Don Carlos von Schiller und Verdi

Freitag, 14. Juni 2013

"Don Carlos": "Tun Sie das Ihre" - Schiller schließt das Drama so bitterscharf und schneidend kurz wie "Die Räuber" ("...dem Manne kann geholfen werden"), "Fiesko" ("Ich gehe zum Andreas") oder "Kabale und Liebe" ("Jetzt euer Gefangener.") Diesmal wirkt die Haltung der alten Bewahrer, des Königs und des Großinquisitors, eher tragisch als verächtlich - es sind versteinerte Menschen, in denen ursprünglich wertvolle Ansichten zur Grausamkeit gerannen. Notiert:

Don Carlos: "Doch hab ich immer sagen hören, daß

  Gebärdenspäher und Geschichtenträger

  Des Übels mehr auf dieser Welt getan,

  Als Gift und Dolch in Mörders Hand nicht konnten."

Der Marquis von Posa: "Doch große Seelen dulden still."

Die Königin: "Wie groß wird unsere Tugend,

  Wenn unser Herz bei ihrer Übung bricht!"

König Philipp II.: "Mir gefallen

  Die Söhne nicht, die beßre Wahlen treffen

  Als ihre Väter."

Carlos: "Wie schön ist es, und herrlich, Hand in Hand

  Mit einem teuern, vielgeliebten Sohn

  Der Jugend Rosenbahn zurück zu eilen,

  Des Lebens Traum noch einmal zu durchträumen!“

Der Prior: "Das Ohr der Neugier liegt nur an den Türen

  Des Glückes und der Leidenschaft."

Der Großinquisitor: "Kennen

  Sie Schwärmersinn und Neuerung so wenig?

  Der Weltverbeß'rer prahlerische Sprache

  Klang Ihrem Ohr so ungewohnt?"

Posas Forderung der Gedankenfreiheit ist heute nur zum Schein erreicht und stets gefährdet, bei uns vor allem durch die politisch korrekte Tyrannei der veröffentlichten Meinung.

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Verdis "Don Carlos" in der Aufzeichnung einer Aufführung in Paris 1996. Besonders gelungen:

Im 1.Akt die Arie "Fontainebleau! Dies ist der Wald, so weit und einsam!" mit der Bitte des Helden "Gott beschütze unsrer Liebe Bund".

Im 3.Akt das dramatische "Ich kenne Eure Macht, doch Ihr kennt meine nicht!" der Prinzessin Eboli, das ergreifende Flehen der niederländischen Gesandten "Bringt den Frieden Ihr, der die Macht hat vor Gott!" und das tröstliche "Zu Gott, zu Gott empor führt Euer Weg, ihr armen Seelen" an die Delinquenten der Inquisition.

Im 4.Akt Philipps trauriges "Sie hat mich nie geliebt!" und das grausame "Der Menschheit Frieden wiegt wohl mehr als ein Verräter", verdächtig nahe am Urteil des Hohepriesters Kajaphas "Ihr bedenkt nicht, daß es besser für euch ist, wenn ein einziger Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk zugrunde geht" (Johannes 11, 50). Schließlich Philipps "Verflucht, sei verflucht, zu verzehrender Zweifel". Unvergeßlich das Bild, das den Großinquisitor mit seinen Krücken wie eine Kröte über dem Leichnam des toten Marquis de Posa zeigt.

Im 5.Akt "Du erfuhrst, wie vergänglich die irdische Größe" mit Elisabeths Bitte an die "schönen Gärten Spaniens": "...sagt ihm das Lied unserer Liebe von einst!" und Don Carlos' traurige Feststellung "...doch unerfüllte Liebe, sie tötet vor dem Tod." Die letzten Klänge lassen bewegt und betroffen zurück.

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Jedes Buch ist eine Tür, hinter der sich eine neue Welt öffnet.

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Puschkin, "Der Posthalter": "In der Tat, was wäre mit uns allen, wenn anstatt der allgemein so bequemen Regel: der Rang ehre den Rang, der andere sich eingebürgert hätte, wie etwa: der Verstand ehre den Verstand. Was für Streitigkeiten gäbe es da nicht! Und bei wem würden die Diener mit dem Servieren anfangen?"

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Boethius, „Trost der Philosophie“:

  "Wer tiefen Sinnes auf der Wahrheit Spuren geht,

  Wer nie auf falschen Wegen straucheln mag,

  Der wende zu sich selbst des inneren Blickes Licht,

  Den weiten Bogen zwingend, schließe er den Kreis;

  Er lehre seinen Geist: was draußen er gesucht,

  Besitzt er längst verschlossen in ureignem Schatz..."

 

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