100.000 tote Christen – in Deutschland kein Thema

Donnerstag, 13. Juni 2013

Das Wort zum Freitag

Der Papst klopft an die Himmelstür und Petrus macht nicht auf. So schildert es das berühmte Pamphlet „Iulius exclusus e coelis“ im geschliffenen Stil eines großen Geistes. Der Papst ist Julius II. (1443-1513), insgeheim genannt „der Schreckliche“, Politiker, Feldherr und Mäzen nicht nur Michelangelos. Das Büchlein macht nach seinem Tod heimlich und handschriftlich die Runde, erst 1517 wird es anonym veröffentlicht. Der Papst erscheint mit einer Horde Soldaten und droht, die Himmelspforte aufzubrechen. Petrus verteidigt im Wortgefecht die Botschaft des Evangeliums. Der satirische Dialog stellt die unterschiedlichen Sichtweisen gegeneinander: Hier die triumphierende, dort die leidende Kirche. Am Ende empfiehlt der Apostel seinem Nachfolger, sich doch selber einen Himmel zu bauen. Jetzt hat die italienische Forscherin Silvana Meidel Menchi nach jahrelangen philologischen Studien den Autor entlarvt: Es ist der hl. Erasmus von Rotterdam (1466/69-1536). Damals hatte der große Gelehrte die Urheberschaft entschieden geleugnet, 500 Jahre später gilt er als überführt. Als „Atatort“ ermittelte die Experten Cambridge, als Tatzeit den Winter 1513/14.

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Weiter in Gerhart Hauptmanns „Der Narr in Christo Emanuel Quint“: „Die Augen der Engel heiligen, was sie betrachten ... Die Worte des Teufels und die Augen des Teufels sind es, die Himmel und Erde gemein machen.“ Der junge Dominik sagt: „Ich will eher alles andere drangeben, aber ich möchte nicht den reinen Besitz meiner Seele abgeben, um angenehm unter den Kindern der Welt zu sein.“ - „Der Lehrer Krause pflegte zu sagen: Jede Religion ist falsch, die den Menschen finster macht.“ - „Der in der Menge Verlorene sondert sich gern im Geheimnis von ihr, wobei er sich selbst als einen Wissenden fühlen kann, die Masse der anderen als Unwissende. Er wird ein Kunde, ein Kundiger, und mit einer größeren oder geringeren Zahl von Genossen erachtet er sich und darf sich erachten als berufen und auserwählt; wo er doch sonst, ein Tropfen im Meer, nur als ein Geringer und, nach seinem geringen Verdienst, unbeachtet dahinzuleben gezwungen wäre. Schon Kinder, die ein Geheimnis gemeinsam haben, gewinnen damit ein Gefühl von besonderer Wichtigkeit.“ - „Wer wüßte nicht, in welchem Umfang allein die Nacht die Dämonen im Innern der Menschen entfesseln kann und wie dagegen die schöne Klarheit der Sonne die Abgründe deckt und die Seele zu Licht und Ordnung verklärt.“ - „Das Leben der gesamten Natur, die wir kennen, in Besondertheit alles organische Leben, vollzieht sich für uns in Form von Bewegung, insbesondere durch Geburt, Tod und Wiedergeburt.“- „Es ist ein seltsamer Vorgang, wenn eine neue Generation die Fäden ihrer Geistesgemeinschaft über die Erde spinnt. Junge Leute, die ihre Aufgabe, einen besonderen Lebensberuf zu finden, noch nicht erfüllt haben, fühlen den allgemeinsten Beruf, die alte verrottete Welt zu verjüngen, fühlen die ungeheure Aufgabe umfassendster Reformation und Revolution einer Menschengesellschaft, die ihrer Ansicht nach bis zum Augenblick ihres Erscheinens – nämlich der neuen Generation! - Jahrtausende und Jahrtausende lang auf falschen Wegen gewesen ist.“ Gerhart Hauptmann (1862-1946) schrieb seinen ersten Roman 1910, zwei Jahre bevor er den Nobelpreis erhielt.

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Im Himmel heißt das das Glück nicht Fortuna, sondern Felicitas.

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Händel, Concerto grosso Nr.1 in G-Dur: Der erste Satz läßt die Stimme des Engels ahnen, der Gottes Frieden verkündet. Der zweite mahnt, die Zeit zur Arbeit zu nutzen, da alle gute Arbeit eine Nachahmung der Schöpfung
Gottes ist. Der dritte hofft, die Früchte der Arbeit in Dankbarkeit, Besinnlichkeit und Würde zu genießen. Der vierte genießt, was zur Freude des Menschen erschaffen wurde. Der fünfte Satz hofft, dass sich auch Gott erfreue, zu dessen Ehre Mensch und Schöpfung ins Leben gerufen sind. Händel komponierte die zwölf Concerti grossi innerhalb eines Monats, vom 29.September bis zum 30.Oktober 1739.

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Birgitta von Schweden: „Die Sonne ist nicht verschwunden, weil die Blinden sie nicht sehen.“

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Aus einer Predigt des hl. Petrus Chrysologus: "Laßt uns diese Scharen der Bosheit in unserem Herzen besiegen, da Christus uns verteidigt! Laßt uns diese Bestien der Sünden mit dem Namen des Herrn schrecken und aus unseren Herzen vertreiben! Laßt uns diese wütenden Verbrechen, diese gefräßigen Vögel mit der Lanze des Kreuzes aus unserem Inneren tapfer verjagen! Dann wird der Glanz unserer Stadt, die Heiligkeit unseres Tempels, der reine und einzigartige Schmuck unseres Hauses den Schöpfer einladen und auffordern, immer in uns zu wohnen. Dorthin können die Laster nicht zurückkehren, wo Christus mit seinen Tugenden wohnt."

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Der Unglaube führt mitten in die Finsternis des Willens.

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Weiter im "Steppenwolf": "Die Heiligen, das sind die echten Menschen, die jüngeren Brüder des Heilands." - Die Ewigkeit "ist das Reich jenseits der Zeit und des Scheins." - "Und die 'Ewigkeit' war nichts andres als die Erlösung der Zeit, war gewissermaßen ihre Rückkehr zur Unschuld, ihre Rückverwandlung in den Raum." - "Abschiednehmen ist schön, es stimmt sanft." - "Aller höherer Humor fängt damit an, daß man die eigene Person nicht mehr ernst nimmt." - "Wenn Sie dem Radio zuhören, so hören und sehen Sie den Urkampf zwischen Idee und Erscheinung, zwischen Ewigkeit und Zeit, zwischen Göttlichem und Menschlichem. Gerade so wie das Radio die herrlichste Musik der Welt zehn Minuten lang wahllos in die unmöglichsten Räume wirft, in bürgerliche Salons und in Dachkammern, zwischen schwatzende, fressende, gähnende, schlafende Abonnenten hinein, so, wie er diese Musik ihrer sinnlichen Schönheit beraubt, sie verdirbt, verkratzt und verschleimt und dennoch ihren Geist nicht ganz umbringen kann - gerade so schmeißt das Leben, die so genannte Wirklichkeit, mit dem herrlichen Bilderspiel der Welt um sich, läßt auf Händel einen Vortrag über die Technik der Bilanzverschleierung in mittleren industriellen Betrieben folgen, macht aus zauberhaften Orchesterklängen einen unappetitlichen Töneschleim, schiebt seine Technik, seine Betriebsamkeit, seine wüste Notdurft und Eitelkeit überall zwischen Idee und Wirklichkeit, zwischen Orchester und Ohr."

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Der Vertreter des Vatikans bei den UN-Behörden in Genf, Erzbischof Silvano Maria Tomasi, gibt auf einer Konferenz die Zahl der jährlich weltweit wegen ihres Glaubens getöteten Christen mit 100.000 an. Zu dieser „schockierenden Zahl“ seien „glaubwürdige Untersuchungen“ gekommen. Aktuellstes Beispiel sind die beiden in Aleppo entführten Bischöfe. Christen unterschiedlicher Konfessionen müssten die Zerstörung ihrer Kultstätten, Vergewaltigungen und Entführungen ihrer Leiter erleben, sagte Tomasi. Viele dieser Taten seien die Folge von Intoleranz, Terrorismus und diskriminierenden Gesetzen. Auch in westlichen Ländern verstärke sich der Trend, dass Christen aus dem öffentlichen Leben ausgegrenzt und an den Rand gedrängt und dass ihr historischer Beitrag für das Gemeinwesen geleugnet werde. In Presse und Rundfunk in Deutschland über die Konferenz kein Wort. Das Christentum zählt zu den Schweigeopfern der Political correctness.

 

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