt nicht jammern und flennen.

  Troja war eine bessere Stadt

  Und mußte doch verbrennen.“

 

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