Das bescheidene Grab des Apostels Barnabas

Montag, 10. Juni 2013

Das Wort vom Sonntag

Morgen feiert die katholische Christenheit den Gedenktag des

hl. Barnabas (hebräisch „Sohn der Prophetie“), der zu den Aposteln zählt - wenn auch nicht zum Kreis der Zwölf - und eigentlich Josef heißt. Er ist ein Levit aus Zypern und nach Tertullian (160-220) der eigentliche Verfasser des Hebräerbriefes. Barnabas begleitet Paulus auf Reisen nach Antiochia und Korinth. Später missioniert er mit seinem Vetter Johannes Markus, dem Evangelisten, auf Zypern. Nach der Überlieferung wird er in Salamis gesteinigt. Seine letzte Ruhestätte im St.Barnabas-Kloster bei Famagusta liegt seit der Teilung Zyperns im August 1974 im türkischen Teil, die letzten drei Mönche verließen das kleine Heiligtum 1976. Es gibt kein anderes Apostelgrab, das auch nur annähernd so bescheiden wäre. 1978 gaben die Wächter im Kloster Besuchern ohne Umstände den Schlüssel und machten nicht einmal den Fußweg von höchstens fünfzig Metern durch den noch nicht aufgeblühten Garten mit. Das Wasser des nahen Brunnens wird für heilkräftig gehalten.

In der Spätantike spielte das Grab eine kirchenpolitische Rolle: Seit dem 4.Jhdt. hatte der Patriarch von Antiochien das Recht der zyprischen Kirche bestritten, Bischöfe einzusetzen. Im Jahr 477 wies dem bedrängten Erzbischof Anthemius eine Vision den Weg zu dem verschollenen Apostelgrab. Man fand den Leichnam mit einem handgeschriebenen Matthäus-Evangelium auf der Brust. Damit war bewiesen, dass die Kirche von Zypern eine apostolische, also von einem Apostel selbst gegründet war. Eine Synode erkannte ihre Unabhängigkeit an, und Anthemios erhielt vom hl. Zenon von Antiochien die ersehnten Privilegien: Er durfte den Purpur und statt des Hirtenstabs ein Zepter tragen - und wie der Kaiser mit roter Tinte unterschreiben. Damit war Zypern nach den Patriarchaten die erste autokephale Kirche überhaupt, noch vor Georgien und Bulgarien; Griechenland erreichte diesen Rang erst im Jahr 1850.

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Die Bilanz des Lebens als Geschenk Gottes gleicht nur aus, wer für andere mehr tut als für sich selbst. Die Differenz lässt sich unter "Dankbarkeit" verbuchen.

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Schon Augustinus fragt, ob tote Sünder durch "eine Art Fegfeuer" gerettet werden könnten, und Gregor von Nazianz spricht von einem Reinigungsfeuer - die Idee entstammt also keineswegs dem "finsteren" Mittelalter, das jedenfalls in der der Bevölkerung durchaus nicht dunkler wirkt als unsere neopagane Postmoderne: so viel Schaden damals die bekannten Auswüchse klerikalen Machtmissbrauchs verursachten, so viel Segen brachte die tief verwurzelte Volksfrömmigkeit. Ernst Jünger erinnert an die unterirdischen Kammern der Etrusker, errichtet, auf dass die Toten sich wohlfühlten: "Noch heute wird man heiter, wenn man sie betritt."

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Richard Strauss, "Im Abendrot": süße Wehmut des Scheidens, holder Glanz eines für für irdische Augen Dunkelns, hinter dem Ewigkeit wartet, und der Frieden eines Dankgebets. Von hohem Gipfel einsamen Sterbens weht die Seele in die Seligkeit davon.

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Hesse, „Innen und Außen“: „Nichts ist außen, nichts ist innen. Der religiöse Sinn davon ist dir bekannt: Gott ist überall. Er ist im Geist, und ist auch in der Natur. Alles ist göttlich, weil Gott das All ist. Wir nannten das früher Pantheismus. Dann der philosophische Sinn: die Scheidung von außen und innen ist unserem Denken gewohnt, ist ihm aber nicht notwendig. Es gibt die Möglichkeit für unsern Geist, sich hinter die Grenze zurückzuziehen, die wir ihm gezogen haben, ins Jenseits. Jenseits der Gegensatzpaare, aus denen unsere Welt besteht, fangen neue, andere Erkenntnisse an.  – Aber, lieber Freund, ich muss dir bekennen: seit mein Denken sich geändert hat, gibt es keine eindeutigen Worte und Sprüche mehr für mich, sondern jedes Wort hat zehnerlei, hunderterlei Sinn. Hier eben beginnt, was du fürchtest: Magie.“

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Zweck des Lebens ist Entwicklung. Ziel dieser Entwicklung ist Gott. Nur dieser Weg gibt dem Leben Sinn. Der Tod beendet die Phase des Glaubens. Im Jenseits gibt es nur Wissen und Staunen.  

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Gerhart Hauptmann, „Der Narr in Christo Emanuel Quint“: „Kein Narr in der Welt, der nicht Narren macht!“ - „Jeder, der den eigentümlichen Reiz des Wanderns kennt, und besonders des Wanderns im Gebirge, weiß, welchen Reichtum an Bildern es innerlich auftauchen läßt und welche Fülle starker Empfindungen.“- „Man darf aber nicht vergessen, daß edle und wahre Entrüstung ein echtes Sonntagsvergnügen des sich begnügenden Kleinbürgers ist.“ - „Alle verschiedenen Arten und Grade der Träume erforscht zu haben würde bedeuten, in einem weit tieferen Sinne als irgendeinem heutigen, Kenner der menschlichen Seele zu sein.“ - „Im Volk, das heißt bei der ungeheuren Mehrzahl der Menschen, besonders vielleicht in der bodenständigen Schicht, lebt, unaustilgbar, nicht immer eingestandenermaßen, die Hoffnung auf einen Menschen oder auf einen Tag.“ - „Wenn es bei jemandem zu rappeln begönne, meinte er, so finge es eben meistens im Kopfe an.“ - „Die Phantasie ist des Menschen Mantel. Die Phantasie ist das, was der Geist erzeugt und wovon sich die Seele des Menschen nährt. Die Seele auch des verknöchertsten Mannes nährt sich aus den Schätzen der Phantasie, trotzdem er sie bekämpft und geringschätzt, wie die Lunge von Luft: und sofern es dem Manne gelänge, eben die Phantasie zu ersticken, so stürbe sein Geist: - und auch seine Seele, so wie sein Körper, verfiele unrettbar dem Erstickungstod. In dem Bereiche der Phantasie wohnt dem Menschen der Mensch, Welt und Gott! Dem Manne das Weib! Dem Weibe der Mann! Den Eltern das Kind! Dem Kinde die Eltern! In ebendemselben Bereich schweben und weben Hölle und Paradies. Der Einzelmensch ist in eine bunte, gebärende Wolke eingeschlossen, eine Wolke, die jeder nur um sich selber, nicht aber an seinem Nebenmenschen sieht, der in Wirklichkeit von einer ähnlichen gebärenden Phantasmagorie umgeben ist. Das größte soziale Bindemittel der Natur ist immer ein gemeinsames Gebilde der Phantasie. Das wissen diejenigen sehr genau, die aus einer Vielheit von Menschen eine gefügige Einheit herstellen wollen. Solche staatenbildenden Unterjocher und Herrschernaturen bedienen sich jener Männer, die, mit fanatischer Phantasie begabt, den Glauben an ihre Träume besitzen, fordern und durchsetzen, wodurch denn bei der Masse das gemeinsame Heiligtum errichtet wird, für dessen Erhaltung ihr bald, während langer Zeitperioden, kein Opfer zu kostbar ist.“

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Albert Schweitzer: „Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in einer Garage steht.“

 

 

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